Die neuen Schleusentore werden am Hafen von Bad Karlshafen installiert.
Millimeterarbeit: Arbeiter installieren die neuen Schleusentore im Hafenbecken Bild © Kim Pflüger

Die ersten Schleusen sind schon eingesetzt: Mit der Wiedereröffnung ihres stillgelegten Hafens will die nordhessische Stadt Bad Karlshafen attraktiver werden. Schon jetzt hat das Millionen-Projekt die Stadt belebt.

Videobeitrag
hs

Video

zum Video Countdown für Hafen-Projekt

Ende des Videobeitrags

Aufbruchsstimmung in einer der ärmsten Kommunen Hessens: Am Dienstagvormittag setzten Arbeiter in dem sanierten Hafenbecken von Bad Karlshafen (Kassel) die ersten Schleusen ein: ein wichtiger Meilenstein für den groß angelegten Umbau des historischen Hafens, mit dem die Stadt an der Weser ihr touristisches Potential entfalten will.

Bürgermeister Marcus Dittrich (parteilos) erhofft sich mit der Öffnung des Hafens "eine Wiederbelebung der Innenstadt, dass Leerstände behoben werden und die Übernachtungszahlen wieder steigen". Vielleicht auch wieder einen Anstieg der Einwohnerzahl, die aktuell bei 3.639 liegt.

Ab dem Frühjahr sollen hier Motorboote anlegen

Mit dem Schleusenumbau soll der direkt am Rathaus gelegene Hafen wieder für kleine Boote von der Weser aus befahrbar werden. Die Bahn machte den einst wichtige Hafen im vergangenen Jahrhundert als Transportweg überflüssig. Seit etwa 1930 wurde er nicht mehr genutzt.

Das soll sich ändern: Bis zum 31. Dezember müssen die Arbeiten nun abgeschlossen sein, damit der Bund mit 5,5 Millionen Euro den Großteil des rund 6,5 Millionen Euro teuren Projekts trägt. "Das werden wir auch schaffen", ist sich Bürgermeister Dittrich sicher. Anfang November soll das Hafenbecken geflutet werden, es laufen Planungen für ein Fest zum Abschluss der Bauarbeiten. Die Inbetriebnahme ist rechtzeitig für den Beginn der Motorbootsaison im Frühjahr 2019 geplant.

Hafenbecken Bad Karlshafen Stand Oktober 2018
Noch liegt das Hafenbecken trocken - Anfang November soll es geflutet werden. Bild © Kim Pflüger

Trend zum Leerstand gebrochen

Schon jetzt seien die Auswirkungen auf die Stadt spürbar, so Dittrich. Seit Beginn der Bauarbeiten im Sommer 2017 hätten die Übernachtungszahlen weiter zugenommen. Der Tiefststand sei 2014 mit 146.237 Übernachtungen erreicht worden. 2017 habe er bereits bei 169.379 gelegen nach 167.692 im Jahr 2016. Die das Bauprojekt begleitenden Veranstaltungen wie Baustellenführungen, Märkten und Theatervorstellungen haben nach seiner Einschätzung viele Besucher und Neugierige angezogen.

Auch der Leerstand in der Barockstadt sei rückläufig. Gerade der Bereich rund um das Hafenbecken sei begehrt, dort seien nun keine Wohnungen mehr zu haben, sagt der Bürgermeister. Auch die Geschäfte kehrten wieder zurück. "Drei neue Geschäfte wurden in diesem Jahr eröffnet, für ein viertes wird gerade umgebaut."

"Es gibt noch ein paar Risiken"

Der neue Hafen, er wirkt. "Wir haben grundsätzlich den richtigen Weg eingeschlagen, aber es gibt mit der allgemeinen finanziellen Lage noch ein paar Risiken", erläutert Dittrich. Die finanziell gebeutelte Stadt war vor einigen Jahren unter den Finanzschutzschirm des Landes geschlüpft.

Sie muss bis 2020 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen, "sonst würde uns eine Zwangsverwaltung drohen", sagt Dittrich. "Das sehe ich aber nicht kommen." Aktuell steht der Haushalt der Stadt mit 350.000 Euro Schulden im Minus. 2019 sollen es noch 150.000 sein um 2020 die Null zu erreichen. "Ich bin zuversichtlich, dass es eine Zukunft für die Stadt gibt."

Das Hafen-Projekt war in Bad Karlshafen umstritten: Bei einem Bürgerentscheid im Jahr 2016 stimmten knapp 51,1 Prozent dafür. Angestoßen wurde es durch ein Bürgerbegehren auf Initiative der lokalen AfD. Sie hatte gegen den Hafenausbau mobil gemacht. Auch der Bund der Steuerzahler hatte das Millionenprojekt kritisiert und in sein Schwarzbuch aufgenommen. Er zweifelte daran, dass das Projekt der Stadt zum Aufschwung verhelfen könnte.

Panorama Bad Karlshafen
Von der Weser aus sollen Boote über die neue Schleuse direkt in den Hafen (rechts im Bild) im Stadtkern fahren können. Bild © Bad Karlshafen GmbH (Archivbild)

Den weiteren Baufortschritt können Sie auf unserer Webcam verfolgen.