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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lufthansa muss noch mehr sparen

Ein Mann mit Mundschutzmaske steht vor Lufthansa-Maschinen,

Die Corona-Pandemie trifft die Lufthansa härter als gedacht. Der Konzern hat deshalb weitere Konsequenzen für Mitarbeiter und Kunden beschlossen. 50 weitere Flieger sollen am Boden bleiben, tausende Jobs sollen zusätzlich wegfallen. Frankfurt dürfte stark betroffen sein.

Eine Zeit lang durften die Lufthansa und ihre Mitarbeiter auf Besserung hoffen: In der Reisesaison nahm die wegen der Corona-Pandemie völlig eingebrochene Zahl der Flüge und Passagiere wieder etwas zu. Jetzt aber zeigt sich, dass die leichte Erholung von Juli und August nur vorübergehend war und die Krise heftiger wird als gedacht.

"Tiefere Einschnitte bei Flottengröße und für Personal" verkündete der Vorstand daher am Montag in Frankfurt. Nun erscheine es nicht mehr realistisch, doch noch auf etwa die Hälfte des Vorjahresbetriebs zu kommen, ein Viertel ist wahrscheinlicher. Zuvor hieß es schon aus dem Unternehmen: Von dem üblichen Herbstferien-Geschäft sei wegen der Unsicherheit für die Passagiere überhaupt nichts zu spüren.

Drittes Sparpaket

Mindestens 150 Flugzeuge der einstmals 760 Jets umfassenden Konzernflotte werden deshalb abgeschafft, teilte das Unternehmen mit. Zunächst war die Ausmusterung von 100 Maschinen geplant. Auch die Zahl der weltweit wegfallenden Vollzeitstellen wird die bislang angekündigten 22.000 deutlich übersteigen.

Eine neue Größenordnung nannte die Airline bei der Bekanntgabe des inzwischen dritten Pakets ihres Restrukturierungsprogramms nicht. In jedem Fall geht es um mehrere tausend zusätzliche Stellen. Insider gehen von bis zu 5.000 aus. Da die Teilzeit-Quote hoch ist, sind vom Abbau zudem stets deutlich mehr Menschen betroffen, als es die Stellenzahl aussagt.

Kündigungen begrenzen

Die Airline, die seit dem Sommer wegen der Pandemiefolgen vom Staat gestützt wird, kündigte Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen über den geplanten, noch größeren Personalabbau an. Ziel sei es, "Krisenpakete zu vereinbaren, die die Anzahl der notwendigen betriebsbedingten Kündigungen begrenze".

Bereits im ersten Quartal des kommenden Jahres soll auch jede fünfte Leitungsposition wegfallen. Mit im Paket:  Die Verwaltungsflächen werden weltweit überprüft und in Deutschland um 30 Prozent verringert.

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Monat für Monat 500 Millionen weg

Aktuell leiden die Konzern-Marken Lufthansa, Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels unter den weltweiten, komplexen Einreisebeschränkungen. Einzig die Fracht bringt noch Geld. Trotz Staatshilfen aus den vier Heimatländern Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien verliert der Konzern monatlich wegen Corona 500 Millionen Euro liquide Mittel. Diese Zahl soll durch Sparen bis zum Winter auf 400 Millionen Euro sinken und im Laufe von 2021 wieder ins Plus gewendet werden. Mit den Erlösen aus Teilverkäufen soll die Staatsbeteiligung zurückgeführt werden.

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Mit Ansage

Ganz überraschend kommen die neuen Einschnitte nicht. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hatte bereits Anfang August angekündigt, die zunächst geplante Verkleinerung der Flotte um etwa 100 Maschinen reiche vielleicht nicht aus. In einer Online-Fragestunde für die Mitarbeiter hatte er dann vor einer Woche nachgelegt: Wegen der schwächeren Passagierzahlen müssten wohl auch mehr Arbeitsplätze wegfallen.

Für die Flotte bedeute die aktuelle Entscheidung: Wegen des geringen Interkontinentalverkehrs mottet Lufthansa ihre größten Flugzeuge vom Typ Airbus A380 langfristig ein - sofern sie nicht an den Hersteller zurückgegeben werden können. Zehn weitere Interkontinental-Jets vom Typ A340-600 sollen ebenfalls dauerhaft geparkt bleiben. Für die Bücher des Konzerns heißt dies: Es ist laut Lufthansa eine Wertberichtigung in einer Größenordnung von bis zu 1,1 Milliarde Euro nötig.

Heftig für Frankfurt

Als wichtigstes Luftfahrt-Drehkreuz auch für die Lufthansa wird sich das neue Sparpaket besonders auf den Frankfurter Flughafen auswirken. Zum nun forcierten Wegfall der dort angesiedelten Lufthansa-Arbeitsplätze kommt etwa der von weiteren Start-und-Landegebühren.

Hier droht auch eine erneute Verschärfung des langjährigen Streits über die Höhe der Kosten in Frankfurt. Die Lufthansa führt stets an, dass der Flughafen München um ein Fünftel günstiger sei.

Für die nun auf die Seite geschobenen Airbus A380 war seinerzeit zudem ein riesiger Wartungshangar gebaut worden. Weil die Airline vor Corona mit weiterem Wachstum auf der Langstrecke rechnete, war auf dem Gelände schon ein zweiter Bauabschnitt vorgesehen.

Kritik an der Politik

In der Ausweitung von Corona-Tests sieht der Lufthansa-Vorstand eine wesentliche Voraussetzung zur Erholung der Branche. Konsequentes Testen sei möglich und erhöhe die Sicherheit für Reisende, hieß es am Montag. Das sei im Gegensatz zu wechselnden und uneinheitlichen Einreise- und Quarantäneregelungen die bessere Alternative.

Dahinter steckt Kritik an der Politik: Zuletzt waren die anfänglichen Corona-Tests für Reiserückkehrer an Flughäfen wie in Frankfurt nach einer Entscheidungen der Bundesregierung durch eine Quarantänepflicht ersetzt worden. Dadurch drohe der Branche ein zweiter Lockdown, hatte die Lufthansa beklagt.

Sendung: hr-iNFO, 21.09.2020, 16.00 Uhr