Frau mit Mundschutz in der Straßenbahn

Während die Berliner Verkehrsbetriebe in Bussen und Bahnen zehntausende Masken-Verweigerer zählen, sind die hessischen Verkehrsbetriebe mit der Maskendisziplin ihrer Fahrgäste zufrieden. Zahlreiche hessenschau.de-Nutzer können das nicht nachvollziehen. Sie machen mit der Umsetzung dieser Corona-Regel andere Erfahrungen.

Wie läuft es mit der Einhaltung der Maskenpflicht im hessischen ÖPNV? Eine hr-Umfrage unter mehreren Verkehrsbetrieben ergab: Im Großen und Ganzen halten sich nach den Erfahrungen der Verantwortlichen die Fahrgäste in Bussen und Bahnen an die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Anders als in Berlin, wo die Verkehrsbetriebe binnen drei Wochen 30.000 Maskenverweigerer zählten.

In den Kommentaren zu unserem Bericht über die Umfrage gaben die Nutzer von hessenschau.de ihre Erfahrungen im Nahverkehr wider. Dabei zeichnet sich ein anderes Bild.

hessenschau.de-Nutzer "Ralf" aus Frankfurt etwa schreibt: "Ich muss jeden Tag morgens und nachmittags mit der S8/S9 Richtung Flughafen und zurück pendeln, Umstieg am Hauptbahnhof. Wo die ganzen Maskenträger sein sollen, die im Artikel angegeben sind, keine Ahnung!"

"Das geht völlig an der täglich als Pendler erlebten Realität vorbei", schreibt Twitter-Nutzer "StWepp".

@hessenschau Das geht völlig an der täglich als Pendler erlebten Realität vorbei. Die Auskunft gebenden Personen sollten vielleicht mal selbst ihre Fahrzeuge nutzen. Und die Mitarbeiter in den Zügen tragen oft genug den MNS auch falsch. @vgf_ffm @RMVdialog @Regio_Mitte

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Ärger über bewusste Verstöße

Zahlreiche Nutzer bemängeln, dass andere Mitreisende gegen die Maskenpflicht bewusst oder unbewusst verstoßen und den Mund-Nasen-Schutz nicht korrekt verwenden. Waltraud Scafidi aus Frankfurt schreibt: "Ich fahre täglich mit der U-Bahn und muss leider feststellen, dass viele provokativ keine Maske tragen oder sie hängt unter dem Kinn. Viele lassen auch grundsätzlich die Nase frei."

hessenschau.de-Nutzer "TL" aus dem Main-Taunus-Kreis berichtet: "Ich bin im Main-Taunus-Kreis, Darmstadt, Wiesbaden und teilweise in Groß-Gerau knapp zwei Stunden täglich mit dem ÖPNV unterwegs." Er sehe bei jeder Fahrt und an jedem Bahnhof Leute ohne oder mit falsch genutzter Maske.

Fahrgastverband Pro Bahn: Unterschiede zwischen Verkehrsmitteln

Auf Nachfrage kann der Fahrgastverband Pro Bahn Hessen die überwiegend negativen Erfahrungen der Nutzer so nicht bestätigen: Rund 90 Prozent der Fahrgäste würden sich an die Maskenpflicht halten, sagte ein Sprecher am Freitag. Grundsätzlich gebe es aber sicherlich Unterschiede zwischen den Verkehrsmitteln. In Bussen etwa sei die Maskenquote grundsätzlich höher als in der S-Bahn, wo nicht kontrolliert werde.

"Als Berufspendler bin ich werktags zwei Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. In Regionalzügen ist die Disziplin höher als bei den U-Bahnen", schildert Nutzer "Der müde Angestellte" aus Hanau seine Erfahrung.

"M" aus Frankfurt schreibt: "Ich bin Berufspendler und muss sagen, dass mich das asoziale Verhalten vieler Menschen immer mehr nervt. Vor allem in den U- und S-Bahnen hält sich teilweise nur die Hälfte der Fahrgäste an die geltenden Regeln: keine Maske, Maske unter der Nase, Maske unter dem Kinn, Maske um den Hals."

"Ein Einzelfall kann schon zu viel sein"

Kritisch sieht Pro Bahn, dass der öffentliche Nahverkehr in manchen Medien als Virenschleuder dargestellt werde: Das würde die Menschen verängstigen, so der Sprecher.

Doch auch wenn sich die Mehrheit der Fahrgäste wohl tatsächlich an die Maskenpflicht hält, wird aus den Kommentaren der hessenschau.de-Nutzer deutlich, wie sensibel das Thema ist und die Menschen angesichts wieder steigender Infektionszahlen umtreibt. So wird jeder einzelne Verstoß als einer zu viel wahrgenommen. Nutzer "TL" meint: "Geld für die Fahrkarte zu bezahlen, um das Risiko einer Ansteckung zu erhöhen, ist schon verrückt. Ein Einzelfall kann schon zu viel sein."

