Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gericht entscheidet für umstrittenen Windpark

Windräder

Der jahrelange Streit um Windkraft auf dem Taunuskamm bei Wiesbaden ist entschieden - vorerst. Das Land Hessen muss die Anlage "Hohe Wurzel" laut Verwaltungsgericht genehmigen. Unwahrscheinlich, dass nun Ruhe einkehrt.

Laut einem Gerichtsurteil muss das Land Hessen den Bau des umstrittenen Windparks auf dem Taunuskamm genehmigen. Der entsprechenden Klage der Eswe Taunuswind GmbH sei stattgegeben worden, sagte eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts in Wiesbaden am Freitagabend.

Der Energieversorger ist ein Tochterunternehmen der städtischen Gesellschaft Eswe. Er hatte geklagt, nachdem der Bau von insgesamt zehn Windrädern mit einer Höhe von jeweils rund 207 Metern vor allem aus Wasser- und Naturschutzgründen abgelehnt worden war.

Initiative gibt nicht auf

Die entsprechenden Waldflächen des Windparks "Hohe Wurzel" befinden sich auf dem Gebiet der Stadt Wiesbaden und der Stadt Taunusstein. Neun der zehn Windkraftanlagen sind in einem Wasserschutzgebiet geplant. Das Land hatte die Genehmigung bisher versagt, weil im Betrieb Schadstoffe aufgrund der Felsstruktur in den Boden dringen und das Grundwasser verschmutzen könnte. Aus dem Gebiet wird sehr viel Trinkwasser für Wiesbaden und Umgebung bezogen.

Das Gericht sah diese Gefahr ebenfalls, ordnete das von der Eswe Taunuswind vorgelegte Sicherheitskonzept aber als ausreichend ein, um dieses Risiko zu minimieren. Ein Null-Risiko könne nicht gefordert werden.

Ausnahme vom Falken-Tötungsgebot

Auch die Gefahr durch die Anlagen für die in dem Gebiet des geplanten Windparks lebenden Wanderfalken ist laut Gericht kein Grund, den Bau nicht zu genehmigen. Zwar würden die Tiere als besonders geschützte Art gelten und damit einem Tötungsverbot unterliegen, so die Richter. Aber die Windräder würden zur Versorgung und damit zur öffentlichen Sicherheit beitragen, daher liege eine Ausnahme vom Tötungsverbot vor.

Der Streit zwischen Land und Eswe Taunuswind GmbH läuft seit vier Jahren. Zur Ruhe kommt die Angelegenheit damit vermutlich nicht. Bürger kämpfen erbittert gegen den Bau - auch mit dem Vorwurf, die Landschaft würde verschandelt.

Es gibt auch eine Initiative namens "Rettet den Taunuskamm". Sie hatte schon vor der Entscheidung des Verwaltungsgericht angekündigt, im Falle eines Erfolgs der Betreiber den Widerstand auch juristisch fortzusetzen.

Kaum neue Anlagen

Vor allem wegen solcher Bürgerproteste kommt der Ausbau der Windkraft in Hessen kaum voran. 2019 waren hier laut Fachagentur für Windenergie lediglich vier neue Windkraftanlagen in Betrieb gegangen. Schlechter lief dieser Teil der Energiewende nur im Saarland. Hessen will bis zum Jahr 2030 die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid um 55 Prozent senken.

Sendung: hr-iNFO, 24.7.2020, 21 Uhr