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Audioseite Bundesverwaltungsgericht muss über Atommüll-Zwischenlager in Hanau entscheiden

Behälter mit Atommüll in einer Lagerhalle von NCS in Hanau

Seit Jahren streitet ein Unternehmen mit der Stadt Hanau um die Genehmigung für ein weiteres Atommüll-Zwischenlager. Das letzte Wort wird nun das Bundesverwaltungsgericht haben. OB Kaminsky sagt, er freue sich darauf.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig soll am 25. Januar über ein weiteres Atommüll-Zwischenlager im Hanauer Stadtteil Wolfgang entscheiden. Damit würde ein jahrelanger juristischer Streit zwischen der Stadt und Daher Nuclear Technologies (DNT) GmbH als Nachfolge-Unternehmen von Nuclear Cargo Service (NCS) beendet werden.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) glaubt laut Mitteilung vom Donnerstag, "dass wir auch dieses Mal in höchster Instanz obsiegen". Zuletzt hatte der Verwaltungsgerichtshof in Kassel der Stadt im Februar 2020 Recht gegeben und dem geplanten Bau eine Absage erteilt. Die Auffassung der Stadt sei damals "in vollem Umfang bestätigt worden", sagte Kaminsky und zeigte sich entsprechend optimistisch mit Blick auf die kommende Entscheidung in Leipzig.

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am Donnerstag den mündlichen Verhandlungstermin. Bei DNT war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Firma will auch dritte Halle mit Atommüll füllen

Doch nicht immer hatte Hanau im seit Jahren andauernden Clinch mit NCG und DNT die Richter auf seiner Seite. 2018 hatte Nuclear Cargo Services in erster Instanz beim Verwaltungsgericht in Frankfurt noch Erfolg gehabt: Das Gericht gab der Klage gegen die Stadt wegen einer versagten Baugenehmigung statt. Es ließ wegen der grundsätzlichen Bedeutung aber eine Berufung zu.

Ziel des Unternehmens ist es, im Technologiepark Wolfgang eine weitere, dritte Halle mit Containern zu belegen, die mit schwach strahlendem radioaktivem Material befüllt werden. Gedacht für diese zusätzliche Lagerung von Atommüll war Halle 15 des Unternehmens. In den Hallen 6 und 12 war das schon der Fall. Allein in einer dieser Hallen standen im Jahr 2018 den damaligen Angaben des hessischen Umweltministeriums zufolge 1.130 Container.

Kein neues "Atomdorf"

Die Stadt Hanau hat stets betont, die Ankunft von Atommüll aus ganz Deutschland und damit eine Wiederbelebung des "Atomdorfs Hanau" verhindern zu wollen. Unter diesem Namen war der Stadtteil als zentraler und höchst umstrittener Ort der deutschen Atomwirtschaft in den 80er Jahren bekannt. Nirgendwo sonst in Europa waren so viele große Nuklearfirmen tätig.

Unternehmen wie Alkem und Nukem hatten hier ihren Sitz. Siemens machte in Hanau Plutonium zu Brennelementen. Sicherheitsmängel, Schmiergeldzahlungen und illegale Atommülltransporte brachten das weitgehende Ende mit dem sukzessiven Abbau des Atomdorfes. Leitende Angestellte des Unternehmens Transnuklear wurden später verurteilt: Laut Zeugen war unter anderem Atommüll aus Hanau einfach ins Meer gekippt worden.

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