Investmentbanker und Vergewaltiger Jeffrey Epstein

Der Investmentbanker Jeffrey Epstein soll jahrelang junge Frauen vergewaltigt haben. Weil die Deutsche Bank für ihn dennoch kriminelle Geschäfte abwickelte, hat die New Yorker Finanzaufsicht das Geldhaus zu 133 Millionen Euro Strafe verdonnert.

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Deutsche-Bank-Hochhaus in Frankfurt
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Die Deutsche Bank kommen ihre Geschäfte mit dem wegen Sexualverbrechen verurteilten US-Unternehmer Jeffrey Epstein teuer zu stehen. Die New Yorker Finanzaufsicht brummte dem örtlichen Ableger des Frankfurter Geldhauses am Dienstag eine Strafe von 150 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 133 Millionen Euro) auf. Das New York State Department of Financial Services warf der Bank erhebliche Versäumnisse in der Kontrolle ihrer Geschäftsbeziehungen zu dem im vergangenen Jahr verstorbenen Epstein vor.

Geld für Vergleiche, Anwälte, russische Models

Konkret hält die Finanzaufsicht der Bank vor, dass sie für Epstein hunderte Transaktionen in Millionenhöhe tätigte, mit denen dieser Mittäter bezahlte sowie Anwaltskosten in Höhe von sechs Millionen Dollar. Sieben Millionen Dollar habe Epstein aufgewandt, um Vergleiche nach weiteren einschlägigen Anzeigen zu finanzieren. Geld sei außerdem "an russische Models, für Schulgebühren von Frauen und an zahlreiche Frauen mit osteuropäischen Nachnamen" geflossen.

Die Behörde kommt zum Schluss: "Obwohl sie von Epsteins schrecklicher krimineller Vorgeschichte wusste, versagte die Deutsche Bank in unverzeihlicher Weise darin, verdächtige Transaktionen aufzudecken oder zu verhindern." So gut wie niemals habe die bankinterne Kontrollabteilung Epsteins Überweisungen hinterfragt.

Selbstmord in Untersuchungshaft

Mitte der 2000er Jahre saß Epstein wegen sexueller Vergehen an einer Minderjährigen mehr als ein Jahr lang im Gefängnis. Damals rettete ihn ein außergerichtlicher Vergleich vor einer deutlich höheren Strafe. Mögliche Mitwisser oder -täter gingen straffrei aus.

Später wurde wieder wegen Vergewaltigung junger Frauen gegen den Investmentbanker ermittelt, der unter anderem eine Boeing 727 und eine Privatinsel in der Karibik besaß. Im vorigen Jahr wurde er festgenommen. Im August 2019 nahm er sich in der Untersuchungshaft das Leben.

Bank gesteht Fehler ein

"Es war ein Fehler, Jeffrey Epstein 2013 als Kunden anzunehmen", teilte die Deutsche Bank am Dienstag mit. Die Bank erkenne die festgestellten Versäumnisse an und habe aus den Fehlern gelernt. Sie habe unmittelbar nach Epsteins Verhaftung die Strafverfolgungsbehörden kontaktiert und volle Unterstützung bei den Ermittlungen angeboten. "Unser Ruf ist unser wertvollstes Gut, und wir bedauern unsere Verbindung zu Epstein zutiefst", sagte ein Sprecher des Geldinstituts.

Die Deutsche Bank kündigte im Juli 2019 eine gründliche Prüfung ihrer Geschäftsbeziehungen zu Epstein an. Sie reagierte auf einen Bericht des Wall Street Journal, wonach sie Epstein mehrere Jahre lang bei der Verwaltung von Millionen von Dollar über Dutzende von Bankkonten hinweg half.

Erste derartige Strafe

Die Deutsche Bank sei nun als erster Finanzkonzern dafür zur Rechenschaft gezogen worden, der Verantwortung des Finanzsystems nicht nachgekommen zu sein, Verbrechen durch die Überprüfung von Kunden vorzubeugen, teilte die New Yorker Finanzaufsicht mit.

Sendung: hr3, 7.7.2020, 19 Uhr