Lokführer steigt in einen Zug der Deutschen Bahn

Seit mehr als 30 Jahren wurde darüber diskutiert. Nun ist das Projekt beschlossen. Die Bahnstrecke Regionaltangente West um Frankfurt wird gebaut. Die Kosten: über eine Milliarde Euro.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neue Bahnstrecke für das Rhein-Main-Gebiet

Regionalbahn im Bahnhof Gießen
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Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) spart nicht mit Superlativen: Der am Donnerstag gefasste Beschluss für den Bau der Regionaltangente West (RTW) ist für ihn ein "verkehrspolitischer Meilenstein", der für die Rhein-Main-Region enorme Bedeutung hat. Es handele sich um ein "interkommunales Mammutprojekt" mit zehn beteiligten Städten. Geeinigt hatten sich die Gesellschafter der RTW Planungsgesellschaft.

"Nun müssen wir dran bleiben, mit hohem Tempo gemeinsam weitergehen und Baurecht schaffen", betonte Al-Wazir. Die Kosten sind gigantisch: 1,1 Milliarden Euro werden nach jetzigem Stand die Planungen und der Bau kosten. Das Land Hessen garantiert eine finanzielle Unterstützung in Höhe von bis zu 315 Millionen Euro. Die Gesellschafter rechnen damit, dass der Bund einen Großteil der Finanzierung stemmt.

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Gesellschafter der RTW

Die Gesellschafter der RTW sind: die zehn Kommunen an der Strecke, der Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV und das Land Hessen.

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Die neue Bahnverbindung soll von Bad Homburg kommend durch Eschborn (Main-Taunus) über den Frankfurter Flughafen bis nach Neu-Isenburg (Offenbach) führen. Sie soll Frankfurt und Umgebung auf einer Strecke von rund 47 Kilometern entlasten: Rund 96.000 Fahrgäste werden auf der Schienenverbindung am Tag erwartet.

Kostenfaktor: 1,1 Milliarden Euro

Von der neuen Strecke werden vor allem Anwohner und Pendler profitieren, wie Minister Al-Wazir sagte. Sie bekämen damit neue Direktverbindungen zu vielen Zielen im Rhein-Main-Gebiet, und zwar ohne einen Umweg über die Frankfurter City. "Das heißt natürlich auch, dass der Frankfurter Hauptbahnhof und der S-Bahn-Tunnel entlastet werden, das bietet neue Möglichkeiten", sagte er.

Nur die Hälfte der Strecke muss laut Al-Wazir neu gebaut werden. Denn die Züge der RTW könnten bereits bestehende S-Bahn-Gleise benutzen.

Weitere Planungen hängen von Anwohner-Klagen ab

Als nächstes geht es darum, auf den vier Bauabschnitten mit den offiziellen Planfeststellungsverfahren zu beginnen. Dafür müssen noch viele Detailfragen geklärt werden. In Frankfurt-Höchst muss für die RTW-Anbindung zum Beispiel der Bahnhof umgebaut werden, ein Tunnel soll darunter durchführen - hier geht es jetzt um technische Herausforderungen, Umweltfragen und Widerstände von Anwohnern, die an der Strecke leben.

Für die weiteren Planungen komme es jetzt darauf an, ob und wie viele Klagen gegen das Bauprojekt eingereicht werden, erklärte Horst Amann, der Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft: "Jeder fragt: Wann fährt die RTW? Wir planen eine Inbetriebnahme in 2026. Ob das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab."

Eschborn hat eingelenkt

Über die neue Bahnstrecke um den Westen Frankfurts herum wird seit mehr als 30 Jahren diskutiert. Zuletzt gab die Stadt Eschborn ihren Widerstand die geplante Bahnverbindung auf - nach einem Schlichtungsgespräch im Wirtschaftsministerium.

Sendung: hr-iNFO, 28.11.2019, 19.15 Uhr