streik-ks-audio

Das Virus macht auch vor groß angelegten Protesten nicht Halt: Coronakonform haben tausende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Hessen gestreikt. Das hieß auch: Busse kamen nicht, Mülleimer quollen über.

Videobeitrag

Video

zum Video Warnstreiks legen Kassel lahm

hessenschau vom 20.10.2020
Ende des Videobeitrags

Etwa 6.000 Menschen haben am Dienstag den Warnstreik im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes in Hessen fortgesetzt. Wegen der Corona-Pandemie hätten sich jedoch viele Streikende nicht an den Aktionen beteiligt, sagte eine Gewerkschaftssprecherin in Frankfurt. Zudem sei in Kassel eine geplante Menschenkette in der Innenstadt wegen der hohen Inzidenz von 107 (Stand: Dienstagmorgen) abgesagt worden. 

"Eigentlich wollten wir mit den 2.500 Streikenden durch die Stadt ziehen", sagte Axel Gerland, Bezirksgeschäftsführer von Verdi Nordhessen. "Aber aus Verantwortung haben wir das und auch eine geplante Menschenkette rund um die Innenstadt Kassel abgesagt."

Symbolischer Akt um fünf nach zwölf

Protestiert wurde in Kassel trotzdem, etwa am Klinikum. Symbolisch um fünf nach zwölf unterstützten die Nicht-Streikenden die Gewerkschaftsforderungen. Mit Bettpfannen und Rasseln lehnten sie sich aus den Gebäuden, trommelten mit anderen Streikenden vor dem Klinikum ihren Unmut heraus. Auf dem Königsplatz in der Kasseler Innenstadt wurden 1.000 goldene Luftballons aufgereiht - unter dem Motto "Wir sind Gold wert".

Rund 1.000 Ballons auf dem Kasseler Königsplatz - passendes Motto: Wir sind Gold wert!

In Frankfurt bildeten jedoch rund 1.000 Streikende eine Menschenkette am Main entlang. Am Wiesbadener Bahnhof trafen sich etwa 700 Menschen zu einer Kundgebung, in Gießen nahmen rund 300 Streikende an einem Autokorso und einer Fahrraddemo teil.

Menschenkette als Protestaktion von verdi am Mainufer

Aktionen in ganz Hessen

Gestreikt wurde in etlichen Betrieben von Kassel über Marburg, Gießen, Wetzlar, Wiesbaden, Frankfurt, Rüsselsheim, Pfungstadt und Darmstadt bis nach Groß-Gerau; unter anderem in Kitas, der Stadtreinigung und in öffentlichen Verwaltungen legten die Menschen die Arbeit nieder. So wurden etwa in Frankfurt laut Mitteilung der städtischen Entsorgungssysteme die Straßen, Gehwege und Plätze nicht gereinigt, zudem wurden Papierkörbe nicht geleert.

Einigung in dieser Woche?

Verdi fordert mit den Warnstreiks in Hessen weiterhin eine Anhebung des Einkommens im öffentlichen Dienst um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro monatlich. Auch die Vergütung für Auszubildende und Entgelte für Praktikanten sollen um 100 Euro im Monat steigen. Das Angebot der Arbeitgeber bislang sei "nicht akzeptabel", so Bothner. "Die Arbeitgeberseite hat die bisherigen Warnungen ausgeschlagen."

Der Bund sieht hingegen gute Chancen auf eine Einigung noch in dieser Woche und damit auf ein Ende der Warnstreiks. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sei zuversichtlich, "dass es gelingen kann, am Verhandlungstisch einen Abschluss zu finden“, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Am Donnerstag und Freitag treffen sich die Konfliktparteien in Potsdam zur dritten Verhandlungsrunde.

Bereits in den vergangenen Wochen waren Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes mehrfach in Warnstreiks getreten. Erst Anfang Oktober hatte ein Streik große Teile des Nahverkehrs in Kassel, Wiesbaden und Frankfurt lahmgelegt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.10.2020, 19.30 Uhr