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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Aktionäre stimmen Staatseinstieg bei Lufthansa zu

Stillgelegte Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf dem leeren Rollfeld des Flughafen Frankfurt.

Die Aktionäre der Lufthansa haben dem Einstieg des Staates bei der Lufthansa im Rahmen eines milliardenschweren Rettungspakets zugestimmt. Der Beschluss fiel mit deutlicher Mehrheit.

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hessenschau vom 25.06.2020
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Mit einer Mehrheit von 98 Prozent des anwesenden Kapitals haben die Aktionäre der Lufthansa dem Einstieg des Staates bei der Airline im Rahmen eines milliardenschweren Rettungspakets zugestimmt. Das erklärte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley am Donnerstag auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Frankfurt.

Die Entscheidung sichere für den Konzern eine "Zukunftsperspektive, sagte Konzernchef Carsten Spohr und er fügte hinzu: "Wir Lufthanseaten sind uns unserer Verantwortung bewusst, die bis zu neun Milliarden so schnell wie möglich an die Steuerzahler zurückzuzahlen."

Bouffier: "Beschäftigte können aufatmen"

Die Aktionäre der Lufthansa lassen den Bund damit für rund 300 Millionen Euro als Anteilseigner bei der Fluggesellschaft einsteigen. Damit fest verbunden ist das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket, das in den Wochen zuvor mühsam zwischen Frankfurt, Berlin und Brüssel ausgehandelt worden war. Die Lufthansa-Spitze hatte gewarnt, ohne die Kapitalspritze drohe eine Insolvenz und der Totalverlust für die Aktionäre. Die Lufthansa-Aktie baute nach der Abstimmung ihre Kursgewinne im Späthandel aus und stieg um 9,1 Prozent auf 10,47 Euro.

Hessens Landesregierung hat den Staatseinstieg bei der Lufthansa begrüßt. Die Beschäftigten bei Hessens größtem Arbeitgeber könnten nun aufatmen, erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Wichtig sei nun, dass die Lufthansa den Weg der wirtschaftlichen Stabilisierung entschlossen und gleichzeitig verantwortungsvoll angehe.

Verhandlungen über Kostensenkungen

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bezeichnete den geplanten Rettungsweg als schwierigen, aber alternativlosen Kompromiss. Die Piloten wollten mit einem weitreichenden Einsparangebot ihren Beitrag leisten, sagte VC-Präsident Markus Wahl.

Mit den Gewerkschaften ist die Lufthansa in weit fortgeschrittenen Verhandlungen zu umfangreichen Kostensenkungen. Als erste hat ausgerechnet die streitbare Kabinengewerkschaft Ufo einem Krisenpaket zugestimmt, das Lufthansa auch ohne Kündigungen bis Ende 2023 mehr als eine halbe Milliarde Euro einsparen hilft. Neben verkürzten Arbeitszeiten, dem Verzicht auf bereits vereinbarte Lohnsteigerungen und Betriebsrentenzahlungen gibt es eine Vielzahl freiwilliger Maßnahmen, um Lohnkosten zu reduzieren.

Grünes Licht auch von der EU-Kommission

Die Aktionärs-Entscheidung hatte sich schon tags zuvor abgezeichnet: Unmittelbar vor der Hauptversammlung hatte der Großaktionär Heinz Hermann Thiele in einem Interview der FAZ Zustimmung zu dem milliardenschweren Rettungspaket für die Fluggesellschaft signalisiert. Der 79 Jahre alte Großaktionär hatte allerdings davor die Bedingungen des Rettungspakets scharf kritisiert. Den geplanten Staatseinfluss hielt er für zu groß, den Preis für die Beteiligung zu hoch und das Ausstiegsszenario fast unerfüllbar.

Wegen der schwachen Beteiligung der übrigen Stimmrechtsinhaber mit einer Präsenz von 39,3 Prozent hätte Thiele mit seinem Aktienanteil von mindestens 15,5 Prozent Gelegenheit zu einer Blockade gehabt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kommentar: "Was Thiele wirklich will, ist noch immer unklar"

Lufthansa-Aktionär Thiele
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Am Donnerstag gab auch die EU-Kommission grünes Licht für das staatliche Rettungspaket. Die stellvertretende EU-Kommissionspräsidentin Margrethe Vestager erklärte, dieser beträchtliche Betrag werde der Airline helfen, die aktuelle Coronavirus-Krise zu überstehen, die den Luftfahrtsektor besonders hart getroffen habe.

"Zur Begrenzung der Wettbewerbsverzerrungen" hatte sich Lufthansa verpflichtet, jeweils 24 Start- und Landerechte (Slots) an ihren Drehkreuzflughäfen Frankfurt und München zur Verfügung zu stellen, "wo Lufthansa über beträchtliche Marktmacht verfügt", wie Vestager erklärte. Konkurrent Ryanair kündigte dennoch eine Klage gegen die Beihilfe an. Der Lufthansa-Aufsichtsrat hatte dem Staatseinstieg bereits am 1. Juni zugestimmt.

Sendung: hr-iNFO, 25.06.2020, 18.15 Uhr