"Fühle mich bedroht"

Mehr Respekt und Verantwortungsgefühl vor der Gesundheit des nächsten wünschen sich manche Nutzer. "Luise" aus Frankfurt schreibt: "In Frankfurt sind in jeder Bahn mehrere Personen ganz selbstverständlich ohne Maske oder mit falsch getragener Maske unterwegs. Eine weitgehende Einhaltung würde ich das nicht nennen und ich fühle mich dadurch bedroht."

Nach den Beobachtungen mehrere Nutzer wird zudem die Maskenpflicht in den Bahnhöfen und U-Bahnhaltestellen offenbar nicht immer so ernst genommen: "cf1908" aus Hünfelden schreibt: Als Pendlerin erlebe ich es leider häufig, dass in den Bahnhöfen keine Maske getragen wird. Wird eine getragen, sehr häufig falsch (ohne die Nase zu bedecken)." Christian Matz aus Wetzlar schildert seine Erfahrung: "An den Bahnhöfen (auch Stationsbereich) Gießen, Wetzlar und Marburg tragen weniger als die Hälfte der Fahrgäste eine Maske."

Wunsch nach mehr Kontrollen

Zahlreiche Nutzer wünschen sich, dass anwesende Kontrolleure Fahrgäste ohne Maske auf den Verstoß mit Nachdruck hinweisen. Eveline Gessner aus Oberursel berichtet von ihrer Fahrt in einer S-Bahn: "Hier waren einige Leute ohne Maske. Im Zug waren auch zwei Kontrolleure, auch diese hatten die Maske nur über dem Mund und nicht über der Nase. Die Kontrolleure haben keinen einzigen Fahrgast ohne Maske angesprochen, das fand ich nicht Ordnung."

Daniel aus Idstein schreibt: "Als Berufspendler erlebe ich täglich Verstöße gegen die Maskenpflicht im RMV-Gebiet. Getan wird dagegen nichts! Selbst im Frankfurter Hauptbahnhof wird auf engstem Raum ohne Maske einherspaziert - beim Ein- und Aussteigen an den Zügen ganz zu schweigen!"

In Hessen gilt Maskenpflicht im ÖPNV

Mehrere Nutzer machten schlechte Erfahrungen, als sie andere Fahrgäste auf die korrekte Maskenverwendung ansprachen. "Steigen Sie doch aus", bekam etwa hessenschau.de-Nutzerin Ulrike Martin aus Usingen nach eigenen Angaben bereits mehrfach zu hören.

In Hessen gilt seit dem 27. April die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung in Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs zu tragen. Die Maskenpflicht gilt auch in Bahnhofsgebäuden sowie in anderen Einrichtungen, die genutzt werden müssen, um das Transportmittel besteigen zu können (z. B. Bushaltestellen, U-Bahn-Stationen, Bahnsteige).

Ihre Kommentare Wie erleben Sie die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen?

211 Kommentare

  • Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen. Eine korrekt getragene Maske im ÖPNV (hier: S1/S2, Busse in Höchst/Unterliederbach) ist eher die Ausnahme als die Regel. Ebenso an den Bahnhöfen. Kaum sind die Leute aus der Tür der Bahn raus, wie die Maske abgenommen oder beim Einsteigen erst auf dem Sitzplatz halbherzig aufgesetzt.

    Ich wünsche mir mittlerweile auf jeden Fall mehr Kontrollen und auch Bußgelder - vielleicht kapieren es die Leute dann, wenn es an den Geldbeutel geht

  • Also auch ich erlebe es - muss jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit und wieder zurück fahren: Masken tragen tatsächlich die meisten. Wenn nicht, dann sehr provokativ keine, in der Regel von jungen Leuten, sorry. Aber - die Maske hängt unter dem Kinn. Oder - bei den allermeisten nur über dem Mund, nicht jedoch über der Nase. Die allerwenigsten tragen sie korrekt - über Mund und Nase. Wenn nach den Ferien die Schule wieder losgeht, fühle ich mich als chronisch mehrfach Erkrankte doch gefährdet in den dann mehr als vollen Bussen, wo keinerlei Abstand möglich ist. Beim Einsteigen in den Bus achtet eh kaum einer auf den Abstand, jeder will der erste sein, um einen Sitzplatz zu ergattern.

  • Auch ich kann bestätigen, dass nur ca. 80-90 die Masken richtig bzw überhaupt tragen. 10-20 tragen keine oder falsch.
    Der ESWE hat kein Interesse etwas zu unternehmen, da diese den Ärger und evtl Angriffe meidet.
    Man sieht ja die steigende Werte, das kommt ja auch nicht von ungefähr und überraschend da die MNS verweigere auch feiern gehen, verreisen usw..
    Sehr unsozial, aber die Behörden und Politiker greifen leider nicht durch.

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