Eine Condor-Maschine im Landeanflug auf den Flughafen Frankfurt

Nach der Insolvenz des britischen Touristikkonzerns Thomas Cook kann die Fluggesellschaft Condor ihren Betrieb aufrecht erhalten: Vom Staat kommt finanzielle Hilfe. Gespräche mit möglichen Käufern laufen. Auch Thomas Cook Deutschland will einen Kredit.

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Hinweis: Dieser Bericht bildet den Stand der Dinge vom Dienstagabend ab und wird nicht mehr aktualisiert. Zu den Entwicklungen nach dem Insolvenzantrag von Thomas Cook Deutschland am Mittwochvormittag lesen Sie bitte hier.

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hsk
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  • Das Land und der Bund wollen mit einem 380-Millionen-Euro-Kredit mithelfen, dass Condor trotz der Pleite der Konzernmutter Thomas Cook weiterfliegen kann und einen Käufer findet.
  • Um möglichst alle 4.900 Arbeitsplätze zu retten, soll Condor aus dem Thomas-Cook-Konzernverbund gelöst werden.
  • Auch die Thomas Cook GmbH beantragte einen staatlichen Überbrückungskredit. Die deutsche Tochter des britischen Reiseveranstalters mit Sitz in Oberursel hat nicht Insolvenz angemeldet.
  • Thomas-Cook-Kunden mit geplantem Abreisedatum 25. und 26. September können ihre Reisen nicht antreten. Aus dem Ausland nach Hause fliegen können die Pauschalreisegäste.
  • Unklar ist, wie es ab Freitag weitergeht. An dem Tag beginnen in Hessen und Rheinland-Pfalz die Herbstferien.

Der Staat hilft dem Ferienflieger Condor nach der Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook mit einem sechsmonatigen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro. Das bestätigte Condor am Dienstagabend.

Hessen will für die Hälfte des geplanten Hilfskredits bürgen, wie Ministerpräsident Volker Bouffier, Finanzminister Thomas Schäfer (beide CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am späten Dienstagabend in einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten.

Ministerpräsident Volker Bouffier (mi.), Finanzminister Thomas Schäfer (re., beide CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne)

"Wir geben Condor Auftrieb unter die Flügel, um über die kommenden Monate zu kommen", erklärten die Regierungspolitiker: "Condor ist ein profitables hessisches Unternehmen, das durch seine britische Mutter und den Brexit zum Opfer zu werden drohte. Wir sehen zusammen mit dem Bund eine gute Perspektive, dass neue Eigentümer Condor langfristig in der Luft halten können."

Gespräche mit potenziellen Käufern laufen

Condor-Chef Ralf Teckentrup sagte am Abend in einer Telefonkonferenz, dass bereits Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten liefen: "Wir sind in den letzten zwei Tagen bereits in Gesprächen mit solventen interessierten Parteien." Nach Teckentrups Darstellung beginnen die Gespräche mit möglichen Käufern nicht bei Null. Schließlich habe Thomas Cook seine Airlines bereits im Februar zum Verkauf gestellt.

Wegen der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns Thomas Cook hatte die bislang profitable Condor einen staatlich verbürgten Überbrückungskredit beantragt, um "Liquiditätsengpässe" zu verhindern. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte am Dienstag betont, die Schwierigkeiten bei Condor seien durch die Insolvenz der Muttergesellschaft Thomas Cook entstanden: "Es sind keine hausgemachten Probleme."

Knapp 5.000 Mitarbeiter atmen auf

"4.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Partner und Kunden von Condor danken der Bundesregierung und der hessischen Landesregierung für ihre Zusage", erklärte Condor. Diese Zusage sei Voraussetzung für eine Prüfung durch die Europäische Kommission. Erst nach einer positiven Entscheidung aus Brüssel werde der Kreditbetrag von der staatlichen Förderbank KfW ausgezahlt. Wann die Entscheidung aus Brüssel vorliegt, könne noch nicht gesagt werden.

Um sich von möglichen Forderungen der insolventen Konzernmutter zu befreien und sich aus dem Konzernverbund zu lösen, beabsichtige die Condor Flugdienst GmbH einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens zu stellen, hieß es. Dies ist eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts.

