Eine Flugbegleiterin geht auf dem Flughafen in Frankfurt am Main zur Arbeit in die Lufthansa-Basis.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat ihre Mitglieder in der Auseinandersetzung mit der Lufthansa zum Warnstreik aufgerufen. Eine Urabstimmung über unbefristete Streiks soll vorbereitet werden.

Die Gewerkschaft Ufo hat für den kommenden Sonntag zu einem Warnstreik der Flugbegleiter an den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München aufgerufen. Die Aktion soll auf fünf Stunden zwischen 06.00 und 11.00 Uhr beschränkt sein.

Weitere Streikaufrufe auch bei den Konzerntöchtern Germanwings, Eurowings, Lufthansa CityLine und Sunexpress Deutschland, seien von nun an möglich, erklärte der Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr am Montag per Video-Botschaft

Vorbereitung der Urabstimmung

Flohr kündigte zudem an, dass in der kommenden Woche mit den Tarifkommissionen über Urabstimmungen zu unbefristeten Arbeitskämpfen im gesamten Lufthansa-Konzern beraten werde. "Wir bedauern diesen Schritt, sehen aber tatsächlich in der Eskalationsspirale, die hier genommen wird, keine andere Möglichkeit", sagte Flohr.

Die Lufthansa könne diese Szenarien noch abwenden: durch Gesprächsbereitschaft bezüglich eines neuen Tarivertrags. Flohr warf der Fluggesellschaft vor, einen Machtkampf gegen die Spartengewerkschaften zu führen.

Lufthansa habe Ufo bereits mitgeteilt, dass kein Notfallflugplan für die Kunden erstellt werde, sagte Flohr. "Das Unternehmen spekuliert anscheinend darauf, genügend Streikbrecher zu finden, die bereit sind, auf ihr Streikrecht zu verzichten. Das Risiko von kurzfristigen Streichungen, falls dies misslingt, ist den Kunden gegenüber völlig unverantwortlich", sagte der Gewerkschafter.

Lufthansa: Warnstreik rechtswidrig

Die Lufthansa hingegen bezeichnete die geplanten Warnstreiks als rechtswidrig. "Unser klares Ziel ist es, am 20. Oktober unser volles Flugprogramm aufrechtzuerhalten", heißt es in einer ersten Stellungnahme. Zudem würden rechtliche Schritte gegen die Aktionen geprüft.

Lufthansa zweifelt schon länger die Legitimität des amtierenden Vorstands der Ufo an. Die gewerkschaftliche Tariffähigkeit soll in einem Gerichtsverfahren überprüft werden. Zuletzt hatte das Arbeitsgericht Frankfurt in erster Instanz festgestellt, dass Ufo die Tarifverträge bei der Lufthansa-Kerngesellschaft rechtmäßig gekündigt hat.

Interne Führungskrise bei Ufo

Weitere Prozesse und Gerichtsentscheidungen will die Gewerkschaft nicht abwarten, weil Lufthansa ständig neue Vorwürfe erhebe.

Ufo hat einen heftigen internen Führungsstreit hinter sich, in dessen Verlauf zahlreiche Vorstände und Beiratsmitglieder zurückgetreten sind, darunter der langjährige Vorsitzende Nicoley Baublies, der zwischenzeitlich auch aus seinem Lufthansa-Job entlassen worden ist. Bei einer Mitgliederversammlung am 1. November muss sich der verbliebene Rumpfvorstand Abwahlanträgen stellen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.10.2019, 19.30 Uhr