Claus Weselsky kippt eine Box mit Abstimmungszetteln auf einen Tisch.

Noch läuft die Auszählung in Frankfurt. Aber die Gewerkschaft der Lokführer rechnet mit eindeutiger Zustimmung ihrer Mitglieder für einen Streik. Die Bahn warnt vor einer "Attacke auf das ganze Land".

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In Frankfurt hat die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) mit der Auszählung ihrer Urabstimmung über einen Arbeitskampf bei der Deutschen Bahn begonnen. "Wir erwarten über 90 Prozent Zustimmung zum Streik", sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag zum Auftakt der Zählung.

Das Ergebnis des per Briefwahl erfolgten Votums will die GDL erst am Dienstag verkünden. Notwendig sei die Zustimmung von 75 Prozent der abgegebenen Stimmen. Weselsky ließ offen, ob am Dienstag bereits konkrete Termine für Arbeitsniederlegungen genannt werden. Man werde auf jeden Fall den Bahn-Passagieren ausreichend Vorlauf einräumen, damit sich diese auf die Situation vorbereiten könnten.

GDL fordert 3,2 Prozent mehr Lohn

GDL und Bahn hatten nach dem Auslaufen des Tarifvertrags Ende Februar die neue Verhandlungsrunde begonnen, die nach dann vier gescheiterten Runden auf einen Streik hinausläuft – den ersten der GDL seit 2015. In acht sich steigernden Wellen hatten die Lokführer damals ihre Streiks durchgezogen.

Dieses Szenario droht nun wieder, denn das letzte "verbesserte" Angebot der DB liege "sogar noch unterhalb des Ergebnisses der Schlichtung aus dem Vorjahr", sagte Weselsky. "Der Arbeitgeber zeigt somit null Interesse an einer Einigung."

Die GDL vertritt nach eigenen Angaben gut 80 Prozent der Lokführer der Bahn sowie 40 Prozent der Zugbegleiter. Für diese Beschäftigten fordert die Gewerkschaft unter anderem Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr.

"Diesen Streik braucht jetzt wirklich niemand"

Wegen der Pandemie will sich die Bahn aber am "Notlagentarifvertrag" der Flughäfen orientieren, der eine ähnliche Erhöhung um 3,2 Prozent auf einen längeren Zeitraum und spätere Stufenzeitpunkte verteilen würde, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

"Diesen Streik braucht jetzt wirklich niemand", kritisierte Martin Seiler, der Personalchef der Bahn. "Letztlich ist das eine Attacke auf das ganze Land." Nach den Corona-Beschränkungen begännen viele Menschen jetzt erst wieder zu reisen. Die Tarifrunde zwischen der Bahn und der Gewerkschaft steckt jedoch fest. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Unwahrheiten zu verbreiten und kein Interesse an Verhandlungen zu haben.

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