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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lufthansa legt tiefrote Zahlen vor

Die Heckflosse einer Passagiermaschine der Lufthansa ragt in einer Lücke in der Lärmschutzwand auf dem Flughafen Frankfurt in die Höhe.

Die Lufthansa hat auch im zweiten Quartal einen Milliardenverlust eingeflogen. Einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen hält Vorstandschef Carsten Spohr deshalb für "nicht mehr realistisch". Die Gewerkschaften sind sauer.

Nach einem weiteren Milliardenverlust im zweiten Quartal verschärft die Lufthansa ihre Sparmaßnahmen. Der Vorstand stimmte die Mitarbeiter am Donnerstag auf betriebsbedingte Kündigungen ein. Bislang sollten diese in Verhandlungen mit den Gewerkschaften noch durch andere Sparbeiträge vermieden werden. Dieses Ziel sei nun auch für Deutschland nicht mehr realistisch, erklärte Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag.

Bislang fehlen Abkommen mit Verdi und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Auch die Mitglieder der Kabinengewerkschaft Ufo haben dem Eckpunkte-Papier noch nicht zugestimmt. "Es geht mir viel zu langsam", sagte Spohr. "Selbst mit der Bundesregierung waren wir schneller als mit den Gewerkschaften am Boden und im Cockpit."

Gewerkschaften weisen Kritik zurück

Die Gewerkschaften wiesen Spohrs Kritik zurück. Ein Krisenpaket müsse auch die mittelfristige Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern und Schutz vor Ausgründungen bieten, verlangte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Ufo mahnte vom Unternehmen erneut konkrete Umsetzungspläne für Arbeitszeitverkürzungen und Abfindungen an. "Jetzt mit Kündigungen zu drohen ist unnötig und in der Kabine sogar vertragswidrig", sagte Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies. Ein Sprecher der VC verwies auf die laufenden Verhandlungen.

Frachtflüge machen Gewinn - aber das reicht nicht

Der Zusammenbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise hat der Lufthansa im zweiten Quartal einen weiteren Milliardenverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von rund 1,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr war es noch ein Gewinn von 226 Millionen. Das teilte der inzwischen vom Staat gestützte Konzern in Frankfurt mit.

Dass es nicht noch schlimmer kam, verdankt das Unternehmen einem Rekordergebnis seiner Frachttochter Lufthansa Cargo. Die profitierte von der stark gestiegenen Nachfrage nach Frachtflügen und flog rund 300 Millionen Euro Gewinn ein.

Frühestens 2024 zurück auf dem Niveau vor der Krise

Zur Jahreshälfte 2020 beträgt der Konzernverlust 3,62 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte dort ein saisontypisches Minus von 116 Millionen Euro gestanden. "Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs", sagte Spohr zur Vorlage des Halbjahresberichts. "Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf das Vorkrisenniveau." Das wäre ein Jahr später als bisher geschätzt.

Vor allem auf den Langstreckenverbindungen werde es keine schnelle Erholung geben. Der Konzern will deshalb seine Kosten bis zum Jahr 2023 um 15 Prozent senken, die Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern und 22.000 Vollzeitstellen abbauen. Davon entfallen laut früheren Angaben rund 11.000 auf Deutschland. Bis Ende Juni hat die Lufthansa die Zahl ihrer Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8.300 auf 129.400 gesenkt, allerdings wurden fast alle der betroffenen Beschäftigen im Ausland entlassen.

Flugzeugtypen und Teilflotten könnten endgültig stillgelegt werden

"Auf diese Situation können wir nicht mit den Methoden, Prozessen und Zeithorizonten der Vergangenheit reagieren", erklärten Spohr und die übrigen Vorstände in einem Brief an die Mitarbeiter. In den kommenden Wochen will das Unternehmen entscheiden, ob einzelne Flugzeugtypen und Teilflotten endgültig stillgelegt werden. Dabei könnten Personalüberhänge über Jahre hinweg entstehen.

Bereits bekannt sind die Schließungspläne für Germanwings und die deutsche Tochter des Joint Ventures mit Turkish Airlines, SunExpress. Bei den Flugzeugtypen stehen besonders die vierstrahligen Großflugzeuge Airbus A380, A340 sowie die Boeing 747 auf dem Prüfstand.

Milliardenverlust steht schon fest

Einschließlich der Staatshilfen kam die Lufthansa Ende Juni auf eine Liquidität von 11,8 Milliarden Euro, da sind die 9 Milliarden vom deutschen Staat schon eingerechnet. Die staatlichen Stützungsprogramme aus der Schweiz, Österreich und Belgien in Höhe von weiteren 2,4 Milliarden Euro sind noch nicht berücksichtigt.

Allerdings zahlte der Konzern im Juli bereits wieder fast eine Milliarde Euro an Kunden aus, deren Flüge wegen der Pandemie ausgefallen waren. Obwohl die Lufthansa ihren Flugverkehr inzwischen wieder schrittweise hochfährt, rechnet Spohr für die zweite Jahreshälfte mit tiefroten Zahlen im laufenden Geschäft. Ein Milliardenverlust für das Gesamtjahr steht fest.

Sendung: hr-iNFO, 06.08.2020, 15 Uhr