Flugzeug von Lufthansa Cargo

Weltweit arbeiten Forscher an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus. Sobald er auf dem Markt ist, gilt es ihn möglichst schnell zu verteilen - und zwar auf der ganzen Welt. Die Frachtsparte der Lufthansa sieht sich darauf gut vorbereitet.

Videobeitrag

Video

zum Video "Pharma Hub" - Medikamentenlager am Frankfurter Flughafen

startbild-pharma-hub
Ende des Videobeitrags

Er ist derzeit wohl das am sehnsüchtigsten erwartete Arzneimittel der Welt: ein Impfstoff gegen das Coronavirus. Während Wissenschaftler aus aller Welt mit Hochdruck an der Entwicklung arbeiten, bereitet sich die Frachtsparte der Lufthansa am Frankfurter Flughafen bereits auf den Transport in die ganze Welt vor.

Sobald einer der Impfstoffkandidaten zugelassen sein wird, muss bei der Lufthansa Cargo alles ganz schnell gehen. Als größtes Frachtdrehkreuz Europas wird der Frankfurter Flughafen bei der Verteilung des Corona-Impfstoffes eine zentrale Rolle spielen, ist Karin Krestan überzeugt. Sie leitet den "Pharma Hub" der Lufthansa Cargo, einen der größten Umschlagplätze für Medikamente weltweit.

Außenansicht des Pharma Hubs: Auf runtergelassenen Toren steht die Temperaturangabe 2 bis 8 Grad Celsius.

"Pharma Hub"-Chefin spricht von Routine-Aufgabe

Hinter videoüberwachten Toren, auf einer Fläche so groß wie anderthalb Fußballfelder, lagern dort die unterschiedlichsten Arzneimittel - vom speziellen Krebsmedikament über Tabletten gegen Sodbrennen bis Insulin. Der "Pharma Hub" ist auf temperatursensible Güter spezialisiert. Kühlcontainer halten die Temperatur beim Verladen in Flugzeug oder Lastwagen selbst im Hochsommer auf konstanten fünf Grad Celsius. Das wird auch für den Corona-Impfstoff wichtig sein.

Krestan sieht ihr Unternehmen auf den Transport gut vorbereitet: "Generell sind wir im Transportwesen für pharmazeutische Produkte so stark prozessgetrieben, dass das für uns ein Standardprozess werden wird." Die Transportwege seien von anderen Medikamenten erprobt.

Beispielsweise liefert die Lufthansa Cargo rund ums Jahr Grippeimpfstoffe in verschiedene Länder der Welt. "Insofern mache ich mir da keine großen Gedanken", sagt Krestan. Der Corona-Impfstoff müsse allerdings auch an sehr exotische Orte geflogen werden. Deshalb sei es wichtig, dass die Kollegen im Vorfeld trainiert seien.

Drei Kühltransporter stehen auf dem Gelände des "Pharma Hub".

Impfstoff für Anfang 2021 erwartet

Krestan geht davon aus, dass es spätestens Mitte 2021 ernst wird. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen (Offenbach), das für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist, sagte am Samstag, er rechne Anfang des kommenden Jahres mit ersten Zulassungen.

Einige Kandidaten hätten bei Tests an Menschen bereits eine "spezifische Immunantwort" gegen das Virus erzeugt. Die Zulassung eines Impfstoffs bedeute jedoch nicht, dass dieser sofort für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen werde.

Die Ständige Impfkommission (Stiko), der Deutsche Ethikrat und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina erarbeiteten derzeit Vorschläge für eine Priorisierung. "Wie lange insgesamt dann die Durchimpfung dauert, hängt neben der bereits in Planung befindlichen Logistik auch von der Impfbereitschaft der Bevölkerung ab", sagte Cichutek.

Landesregierung bereitet Impfstrategie vor

Die Landesregierung teilte am Dienstag mit, sie bereite sich ebenfalls auf den Beginn der Impfungen vor. Das Corona-Kabinett werde eine Task Force zur Steuerung einrichten, kündigten Innenminister Peter Beuth (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Grüne) an. Für die Impfungen würden 20 Millionen Euro aus dem Sondervermögen bereitgestellt. Am Mittwoch werde der Haushaltsausschuss des Landtags darüber beraten.

Das Geld soll demnach vor allem für den Kauf von Spritzen, Kanülen, Tupfern und Desinfektionsmitteln sowie die aufwendige Logistik verwendet werden. Dabei gehe es etwa um die Lagerung, Kühlung und die Konfektionierung der Impfstoffe sowie deren Verteilung. Mit der Beschaffung der notwendigen Materialien habe die Landesregierung bereits begonnen. Die Beschaffung und Bezahlung des Impfstoffs übernehme der Bund.

Bei der Frage, wer als Erstes geimpft werden soll, orientiere sich die Landesregierung an den Empfehlungen, die der Bund derzeit erarbeite. "Wir bereiten uns schon jetzt so gut wie möglich darauf vor, damit die nötigen Prozesse dann möglichst reibungslos und zügig erfolgen können."

Sendung: hr-fernsehen, hallo hessen, 28.10.2020, 16.00 Uhr