Condor-Maschine neben Lufthansa-Maschine

Von der Corona-Krise sind beide hart getroffen. Jetzt hat Branchenriese Lufthansa ein Abkommen über Zubringerflüge mit Condor aufgekündigt. Nicht nur die kleinere Airline hat den Verdacht, dass sie im Tourismusgeschäft verdrängt werden soll.

Die Lufthansa kündigt ihr Abkommen mit der Condor über Zubringerdienste für Langstreckenflüge der Condor. Das bestätigten beide Seiten am Freitag. Der Sevice endet demnach am 31. Mai 2021. Die Vereinbarung ermöglichte es bislang der Condor, nahtlose Reisen mit nur einem Ticket und durchgechecktem Gepäck zu Zielen in Übersee – etwa von Hamburg nach Jamaika über Frankfurt - anzubieten.

Condor prüft rechtliche Schritte

Ein Lufthansa-Sprecher begründete den Schritt damit, dass man im Zeichen der Corona-Krise die eigenen Flugzeuge auslasten müsse, um Arbeitsplätze zu sichern. Condor wirft dagegen ihrem mit Staatshilfen in Milliardenhöhe vorläufig geretteten Mitbewerber vor, missliebige Konkurrenz aus dem Markt drängen zu wollen. Condor-Chef Ralf Teckentrup prüft Unternehmenskreisen zufolge, welche wettbewerbsrechtlichen Schritte gegen die Lufthansa möglich sind.

Laut Condor will die Lufthansa mit ihrer marktbeherrschenden Stellung auf der Kurz- und Mittelstrecke nun ein weiteres Monopol auf der touristischen Fernstrecke errichten. Tatsächlich hatte die Lufthansa schon vor der Pandemie angekündigt, mehr touristische Ziele auf der Langstrecke anfliegen zu wollen. Bei der Tochter Eurowings wurde mit dem Projekt "Ocean" bereits ein neuer Flugbetrieb mit vergleichsweise niedrigen Personalkosten gegründet. Erste Versuche sollen ausgebaut werden.

Bis Mai bleibt noch alles beim alten

Bis Ende Mai läuft die Vereinbarung einer Condor-Sprecherin zufolge ganz normal weiter. Bis dahin seien die Zubringerflüge für die Kunden gesichert. Optionen für die Zeit danach würden derzeit geprüft. Der Lufthansa-Sprecher sagte, es stehe der Condor auch ohne Abkommen weiterhin frei, künftig Lufthansa-Tickets für Zubringerflüge zu erwerben und in ihre Produkte zu integrieren. Damit sei auch ein Durchchecken des Gepäcks weiterhin möglich.

Kritik am Verhalten der Luthansa kam vom zweitgrößten deutschen Reiseveranstalter DER-Touristik. "Der Staat rettet mit seiner Hilfe aktuell Lufthansa", sagte DER-Chef Sören Hartmann. "Diese Hilfe sollte nicht dazu verwendet werden, deutsche Wettbewerber aus dem Markt zu drängen und das Reisen kompliziert zu machen."

Schutzschirmverfahren erst kürzlich verlassen

Die Condor hatte erst vor wenigen Tagen nach erfolgreicher Sanierung das Schutzschirmverfahren verlassen, das sie seit Herbst 2019 nach der Pleite der Konzernmutter Thomas Cook durchlaufen hatte. Bei der Verschlankung wurden rund 700 Arbeitsplätze auf nunmehr 4.200 Beschäftigte abgebaut. Derzeit hat die Fluggesellschaft noch einen Kredit in Höhe von 550 Millionen Euro bei der staatlichen KfW-Bank laufen.