Ein Mann mit einer Weste mit der Aufschrift "LH Crew" fotografiert einen Airbus A350-900 nach der Landung.

Die Lufthansa fährt in der Corona-Pandemie weiter Verluste ein und korrigiert ihre Jahresprognose nach unten. Ausbaden müssen das die Mitarbeiter: 10.000 weitere Jobs sollen wegfallen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lufthansa stellt Quartalszahlen vor

Abgestellte Lufthansa-Boeing 747 mit eingepackten Triebwerken als Folge des sehr starken Passagierrückgangs in der Corona-Krise.
Ende des Audiobeitrags

Die Fluggesellschaft Lufthansa streicht erneut Stellen: In Deutschland sollen 10.000 weitere Vollzeitjobs abgebaut oder Personalkosten im vergleichbaren Maße eingespart werden, kündigte das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Donnerstag an.

"Wir bereiten uns auf Entlassungen vor"

Erreichen will der Konzern das über freiwillige Abgänge oder Teilzeitlösungen, wie Finanzvorstand Remco Steenbergen bei der Vorlage der Quartalszahlen sagte. Er verwies auf laufende Verhandlungen mit den Gewerkschaften für die Piloten und das Bodenpersonal zu Neuregelungen ab 2022. Steenbergen sagte aber auch: "Wir bereiten uns auf Entlassungen vor." Diese könnten Anfang 2022 auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukommen - denn die Kurzarbeit läuft nur noch bis Jahresende weiter.

In den vergangenen zwölf Monaten hatte der Konzern nach eigenen Angaben bereits 25.700 der weltweit rund 136.000 Angestellten entlassen. Der Großteil entfiel auf die Catering-Tochter LSG, deren Europageschäft an die Gategroup verkauft wurde. In Deutschland ging die Zahl der Vollzeitstellen meist durch Fluktuation um 8.000 auf 52.200 zurück.

Milliardenverlust im ersten Quartal

Zuvor hatte die Fluggesellschaft ihre Zahlen für das erste Jahresquartal vorgelegt. Demnach belief sich der Verlust auf 1,05 Milliarden Euro - nur noch halb so viel wie im Vorjahresquartal. Seitdem hat die Lufthansa ihre Kosten durch Stellenabbau, Kurzarbeit und stillgelegte Jets stark gesenkt.

Während mit dem Passagierbereich kaum Geld verdient wurde, lief der Frachtbereich weiter auf Rekordniveau. Die Frachtsparte Cargo steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 802 Millionen Euro und fuhr einen operativen Gewinn von 314 Millionen Euro ein. Die Lufthansa Technik konnte von einem erstarkten Wartungsgeschäft in den USA und Asien profitieren. Sie machte im ersten Quartal 16 Millionen Euro Gewinn.

Wegen der anhaltenden Reisebeschränkungen rechnet der Konzern damit, dass sich das Geschäft auch in den kommenden Monaten nur langsam erholen wird. Ab dem Sommer erwarte er eine steigende Nachfrage, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr laut Mitteilung vom Donnerstag: "Ermutigende Signale, wie die Ankündigung der EU-Kommission, geimpften Fluggästen aus den USA die Einreise nach Europa wieder zu ermöglichen, bestätigen unsere Zuversicht."

Prognose für Flüge gesenkt

Auf der anderen Seite kippte der Konzern aber seine Prognose, dass er im Gesamtjahr bis zu 50 Prozent seiner Jahreskapazität von 2019 werde fliegen können. Nun werden bei einer starken Konzentration auf touristische Ziele noch etwa 40 Prozent erwartet.

Im ersten Quartal hatten Lufthansa und die übrigen Konzernmarken im Vergleich zu 2019 nur 21 Prozent ihres Angebots geflogen und mit drei Millionen Fluggästen nur ein Zehntel der damaligen Passagierzahl erreicht.

Hälfte der Staatshilfen noch nicht genutzt

Der in der Krise gebeutelte Konzern erhielt von Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz im vergangenen Jahr neun Milliarden Euro Staatshilfe, von denen 5,4 Milliarden Euro noch nicht genutzt seien. Ein darin enthaltener Kredit der KfW-Bank in Höhe von einer Milliarde Euro wurde bereits zurückgezahlt, auf der anderen Seite hat die Lufthansa aber auch neue Schulden aufgenommen.

Auf der Hauptversammlung am 4. Mai will sich der Vorstand mit einem Vorratsbeschluss einen Rahmen von 5,5 Milliarden Euro für neues Eigenkapital genehmigen lassen, um bei Bedarf die teuren Staatsbeteiligungen ablösen zu können.

Sendung: hr-iNFO, 29.04.2021, 8 Uhr