Verbraucherschutzministerin Priska Hinz kündigt Konsequenzen aus dem Wilke-Skandal an.

Nach dem Skandal um Listerien in Produkten des Wurstherstellers Wilke reklamiert Verbraucherschutzministerin Hinz mehr Kompetenzen für ihr Haus. Die Fachaufsicht soll gegenüber den Kommunen das letzte Wort haben.

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Als Konsequenz aus dem Listerien-Skandal beim Wurstwaren-Hersteller Wilke hat Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) stärkere Befugnisse für ihr Ministerium bei der Überwachung der Lebensmittelsicherheit reklamiert.

"Ich kann als Fachaufsicht den örtlichen Veterinärbehörden keine uneingeschränkte Weisung geben, wenn wir im Berichtsweg erfahren, dass etwas im Argen liegt", sagte Hinz am Dienstag im Gespräch mit der hessenschau: "Das muss dringend geändert werden."

Kommunen für Kontrollen zuständig

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien-Keime gefunden worden. Diese können bei einem geschwächten Immunsystem lebensgefährlich sein. Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Waren des Unternehmens aus Twistetal-Berndorf (Waldeck-Frankenberg) in Verbindung gebracht.

Seit 2005 liegt die Lebensmittelaufsicht in Hessen in der Hand der Kommunen. Bis zum Fall Wilke habe die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Veterinärbehörden und der Fachaufsicht in Wiesbaden "gut funktioniert", betonte Hinz. Hinweisen auf die unhygienischen Zustände in den Produktionsstätten von Wilke sei bereits in der Vergangenheit nachgegangen worden.

Doch erst der Bericht der Taskforce Lebensmittelsicherheit des Regierungspräsidiums Darmstadt habe "erstmals das ganze Ausmaß der Mängel in diesem Betrieb gezeigt", erklärte Hinz. Daher sei dieser umgehend der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt worden.

Foodwatch: "Behördliches Totalversagen"

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte den gut 30-seitigen Bericht der Taskforce am Montag veröffentlicht. Er bezieht sich auf eine Betriebskontrolle bei Wilke vom 2. Oktober, einen Tag nach der vom Kreis Waldeck-Frankenberg angeordneten Schließung des Betriebs.

Der Bericht zur Kontrolle listet bauliche und hygienische Mängel auf. Der Betrieb biete "ideale Bedingungen" für die Vermehrung und Verbreitung von Listerien, heißt es. Und: "Der Betrieb im vorgefundenen Zustand bietet keine Gewähr für die Produktion sicherer Lebensmittel." An anderer Stelle ist von "Verwesungsgeruch" in einem Aufzug die Rede, in dem auch Wurst und Fleisch offen transportiert worden seien. Ein Foto zeigt Schimmel an der Decke eines Gewürzlagers.

Foodwatch wirft den hessischen Behörden vor, zu spät eingegriffen haben und "erkennbar mit den falschen Maßnahmen vorgegangen" zu sein, so Geschäftsführer Martin Rücker: "Die Behörden haben sich hier ein Totalversagen geleistet."

Gemeinsam Konsequenzen ziehen

Im hessenschau-Gespräch erklärte Ministerin Hinz, dass sie selbst "auch erschrocken" gewesen sei, als sie Bilder aus der Wilke-Fabrik zum ersten Mal gesehen habe. Ob in der Vergangenheit "genug gemacht" worden sei, werde derzeit von ihrem Ministerium mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg als zuständiger Veterinärbehörde erörtert.

"Und wir werden natürlich auch gemeinsam Konsequenzen ziehen müssen daraus und die Lebensmittelüberwachung in Hessen stärken", so Hinz.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 29.10.2019, 19.30 Uhr