Streikende Flugbegleiter

Nach dem Streik der Flugbegleiter schienen die Gewerkschaft Ufo und die Lufthansa auf dem Weg zu einer umfassenden Schlichtung. Doch jetzt eskalierte der Streit erneut. Dennoch soll es zumindest in den nächsten Tagen keine neuen Streiks geben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Konflikt zwischen Lufthansa und Ufo eskaliert erneut

Wartende Passagiere stehen am Flughafen vor einem Service-Schalter der Lufthansa.
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Die in der vergangenen Woche vereinbarte umfassende Schlichtung für die Flugbegleiter der Lufthansa ist in letzter Minute geplatzt. Das Unternehmen zog am späten Dienstagabend seine Zustimmung zurück, weil sich zuvor die Gewerkschaft Ufo nicht eindeutig und unbefristet zu einem Streikverzicht auch bei vier Lufthansa-Töchtern bereit erklärt habe. Das bestätigte ein Lufthansa-Sprecher.

Die Gewerkschaft Ufo reagierte ihrerseits mit einem Ultimatum. Sollte sich bis zum 28. November keine Annäherung ergeben werde man weitere konkrete Streiks ankündigen, erklärte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies: "Damit sind Streiks in der Vorweihnachtszeit möglich." Bis dahin allerdings werde man keine Arbeitsniederlegungen organisieren oder dazu aufrufen.

Lufthansa will nur "kleine Schlichtung"

Die Lufthansa hält weiterhin an der der einseitig ausgelösten sogenannten "kleinen Schlichtung" fest, die sich ausschließlich um die wenigen Tarifthemen drehen soll, für die Ufo in der vorvergangenen Woche einen zweitägigen Streik veranstaltet hatte. Dazu gehörten mehr Spesen und Zulagen für die Flugbegleiter sowie Wechselmöglichkeiten für Saisonkräfte in reguläre Arbeitsverhältnisse.

Am vergangenen Dienstag hatten beide Seiten dann eine umfassende Schlichtung zu weitaus mehr Themen sowie eine darüberhinausgehende Moderation bei der Lufthansa-Kerngesellschaft vereinbart. Ihren jeweiligen Schlichter hatten beide Seiten noch nicht benannt und sich auf ein langes und kompliziertes Verfahren eingestellt.

Erneute Streiks möglich

Ebenfalls war der frühere Ufo-Chef Nicoley Baublies entgegen vorheriger Vereinbarungen nicht wieder als Purser bei der Fluggesellschaft eingestellt worden. Im Hintergrund geht es in dem Konflikt seit Monaten um die Frage, ob die Lufthansa Ufo als Gewerkschaft im Konzern anerkennt. Ufo will nach Baublies Worten die neue Situation zunächst intern bewerten.

Der Verzicht auf die Schlichtung könne nicht das letzte Wort sein, sagte der Ufo-Sprecher. Er wies darauf hin, dass für die vier Lufthansa-Töchter keine Friedenspflicht gelte und daher Streiks erneut möglich seien. Bei der Lufthansa selbst sei die Kabine in der Friedenspflicht, aber dennoch zu Warnstreiks berechtigt.

Auch in der Catering-Sparte LSG drohen Streiks

Dicke Luft herrscht auch zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Lufthansa-Catering-Sparte LSG Sky Chefs. Kurz vor dem geplanten Verkauf der Sparte hat Verdi dem Unternehmen mit Streiks gedroht. "Nach monatelangen Verhandlungen stehen die Beschäftigten kurz vor dem Verkauf der LSG mit leeren Händen da", kritisierte Verdi-Verhandlungsführerin Katharina Wesenick am Mittwoch.

Die Ungewissheit und Existenzangst unter den rund 7.000 Beschäftigten in Deutschland seien so groß, dass kurzfristige Arbeitskampfmaßnahmen nicht mehr ausgeschlossen werden könnten. Verdi verlangt Ausgleichszahlungen im Falle von Kündigungen und Lohneinbußen durch den neuen Eigentümer.

Der Lufthansa-Konzern hat die Tochter LSG Sky Chefs mit weltweit rund 35.000 Mitarbeitern offiziell zum Verkauf gestellt. Einer der Bieter ist der Weltmarktführer Gategroup aus der Schweiz.

Sendung: hr-iNFO, 20.11.2019, 8:40 Uhr