Schneller als Glasfaser-Verlegung mit dem Bagger: Trenching in Weimar

Damit könnte der Breitband-Ausbau in Hessen so richtig in Schwung kommen. "Trenching" heißt die Methode, mit der Glasfaserkabel schnell und günstig verlegt werden können. In Weimar haben Vertreter der Kommunen das neue Verfahren jetzt unter die Lupe genommen.

Es ist höllisch laut in der Rother Straße in Weimar-Wenkbach (Marburg-Biedenkopf). Ein Bauarbeiter sitzt auf einem Trecker-ähnlichen Fahrzeug, an dem hinten eine Fräse befestigt ist. Die schneidet einen Schlitz durch die Asphaltdecke in den Fußweg, 15 cm breit und 40 cm tief. Gleich wird hier ein Hohlrohr verlegt, durch das später Glasfaser geblasen werden können. Dann wird der Schlitz wieder zugemacht - das Ganze eine Sache von Stunden.

In der Medizin würde man wohl von einem minimal-invasiven Eingriff sprechen. Hier spricht man von "Trenching". Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet "Graben" oder "Einschnitt". Das Trenching hat zwei große Vorteile, sagt Dirk Pramann von der Firma WirliebenKabel.de bei der Vorstellung des Verfahrens am Mittwoch in Weimar-Wenkbach.

Fünf- bis achtmal schneller als mit dem Bagger

"Es ist etwa fünf- bis achtmal schneller als herkömmliche Verlegemöglichkeiten, wie etwa mit dem Bagger", erklärt er. Außerdem benötigten die Arbeiten viel weniger Platz und die Beeinträchtigung der Anwohner und des Verkehrs sei deutlich geringer. Wochenlange nervige Baustellen soll es damit nicht geben. Das Unternehmen aus Zeulenroda-Triebes in Thüringen ist spezialisiert auf den Breitbandausbau, arbeitet bundesweit.

Ab einer Strecke von 500 Metern werde getrencht, erklärt Pramann, die Obergrenze liege bei fünf Kilometern an einem Stück. Die ganze Arbeit - Auffräsen, Kabelverlegen, Schlitz wieder zu machen mit einer speziellen Verfüllmasse - sei nach 24 bis 48 Stunden erledigt, verspricht er.

Übertragungsraten bis zu 1 GBit

Rund 50 Vertreter von Kommunen aus Hessen wollten sich das Trenching an diesem Tag einmal ansehen. Unter ihnen auch der Bürgermeister von Weimar/Lahn, Peter Eidam (parteilos). Er möchte so schnell wie möglich das Gewerbegebiet im Ortsteil Wenkbach mit Glasfaseranschlüssen versorgen, dort wird das Trenching-Verfahren aktuell getestet. "Die Glasfasertechnik ist unglaublich wichtig, für alle Kommunen in Deutschland, wir stehen kurz vor 5G", sagt er. Eine normale Baumaßnahme sei immer problematisch. Da sei Trenching eine gute Alternative.

Weimar-Wenkbach ist nicht die einzige Kommune in Hessen, in der das Verfahren getestet wird. Auch in der Glasfaser-Modellkommune Fuldabrück (Kassel) wird es eingesetzt. Dort sollen in den Ortsteilen Dörnhagen und Dennhausen/Dittershausen im Herbst dieses Jahres die ersten Haushalte Übertragungsraten von 1 GBit pro Sekunde genießen können. Die Telekom investiert dort fünf Millionen Euro.

Für das Unternehmen ist die neue Technologie durchaus lukrativ: "Wir nehmen an, dass wir mit Trenching 10-20 Prozent einsparen können", sagt Frank Bothe von der Telekom-Technik-Niederlassung Südwest. Und auch Landrätin Kirsten Fründt (SPD) verspricht sich viel von der neuen Verlegetechnik für den Ausbau der Datenautobahn. Davon profitierten alle Bürgerinnen und Bürger, Schulen und der Wirtschaftsstandort Marburg-Biedenkopf, sagt sie.

Hessen soll bis 2030 flächendeckend mit Glasfaser versorgt sein

Auch im ländlichen Raum spiele die Digitalisierung eine große Rolle, bei der medizinischen Versorgung, der Mobilität, der Telearbeit, erklärt Georg Matzner, Referatsleiter im hessischen Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung. "Dazu brauchen wir solche alternativen Verlegemethoden, die die Tiefbau-Ressourcen schonen", erklärt er.

Bis zum Jahr 2025 soll es in Hessen flächendeckend glasfaserfähige Anschlüsse geben. Bis 2030 sollen dann alle Gebäude mit Glasfaser versorgt werden, mit sogenannten FTTH-Anschlüssen ("Fibre to the home"). Zunächst kämen Schulen, Krankenhäuser oder Gewerbegebiete ans Netz, danach Privathaushalte. Das werde aber noch längere Zeit brauchen.

Sendung: hr4, 03.04.2019, 18.30 Uhr