RMV Kombo Bahn/ Fahrkartenautomat
Zu spät, zu wenige Infos, viel Ärger: Kunden des RMV sollen es künftig einfacher haben. Bild © picture-alliance/dpa/hr

In einem Brandbrief hatte RMV-Geschäftsführer Ringat vor Monaten Zugausfälle und Verspätungen bei der Bahn kritisiert. Jetzt soll im Nahverkehr alles besser werden. Bahn, RMV und das Land stellten entsprechende Maßnahmen vor.

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Pünktlicher, zuverlässiger und bessere Infos bei Verspätungen: Das sind die Ziele eines Intensivprogramms für den Schienenverkehr, das Verkehrsminister Tarek Al Wazir (Grüne) am Donnerstag zusammen mit der Bahn und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in Frankfurt vorstellte. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll die Qualität des Nahverkehrs auf der Schiene deutlich verbessert werden.

RMV: Mehr Züge, mehr Lokführer

Auslöser der neuen Pläne war RMV-Chef Knut Ringat. Er hatte wegen vieler Zugausfälle und zu Verspätungen einen Brandbrief im vergangenen Sommer an den Bahn-Vorstand Richard Lutz geschrieben. "So wie die Performance sich im vergangenen Jahr entwickelt hat - von Anfang bis Mitte des Jahres. So kann es nicht weiter gehen. Tausende unserer Kunden blieben täglich stehen", sagte er am Donnerstag.

Die Folge dieses Briefes sei nun das Intensivprogramm zwischen DB und RMV. 170 neue Auszubildende sollen in diesem Jahr eingestellt werden. Und es werden 14 ehemalige Regionalbahnen zu S-Bahnen umgebaut. Die sollen vor allem als Flughafenshuttle und auf der Strecke der S7 eingesetzt werden  – zwischen Frankfurt, Mörfelden/Walldorf und Riedstadt.

Die Bahn plant außerdem künftig Ersatzbahnen bereit zu stellen. Hat ein Zug Verspätung, übernimmt ein anderer rechtzeitig die Rückfahrt. Im Eisenbahner-Fachjargon heißt das: Überschlagende Wende.

Außedem soll Lokführermangel soll künftig seltener zu Fahrtausfällen führen: "Seit 2016 haben wir in Hessen 300 neue Lokführer für den Regional- und S-Bahnverkehr ausgebildet", sagte Jörg Sandvoß, Vorstandschef von DB Regio. In diesem Jahr kämen noch einmal 170 Neueinstellungen dazu. Das sei auch nötig: «Wir merken schmerzhaft, dass wir in einem Aufholprozess sind", räumte Sandvoß angesichts der Entwicklung zu dichteren Zugtaktungen und Streckenentwicklungen ein. "Wir fahren im Moment fast alles, was möglich ist."

Gleiche Infos am Gleis und in der App

Damit Fahrgäste besser über Verspätungen informiert sind, soll bis 2020 ein neues Informationssystem starten, das gerade getestet wird, sagte Bernd Koch, Vorstand der DB Station&Service. Es gehe darum, dass künftig immer überall die gleichen aktuellen Informationen zur Verfügung stünden - am Gleis, auf den Anzeigetafeln und in der App. Bisher kommt es häufig zu widersprüchlichen Informationen bei Verspätungen, je nachdem, wo die Kunden nachschauen.

Erste Maßnahmen, die bereits im vergangenen Jahr eingeleitet wurden, zeigen Ringat zufolge bereits Wirkung: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sei die Pünktlichkeit der S-Bahn um 1,5 Prozent verbessert worden. Während derzeit die Pünktlichkeitsrate zwischen 93 und 94 Prozent betrage, habe sie vor einem halben Jahr noch unterhalb von 92 Prozent gelegen.

Al-Wazir: "Wir müssen besser werden"

"Unser Ziel ist, dass im Jahr 2030 30 Prozent mehr Menschen mit dem RMV fahren", sagte Ringat in Frankfurt. Ohne einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr sei auch keine Verkehrswende möglich, betonte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). "Wir müssen an diesem Punkt besser werden."

So stelle das Land allein 2019 rund 35 Millionen Euro für die Modernisierung von Bahnhöfen zur Verfügung. Insgesamt fließen nach Bahn-Angaben in diesem Jahr 116 Millionen Euro in die Modernisierung hessischer Bahnhöfe.