Dunkle Wolken türmen sich hinter einer Werbefahne des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren

Die Landesregierung hat eine Liste der Handelsnamen veröffentlicht, unter denen Wilke-Wurst vertrieben wurde. Das Verbraucherschutzministerium wusste schon länger, dass Ware der Metzgerei mit Bakterien belastet sein könnte.

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Hessenschau vom 07.10.2019
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Das Umwelt- und Verbraucherschutzministerium hat bereits am 12. August 2019 vom Listerien-Verdacht beim Wursthersteller Wilke erfahren. Das berichtete die Verbraucherorganisation Foodwatch am Montagnachmittag unter Berufung auf ein Schreiben des Ministeriums, das sie online stellte.

Daraus geht hervor, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) das Ministerium über eine Datenauswertung des Robert-Koch-Instituts (RKI) informierte, wonach Wurstartikel der Firma Wilke im Verdacht stünden, Listerien zu enthalten.

Kreis acht Tage später informiert, Rückruf sieben Wochen später

Aus der Antwort geht weiter hervor, dass der für die Kontrolle der Firma Wilke zuständige Kreis Waldeck-Frankenberg sowie das Regierungspräsidium Kassel erst acht Tage später darüber informiert wurden. Spätestens am 26. August hätten dem Ministerium Lieferlisten über von Wilke belieferte Händler vorgelegen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ex-Mitarbeiter Fischer: "Die Wurst stand ein Vierteljahr herum"

Aufnahmen aus der Firma Wilke, die Schimmel und Dreck bei der Wurstproduktion zeigen
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Bis zur Stilllegung der Produktion und zum weltweiten Rückruf aller Wilke-Produkte am 2. Oktober vergingen mehr als sieben Wochen, seit das Ministerium vom Listerien-Verdacht erfahren hatte. Inwieweit in diesem Zeitraum Wurstprodukte des nordhessischen Herstellers, die unter konkretem Verdacht einer Listerienbelastung standen, weiter verkauft wurden, geht aus den Angaben des Ministeriums nicht hervor.

Liste der Handelsnamen von Wilke-Wurst

Unter anderem Foodwatch hatte darauf gedrungen, dass der Kreis Waldeck-Frankenberg, das Regierungspräsidium Nordhessen oder das Verbraucherministerium in Wiesbaden eine Liste mit den Marken- und Handelsnamen veröffentlicht, unter denen mit Listerien verseuchte Wurst der Metzgerei Wilke aus Twistetal in den Verkauf gelangte.

Verbraucherministerin Priska Hinz (Grüne) veröffentlichte am Montag diese Liste. Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen seien alle Eigenmarken der Firma Wilke mit dem Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG", ebenso folgende Marken und Handelsnamen, sofern sie das Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG" tragen, betroffen:

  • Haus am Eichfeld
  • Metro Chef
  • Service Bund "Servisa"
  • CASA
  • Pickosta
  • Sander Gourmet
  • Rohloff Manufaktur
  • Schnittpunkt
  • Korbach
  • ARO
  • Findt
  • Domino
  • Wilke
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Viele Waren der Firma seien zudem an Wursttheken in Supermärkten verkauft worden. Das Ministerium bittet Kunden, im Zweifelsfall sicherheitshalber direkt im Markt nachzufragen, ob Wilke-Produkte dort angeboten wurden.

Zwei Menschen waren nach dem Verzehr von Wilke-Wurst gestorben. In der Wurst fanden sich Bakterien, die bei Älteren, Schwangeren und immungeschwächten Menschen zum Tod führen können. Die Firma wurde inzwischen geschlossen und hat Insolvenz angemeldet.

Handelskette schwer nachvollziehbar

Laut Ministerium ist nicht bekannt, in welchen Einzelhandelsketten die Wurstwaren angeboten wurden. Die Firma Wilke habe dem Ministerium zwar bereits am 2. Oktober eine Liste ihrer Kunden vorgelegt. Diese Liste enthalte aber nur direkte Kunden, die die Ware überwiegend weiterverkaufen.

"In welchen Einzelhandelsverkaufsstellen Produkte der Firma Wilke angeboten wurden, ist nach Aussagen der Firma nicht bekannt", heißt es vom Ministerium. Das sei bei Herstellungsbetrieben, die den Großhandel beliefern, keine Besonderheit, da es in der Regel mehrere Vertriebsstufen bis zum Einzelhandel gebe. Am Montagmorgen war bekannt geworden, dass Produkte von Wilke auch in Ikea-Filialen verkauft wurden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ministerium veröffentlicht Liste mit betroffenen Wilke-Produkten

Aufnahmen aus der Firma Wilke, die Schimmel und Dreck bei der Wurstproduktion zeigen
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Ministerin: "Erforderliche Konsequenzen ziehen"

In einer Stellungnahme sagte Hinz, derzeit stellten sich noch viele Fragen, die beantwortet werden müssten, um Wiederholungen zu vermeiden. "Gemeinsam mit der zuständigen Kreisverwaltung, dem Regierungspräsidium Kassel und der Task-Force Lebensmittelsicherheit beim Regierungspräsidium Darmstadt werden wir den vorliegenden Fall analysieren und die erforderlichen Konsequenzen ziehen", versicherte die Ministerin.

Zum Beispiel solle die Fachaufsicht bei der Lebensmittelüberwachung gestärkt werden. Ein entsprechender Gesetzesentwurf sei bereits im Landtag eingebracht worden.

Verwirrung um Liste auf Online-Portal

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Hessenschau vom 07.10.2019
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Auf dem Online-Portal lebensmittelwarnung.de veröffentlichten die Behörden am frühen Montagabend eine Liste mit Hunderten von Produkten mit der fraglichen Kennzeichnung "DE EV 203 EG" - darunter auch wurst- und fleischfreie Produkte wie Weißbrot, passierter Kürbis, Lachs oder passierter Brokkoli. Auch Foodwatch wies auf diesen Widerspruch hin. Das Verbraucherschutzministerium war am Montagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 07.10.2019, 16.45 Uhr