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Zum Artikel auf hr-inforadio.de Thomas Schäfer zu möglicher Condor-Bürgschaft: Hessen zahlt die Hälfte

Finanzminister Thomas Schäfer
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Höhe des Thomas-Cook-Antrags nicht bekannt

Zuvor hatte am Dienstag auch die Thomas Cook GmbH in Oberursel (Hochtaunus) einen Überbrückungskredit beantragt. Das bestätigte eine Sprecherin dem hr. Über die Höhe war zunächst nichts bekannt.

Thomas Cook Deutschland hatte nach der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns am Montag auf Notgeschäftsführung umgestellt. Die deutsche Geschäftsführung kündigte intensive Gespräche an - "mit möglichen Kapitalgebern und allen zuständigen Gremien auf Regierungsebene in Berlin und Wiesbaden, um eine Fortführung der Thomas Cook GmbH zu ermöglichen".

Bei einem Scheitern sehe man sich gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die Bucher Reisen & Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften einen Insolvenzantrag zu stellen.

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hs
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Deutsche Thomas-Cook-Kunden können bis Donnerstag nicht reisen

Die deutschen Thomas-Cook-Kunden haben seit Dienstag die Gewissheit, dass sie ihre gebuchten Reisen auch am Mittwoch und Donnerstag nicht antreten können. Die Sprecherin sagte am Dienstag auf Anfrage, sie würden weder von der jeweiligen Airline noch vom gebuchten Hotel als Gast akzeptiert. Nach Hause fliegen können Pauschalreisegäste nach Angaben von Fluggesellschaften wie geplant.

Wie es am Freitag und darüber hinaus weitergeht, darüber will das Unternehmen nach Aussage der Sprecherin so bald wie möglich informieren. Am Freitag beginnen in Hessen und Rheinland-Pfalz die Herbstferien.

"Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern", ließ sich Geschäftsführerin Stefanie Berk in einer Mitteilung zitieren: "Das sind wir unseren treuen Gästen, langjährigen Geschäftspartnern und engagierten Mitarbeitern schuldig." Bereits am Montag und Dienstag konnten Kunden, die mit der deutschen Thomas Cook gebucht hatten, nicht zu ihrem Urlaubsziel starten. Der Verkauf von neuen Reisen bleibt gestoppt.

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Die Deutschlandzentrale des Reiseveranstalters Thomas Cook in Oberursel.
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Condor lässt Thomas-Cook-Bucher nur noch zurückfliegen

Am Montag wurde bekannt, dass Urlauber, die über Thomas Cook gebucht haben, aus "rechtlichen Gründen" nicht mehr an ihr Reiseziel gebracht würden. Thomas-Cook-Urlauber, die planmäßig nach Hause fliegen wollen, seien nicht betroffen. Sie würden von Condor befördert.

Reisen nicht mehr gewährleistet

Der britische Touristikkonzern Thomas Cook hatte am Montag Insolvenz angemeldet, alle Flüge gestrichen und die Geschäfte eingestellt. Insgesamt waren nach Unternehmensangaben zu dem Zeitpunkt 600.000 Touristen mit dem zweitgrößten Reisekonzern Europas unterwegs.

Großbritannien hatte am Montag bereits 14.700 gestrandete Urlauber zurückgeholt. In den kommenden 13 Tagen sollten weitere 135.300 britische Touristen in ihre Heimat zurückgeflogen werden. Für Dienstag seien 74 Flüge angesetzt, um 16.500 Urlauber zurückzufliegen.

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Thomas Cook will Betroffene kontaktieren

Für Kunden von Thomas Cook gab es seit Montag nur spärliche Informationen: Auf der Unternehmensseite hieß es, Reisende, die bis Donnerstag gebucht haben, würden kontaktiert. Von Versuchen, das Call Center zu erreichen, sollten die Kunden absehen.

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Insolvenz in Eigenregie

Condor könnte im Fall einer staatlichen Finanzhilfe voraussichtlich ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchführen. "Es würde dann ein Schutzschirmverfahren beantragt", sagte Detlef Specovius, Experte für Sanierungsverfahren, der Agentur Reuters. Das würde Condor Zeit geben, einen Insolvenz- und Restrukturierungsplan aufzustellen und neue Gesellschafter zu suchen. Dieses Verfahren könne sich zwei bis sechs Monate hinziehen. Condor sei bis Mitte 2020 durchfinanziert.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 24.09.2019, 22.15 Uhr