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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tarifeinigung für Marburger Busfahrer

Ein Linienbus vor dem Bahnhof Marburg

Worauf viele Busfahrerinnen und Busfahrer privater Busunternehmen momentan hoffen, ist in Marburg jetzt Realität. Die Beschäftigten der Verkehrsgesellschaft bekommen mehr Geld - ganz ohne Streik. Ihr Arbeitgeber wechselt in einen anderen Tarifvertrag.

"Geht doch!", sagt da bestimmt der eine oder andere streikgenervte Pendler in Hessen: Während tausende Busfahrgäste sich jeden Tag aufs Fahrrad schwingen, zu Fuß zur Schule oder zur Arbeit gehen oder sich mit dem Auto in eine Blechschlange stellen und sich fragen, wie lange der Streik noch dauern wird, gibt es in Marburg eine Lösung im Tarifkonflikt.

Die Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG), eine 100 prozentige Tochter der Stadtwerke, wechselt zum 1.1.2020 vom privaten in den kommunalen Tarifvertrag. Die Oberhessische Presse berichtete am Freitag darüber in ihrer Printausgabe.

Mehr Geld, mehr Urlaub und Altersversorgung

Für Busfahrer und Busfahrerinnen in Marburg wird sich ab dem kommenden Jahr deshalb einiges ändern, vor allem finanziell. Die Beschäftigten der MVG werden alle in die Lohnstufe zwei eingruppiert, konkret geht es um Lohnsteigerungen von 1.600 Euro bis über 6.000 Euro pro Jahr. Außerdem bekommen die Arbeitnehmer ein 13. Gehalt (Weihnachtsgeld), eine betriebliche Altersversorgung und mehr Urlaub.

Es ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen zwischen der Stadtwerke-Tochter und den Gewerkschaften. Die Folge sind deutlich höhere Personalkosten für die MVG. Eine Sprecherin der Stadtwerke bestätigte dem hr, dass dies aber quersubventioniert werde - soll heißen: die zusätzlichen Kosten werden durch Überschüsse aus der Ver- und Entsorgung ausgeglichen.

Die Stadtwerke Marburg sind ein städtischer Arbeitgeber und haben deshalb anders als private Busunternehmern die Möglichkeit, zwischen dem privaten und dem kommunalen Tarifvertrag zu wählen. Grundsätzlich entscheidet immer der Arbeitgeber, in welchem Verband er vertreten ist und welche Tarifverträge entsprechend gelten. Bisher gehörte die Marburger MVG zum privaten Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen, kurz LHO. Dieser Vertrag läuft zum Ende des Jahres aus. Zum neuen Jahr wechselt der Arbeitgeber zum kommunalen Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N Hessen).

Arbeitgeber: "Wir müssen uns das leisten können"

Grund für den Wechsel sind wesentlich bessere Arbeitsbedingungen für die Busfahrer, erklärt Christine Dersch, Justiziarin bei den Stadtwerken Marburg. Sie selbst war bei den Tarifverhandlungen dabei. Hintergrund des Wechsels zum kommunalen Arbeitgeberverband sei, dass die Stadtwerke innerhalb der Tarifverträge keine so gravierenden Änderungen vornehmen könnten, dass sich die Arbeitsbedingungen für die Busfahrer deutlich änderten. "Gerade der Punkt Altersvorsorge war bei den privaten Tarifverträgen überhaupt noch nicht berücksichtigt", so Dersch.

Mit dem neuen Tarifvertrag könne man dagegen größere Anreize für Busfahrer schaffen. "Wir brauchen Fachkräfte, deshalb müssen wir uns die neuen Verträge einfach leisten können", erläutert sie auf die Frage nach der Finanzierung. Der Beruf des Busfahrers sei sehr anspruchsvoll, momentan aber wenig attraktiv, gibt  die Justiziarin zu. Daher müsse das Unternehmen bessere Bedingungen schaffen, um Bewerber anzuziehen.

Streikende nicht abzusehen

Unterdessen geht der Streik der privaten Busfahrer in vielen Kommunen Hessens weiter - Ende offen. Die Gewerkschaft verdi hat nach eigenen Angaben rund 4.400 Beschäftigte aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Welche Verbindungen in welchen Städten und Kreisen wohl ausfallen, erfahren Sie hier.

Sendung: hr4 Mittelhessen, 22.11.19, 16.30 Uhr