Ein Windrad steht in einem Wald - im nordhessischen Reinhardswald sollen 20 Windräder im gebaut werden.

Geplante Windräder sind im nordhessischen Reinhardswald schon länger ein Zankapfel. In Trendelburg wurden nun Unterschriften für gleich zwei Bürgerbegehren eingereicht, die den Bau verhindern sollen. Der Bürgermeister teilt die Kritik.

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Audioseite Bürgerbegehren gegen Windpark im Reinhardswald

Reinhardswald: Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen Windräder im Reinhardswald überreichen dem Trendelburger Bürgermeister die Unterschriften.
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"Rettet den Reinhardswald" steht auf einem der Pakete, die die Freie Wahlgemeinschaft Trendelburg (Kassel) am Montag dem parteilosen Bürgermeister Martin Lange überreicht hat. Darin befanden sich gesammelte Unterschriften, um den Windpark Reinhardswald doch noch zu verhindern. Es kamen, sagen die Initiatoren, deutlich mehr zusammen als nötig. Der geplante Windpark in der Region ist schon länger umstritten.

Begehren gegen Entscheidung der Stadtverordneten

Die bisherigen Planungen sehen vor, dass im gesamten Reinhardswald bis zu 20 Windräder aufgestellt werden, für 18 von ihnen läuft bereits das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Kassel. Die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR), in der auch Trendelburg ist, hatte für die beteiligten Kommunen Zahlungen in Höhe von je 620.000 Euro als Darlehen an die Genossenschaft veranschlagt. Die Stadtverordnetenversammlung in Trendelburg stimmte dem im Dezember zu. Die GmbH, die den Windpark errichten und betrieben soll, gehört zu 51 Prozent der EGR.

Gegen die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung richtet sich das erste der zwei Bürgerbegehren: Der Beschluss soll aufgehoben werden, er sei "zum jetzigen Zeitpunkt unnötig", begründen die Initiatoren das Begehren. Die Genehmigungsverfahren laufen zurzeit noch, spätere Klagen seien damit noch möglich. Rund 1.000 Stimmen sammelte die Initiative für dieses Begehren, 400 wären nötig gewesen.

Bürgermeister: "Nicht jedes Windrad ist gut"

Bürgermeister Lange nahm die Unterschriften in seiner offiziellen Funktion als Vorsitzender des Magistrats entgegen. Privat vertrete er eine andere Meinung als die Merheitsmeinung im Parlament, sagt er. Er ist gegen den Windpark: "Wir haben mit 40 Windkraftanlagen derzeit sieben Mal mehr Strom als wir verbrauchen", sagt er, von seinem Büro aus blicke er auf mehrere Windräder. "Wir müssen erneuerbare Energien ausbauen, aber nicht jedes Windrad ist gut."

Lange hat ähnliche Kritikpunkte wie andere Gegner des Windparks in der Region: Es gebe Brandgefahr, die touristische Entwicklung der Region werde negativ beeinflusst, und manche Argumente der Befürworter seien schlicht falsch. Wenn er höre, dass auf baumfreien Flächen im Wald sowieso nichts steht, "da dreht sich mir der Magen um". Das sei Käferholz, Windbruchflächen hätten eine sehr große Artenvielfalt.

Begehren für Austritt aus Energiegenossenschaft

Die Initiatoren streben mit dem zweiten Bürgerbegehren aber noch einen weiteren Schritt an: Sie wollen, dass die Gemeinde aus der Energiegenosschenschaft austritt - wie auch schon andere Kommunen in der Vergangenheit. Mit der Beteiligung in der Genossenschaft sehe es für die Landesregierung so aus, als gebe es eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung - was nicht der Fall sei, kritisiert das Bürgerbegehren. Rund 950 Trendelburger unterschrieben dieses Begehren.

Windkraft stehe für Klimaschutz, verteidigt die Windpark GmbH ihre Pläne. Windräder sollen bundesweit Teil der Energiewende sein, um perspektivisch mehr Strom aus erneuerbare Energien zu gewinnen. Die dafür nötigen Räder sind nicht nur im Reinhardswald umstritten bei Anwohnern. Auch in anderen Regionen wie im Taunus, Spessart oder im Odenwald gab es immer wieder Proteste.

Jetzt sind die Stadtverordneten an der Reihe

Für Trendelburg kritisieren die Initiatoren des Bürgerbegehrens, dass es für die EGR zunächst einen "Plan A" gegeben hätte - die Verhinderung des Windparks. Zu schnell sei allerdings zu "Plan B" übergegangen worden: Wenn der Windpark nicht verhindert werden kann, bauen die Kommunen selbst. Ein Kritikpunkt, den auch Bürgermeister Lange nachvollziehen kann.

Die Bürgerbegehren muss nun zunächst geprüft werden, die Stadtverordnetenversammlung muss dann beschließen, ob das Begehren zulässig ist. Bis die Trendelburger abstimmen könnten, wird es noch einige Monate dauern.

Sendung: hr1, 11.01.2021, 18 Uhr