Mit 1.000 leeren Stühlen machten Gastwirte auf dem Römerberg auf ihre finanzielle Not aufmerksam.

Umsatzeinbrüche bis zu 100 Prozent: Die Folgen der Coronakrise treffen die Gastronomie besonders hart. Bei der bundesweiten Aktion "1.000 leere Stühle" haben Wirte auch in Hessen auf ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Aktion "1.000 leere Stühle" in der Rüdesheimer Drosselgasse

Leere Stühle Rüdesheim
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Mit leeren Stühlen vor Restaurants haben Gastwirte in Hessen auf ihre kritische Lage in der Corona-Krise aufmerksam gemacht. An der bundesweiten Aktion "1.000 leere Stühle" beteiligten sich am Freitag Gastwirte im Kreis Limburg-Weilburg, Idstein (Rheingau-Taunus), Rüdesheim und Frankfurt. Auf dem Römerberg stellten Restaurant- und Hotelbesitzer zwischen 11 und 13 Uhr Stühle auf. Auch in der bei Touristen beliebten Rüdesheimer Drosselgasse beteiligten sich 30 Betriebe an dem stillen Protest.

Zwar stellte die Bundesregierung am Mittwoch weitere Unterstützung für die krisengeplagten Gastronomen in Aussicht: Die Mehrwertsteuer für Speisen soll demnach ab 1. Juli auf sieben Prozent gesenkt, das Kurzarbeitergeld schrittweise erhöht werden. Doch aus Sicht der Branche reicht das nicht.

30 Prozent der Restaurants und Hotels könnten pleite gehen

"Wir müssen leider davon ausgehen, dass nicht alle Betriebe die Krise überstehen werden", sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gaststättenverbands Dehoga Hessen, Kerstin Junghans. Nach Schätzungen der Initiative Gastronomie Frankfurt e.V. (IGF) könnten 30 Prozent der Betriebe ohne weitere Hilfsmaßnahmen den 1. Juli nicht mehr erleben.

"Das Problem, das wir momentan haben, ist die Liquidität", sagt IGF-Vorstand Madjid Djamegari. "Wir haben laufende Kosten und müssen die Mitarbeiter bezahlen, bis uns das Kurzarbeitergeld überwiesen wird." Das werde seiner Meinung nach noch zwei bis drei Monate dauern.

IGF fordert Hilfsfonds und höheres Kurzarbeitergeld ab Mai

Kurzarbeit bedeute in der Gastronomie auch: kein Trinkgeld. "Eigentlich bleibt den Mitarbeitern also nur noch 40 Prozent des Geldes, das sie normalerweise verdienen würden", sagt Djamegari. "Dabei reden wir hier von Einkommensgruppen knapp über dem Mindestlohn."

IGF und Dehoga Hessen fordern deshalb von der Stadt Frankfurt, einen kommunalen Hilfsfonds für besonders betroffene Betriebe einzurichten. Außerdem wünscht sich die IGF, dass die untersten Gehaltsstufen bereits ab Mai eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes erhalten.

Die beschlossene zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen ist laut Dehoga ein gutes Signal, helfe aber zum Beispiel Clubs und Diskotheken wenig, wo vor allem Getränke verkauft werden. Der Leaders Club Germany, Initiator der bundesweiten Aktion, fordert deshalb, die ermäßigte Mehrwertsteuer auch auf Getränke anzuwenden.

Langfristig Umsatzeinbußen bis 50 Prozent

Für das erste Jahr nach der Wiederöffnung der Restaurants und Hotels geht die IGF davon aus, dass der Umsatz maximal 50 bis 75 Prozent erreichen wird. Messen, Tourismus und Veranstaltungen seien wichtige Einnahmequellen, würden nun jedoch längerfristig nicht stattfinden.

Die IGF fordert deshalb auch den direkten Austausch mit der Landesregierung, um die nächsten Schritte festzulegen und den Gastronomen Planungssicherheit zu geben. "Wir wollen in der Coronakrise mit anpacken, aber dafür brauchen wir einen Plan. Vor allem aber brauchen wir Liquidität, und zwar ganz dringend", sagt Djamegari.

Sendung: hr-iNFO, 24.04.2020, 6.00 Uhr