Leere Bundesstraße von Brücke aus aufgenommen.

Leere Busse und Bahnen, freie Straßen: Die Corona-Krise hat den sonst vielerorts dichten Verkehr hessenweit erheblich ausgedünnt. Der eine oder andere Autofahrer nutzt die Autobahnen jetzt als Rennstrecke.

Gefühlt sind sie ziemlich leer, die Straßen in Hessen. Und tatsächlich registrierte die Verkehrsbehörde Hessen Mobil rund 40 Prozent weniger Autoverkehr als in normalen Zeiten. "Die Autobahn ist wie leer gefegt", sagt ein Sprecher der Autobahnpolizei Wiesbaden am Mittwoch zu hessenschau.de. Berufsverkehr sei "quasi gar nicht mehr vorhanden" und somit gebe es auch keine Staus - oder vielmehr Staus nur bei Unfällen und deswegen Fahrstreifen gesperrt werden müssten.

"Aber auch die Unfallzahlen sind stark zurück gegangen, logisch, wenn keiner unterwegs ist", berichtete der Sprecher. Das gilt auch für Lkw: Der Schwerverkehr ging nach Behördenangaben um mehr als ein Drittel zurück.

Autobahnpolizei fährt weiter Streife

Trotz der wenigen Autos und Lkw hält die Autobahnpolizei Wiesbaden an ihren Kontrollen fest und fährt regulär Streife. Aber wo sonst 10 bis 15 Unfälle täglich passierten, seien es gefühlt derzeit nur noch etwa 5. Für Zahlen sei es aber noch zu früh.

Weil die Autobahn so schön frei ist, nutzen das die Fahrer gerne aus. Wo keine Beschränkungen sind, werde schon mal schneller gefahren. "Aber Rennen mit hochmotorisierten Wagen von einigen Spezialisten kommen nur ganz, ganz wenig vor."

"Wie an einem frühen Sonntagmorgen"

Auch in der Stadt hat sich der Verkehr verändert, leere Straßen, wohin man blickt. "Es ist die ganze Zeit wie an einem frühen Sonntagmorgen", sagte Rudi Neu, Sprecher vom Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach. Allerdings sei die Parkplatzsituation schwierig. Es gebe viel weniger freie Parkplätze.

"Nachvollziehbar, wenn keiner mehr wegfährt", sagte Neu. Auch in der Stadt würden weiterhin Kontrollen durchgeführt, aber deutlich reduziert. "Wo nichts los ist, müssen wir auch nicht groß blitzen." Die Kontrollen dienten der Sicherheit und seien kein Selbstzweck. Im Moment seien sie nicht wirklich erforderlich.

Busse und Bahnen haben Angebot runtergefahren

In Nordhessen ist die Zahl der Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Angaben des Nordhessischen Verkehrsverbunds NVV auf ein Viertel geschrumpft. Die zuletzt verfügten Kontaktverbote machten sich bemerkbar, und es gebe mehr Erkrankungen beim Fahrpersonal. Darum müsse auch mit weiteren Einschränkungen gerechnet werden.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hatte sein Angebot bereits reduziert. Die S-Bahnen fahren im 30-Minuten-Takt. Im Regionalverkehr fahren viele Linien montags bis freitags überwiegend nach dem Samstagsfahrplan.

"Personalreserven hat niemand"

Busse und Straßenbahnen verkehren meist nach dem Sommerferien-Fahrplan. "Es gibt keine Zahlen, die den gegenwärtigen Rücklauf belegen. Aus unserer Sicht wirken die Bahnen allerdings recht leer, man könnte es mit einem Sonntagmorgen vergleichen", sagte eine Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) auf hr-Nachfrage.

Eine weitere Anpassung des Angebots sei noch in dieser Woche zu erwarten. Auch bei der VGF rechne man mit Ausfällen beim Personal, Kollegen die dann einspringen könnten, gebe es nicht. "Man kann davon ausgehen, dass es leider kein Verkehrsunternehmen in Deutschland gibt, welches Personalreserven hat."

In Frankfurt wurde der Nachtverkehr auf allen Stadtbuslinien inklusive der Nachtbuslinien sowie bei den U-Bahnen und Straßenbahnen eingestellt. Auch in vielen Kreisen ist der Nachtverkehr eingeschränkt worden. Auf den meisten Buslinien im RMV und im NVV bleibt die Einstiegstür beim Fahrer geschlossen. Dennoch gilt weiterhin die Fahrkartenpflicht, auch wenn keine Kontrollen mehr durchgeführt werden.