Ein Ladenbesitzer dreht an der Tür seines Geschäftes in Wiesbaden ein Schild mit der Aufschrift "Geöffnet" um.

Aufatmen beim Einzelhandel: Seit Montag dürfen kleinere Läden wieder öffnen. Und auch für größere Geschäfte gingen die coronabedingten Schließungen zu Ende - unter Auflagen.

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Ladenöffnung in Hessen ab Montag
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Vier Wochen lang mussten Eisdielen, Schuhgeschäfte und Buchhandlungen geschlossen bleiben. Nun war es soweit: Am Montag durften viele Läden wieder öffnen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Bei den Lockerungen der Corona-Maßnahmen hatten sich Bund und Länder am Mittwoch auf eine gemeinsame Linie geeinigt, die Ausgestaltung obliegt den einzelnen Landesregierungen. Die konkreten Bestimmungen für Hessen hat das Wirtschaftsministerium auf seiner Website veröffentlicht.

Größere Läden dürfen Teilbereiche öffnen

Demnach durften Montag alle Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von weniger als 800 Quadratmetern wieder aufmachen, sofern sie sicherstellen, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Auch für größere Geschäfte wurde - mit etwas Verzögerung - eine Regelung gefunden: Sie durften ebenfalls öffnen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduzieren und diese klar abtrennen.

"Angesichts der Tatsache, dass sich die Mehrzahl der Nachbarländer für diesen Weg entschieden hat, wird Hessen auch größeren Einzelhändlern unter strengen Bedingungen die Öffnung erlauben", hatte das Wirtschaftsministerium am Wochenende mitgeteilt. Zuvor war diese Regelung beispielsweise in Rheinland-Pfalz getroffen worden.

Buchhandlungen, Auto- und Fahrradläden ohne Größenbeschränkung

Von der Größenbeschränkung ausgenommen sind Buchhandlungen, Auto- und Fahrradhändler. Sie dürfen generell wieder öffnen. Auch für Geschäfte in Einkaufszentren gelten dieselben Regeln wie für den restlichen Einzelhandel. Das stellte das Ministerium auf seiner Website explizit klar.

Für alle Geschäfte gilt außerdem: Pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche darf sich maximal ein Kunde drinnen aufhalten. Alle anderen müssen - den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern einhaltend - vor der Tür warten. Auch drinnen gilt der Mindestabstand. In Kassenbereichen müssen deshalb Trennvorrichtungen angebracht werden, etwa Markierungen auf dem Boden. Die Landesregierung empfiehlt den Bürgern außerdem, beim Einkaufen sogenannte Alltagsschutzmasken aus Stoff zu tragen.

HIHK kritisiert "unnötige Wettbewerbsverzerrung"

Allen Geschäften wird zudem erlaubt, zuvor bestellte Waren zu liefern oder von den Kunden selbst abholen zu lassen. Auch die Eisdielen dürfen am Montag wieder Thekenverkauf betreiben oder Eis nach Hause liefern. Friseure dürfen ab dem 4. Mai unter bestimmten Auflagen wieder öffnen - so müssen etwa alle Kunden Masken tragen.

Kritik an den Bestimmungen für den Einzelhandel hatte zuletzt der Hessische Industrie- und Handelskammertag geäußert. Die Lockerungen seien zwar ein ermutigendes Zeichen, sagte HIHK-Präsident Eberhard Flammer. Die unterschiedlichen Regelungen nach Verkaufsfläche und Branche würden jedoch zu Unsicherheiten und "unnötigen Wettbewerbsverzerrungen" führen.

Klose und Al-Wazir: "Es darf keine Sorglosigkeit ausbrechen"

Inwiefern weitere Lockerungen nach dem 4. Mai möglich seien, richtet sich laut Wirtschaftsministerium danach, wie gut sich die Bürger weiterhin an die Vorsichtsmaßnahmen halten. "Die Lockerung der Einschränkungen heißt nicht, dass die Bedrohung durch das Virus vorbei ist", sagten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Gesundheitsminister Kai Klose (beide Grüne).

"Wenn wir jetzt leichtsinnig werden, gefährden wir unsere gemeinsamen Erfolge bei der Bekämpfung der Pandemie, die nur durch die Kontaktverbote und drastischen Maßnahmen erreicht werden konnten." Bei jeder Lockerung müsse man mit "äußerster Vorsicht und Augenmaß" vorgehen: Es dürfe jetzt auf keinen Fall Sorglosigkeit ausbrechen, mahnten die Minister.

Virologe Stürmer: Menschenmengen nach wie vor vermeiden

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangte der Frankfurter Virologe Martin Stürmer im Interview mit hessenschau.de. Er hätte sich vorstellen können, dass zunächst größere Geschäfte öffnen, in denen sich die Menschen besser verteilen, sagte Stürmer. "Aber das Argument, das die Gegner ins Feld führen, zieht schon: Solche größeren Verkaufsflächen gibt es vor allem in Einkaufszentren oder den Fußgängerzonen der Innenstädte. Damit zögen wir doch wieder größere Menschenmengen auf einen engen Raum."

Bei den weiteren Lockerungen gelte es, sich langsam heranzutasten und die Auswirkung auf die Fallzahlen abzuwarten. "Wir sind einfach noch in einem Stadium der Pandemie, in dem sich nicht viele Menschen begegnen sollten."

Weitere Informationen

Das bleibt geschlossen

Geschlossen bleiben laut Landesregierung vorerst unter anderem Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen, Schankwirtschaften, Gaststätten (ausgenommen Außer-Haus-Verkauf), Ferienwohnungen, Beherbergungsbetriebe, Campingplätze, Bordelle und Prostitutionsstätten, Fitnessstudios, Freizeitparks, Jahrmärkte, Kinos und Freilichtkinos (Ausnahme Autokinos), Mütter- und Familienzentren, Seniorenbegegnungsstätten, Museen, Opern, Theater, Sauna, öffentliche und private Schwimm- und Spaßbäder (Ausnahme: Training von Spitzen- und Profisportlern sowie zur Vorbereitung aufs Sportabi), Shisha-Bars, Spiel- und Bolzplätze, Tierparks und Zoos.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 19.04.2020, 19.30 Uhr