Kassel Airport - Fluggastbrücke und Gepäckwagen stehen auf dem Rollfeld

Trotz leerer Terminalhalle und wenigen Urlaubsflügen hat der Kassel Airport im Corona-Jahr 2020 ein etwas geringeres Defizit als zuvor. Es gab sogar mehr Flugbewegungen.

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hessenschau vom 09.01.2021 Thumbnails
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"Das Terminal bleibt im Dezember geschlossen" steht auf einem Schild an einer Schiebetür vom Kassel Airport in Calden. Wie alle anderen Flughäfen hat Corona zu einem starken Einbruch der Passagierzahlen geführt, sagt Geschäftsführer Lars Ernst: "Wir befinden uns da in bester Gesellschaft."

Der Unterschied zu einem Flughafen wie Frankfurt ist allerdings, dass der Kassel Airport seit seiner Eröffnung konstant in den roten Zahlen ist. Die Passagierzahlen sind ohnehin auf einem vergleichsweise sehr niedrigen Niveau: 2020 waren es mit etwa 27.500 Passagieren rund 93.000 weniger als 2019.

Kosten-Erleichterung durch Kurzarbeit

Die Frage beim Kassel Airport ist also nicht, wie stark der Gewinn einbricht, sondern wie hoch das Defizit im Jahr 2020 ist. Und da bleibt die Bilanz des Flughafens recht stabil: Das Defizit wird 2020 um etwa 100.000 Euro geringer sein als noch 2019 - damals waren es 5,6 Millionen Euro.

Für diese Entwicklung gibt es zwei Gründe: Wenn niemand fliegt, gibt es auch weniger Arbeit, die Betriebszeiten wurden eingeschränkt. Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt - und weil die der Staat bezahlt, hatte der Flughafen weniger Kosten. Ein Faktor, der für Beschäftigte Belastung bedeutet, für den Flughafen aber leichten Aufwind.

Der andere Grund ist die Zunahme bei privatem Luftverkehr. Dieser sei "massiv" angestiegen, teilte eine Sprecherin des Flughafens dem hr mit. Insgesamt konnten die Flugbewegungen - trotz fehlender Ferienflieger - sogar gesteigert werden auf rund 27.300.

Zusätzlich habe es Erträge aus Vermietung und Verpachtung gegeben, dem "Non Aviation"-Bereich in Flughafendeutsch. Für das Land Hessen als größten Gesellschafter des Airports mit 68 Prozent, bedeutet allerdings auch das Jahr 2020 hohe Kosten: Bereits im November wurden in Wiesbaden mit rund 6,8 Millionen Euro Gesamtausgaben für den Flughafen im Jahr 2020 gerechnet.

Sundair spart bei Leasingverträgen

Eine andere Baustelle am Kassel Airport ist die Fluggesellschaft Sundair, die einzige am Flughafen, die Urlauber in den Süden fliegt. Sie befindet sich in einem Schutzschirmverfaren und soll sich so wieder gesund sanieren. Das Schutzschirmverfahren ermöglicht es der Airline, durch Sonderkündigungen teure Leasingverträge für Flugzeuge los zu werden und billigere abzuschließen.

Auch da ist die Pandemie-Lage von Vorteil: Die Leasingraten von Flugzeugen seien im Laufe des Jahres 2020 stark gesunken, teilte Sundair mit. Jetzt sind entsprechend neue Verträge günstig zu haben. Es stehe bereits ein "solider Plan" für den Sommer mit Reisen nach Kreta, Rhodos, Mallorca und Antalya.

Flughafen-Geschäftführer Ernst macht Hoffnung, dass Sundair sogar "gestärkt aus der Krise" hervorgehen könnte. Wenn die Corona-Lage Urlaubsreisen wieder zulasse, hätten die Menschen Nachholbedarf in Sachen Urlaub, hofft er - und könnten bald wieder von Kassel aus in den Süden starten.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version hatten wir berichtet, dass neben dem privaten Luftverkehr auch Frachtflüge stark zugenommen hätten. Die starke Zunahme beschränkt sich jedoch auf den privaten Flugbetrieb, wie der Kassel Airport inzwischen klarstellte.

Sendung: hessenschau, hr-fernsehen, 09.01.2021, 19.30 Uhr