Streik Verdi
Streikende Azubis, Konfetti-Kanone vor der Frankfurter SPD-Zentrale, die Demo auf dem Weg zur Grünen-Zentrale. Bild © hr

Mehr als 600 Angestellte im Öffentlichen Dienst haben in Frankfurt für sechs Prozent mehr Lohn demonstriert. Sie forderten auch eine Vergütung für alle Auszubildenden. Auf der Suche nach Verbündeten trugen sie den Protest vor die SPD-Zentrale.

Die Gewerkschaft Verdi hat am Freitag zum Warnstreik im Öffentlichen Dienst aufgerufen. Das Klinikum Höchst wird bestreikt, Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Erzieherinnen und Angestellte der Stadt gehen auf die Straße. Sie wollen zunächst auch die örtlichen Parteizentralen von Grünen, SPD und Linken stürmen.

Zum Sturm kommt es dann nicht. Bei den Grünen hieß es schon vorher, am Freitag arbeite dort niemand. Bei der SPD zeigt man sich freundlich und hat Kaffee bereitgestellt. Der Protest ist trotzdem lautstark. Auch Konfetti-Kanonen kommen zum Einsatz.

Wer hat uns verraten? SPD
Der SPD-Parkplatz wird besprüht, an der Orthographie wird noch gefeilt Bild © hr

"Sechs Prozent ist ganz schön viel", ruft eine SPD-Mitarbeiterin vor der Parteizentrale in der Frankfurter Innenstadt durch den Trillerpfeifen-Lärm zur zentralen Forderung der Gewerkschaften für mehr Lohn. Die SPD verstehe aber natürlich den Ärger. Während sie redet, sprühen hinter ihr einige Demonstranten eine alte Parole auf den Parkplatz: "Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!"

Verdi wünscht sich von der SPD Druck auf Arbeitgeber

Von einem symbolischen Protest bei den Parteien spricht Verdi-Gewerkschaftssekretär Andreas Heymann. Man habe gar nicht vor, "Kollegen zu verprügeln". Stattdessen wolle man Verbesserungen im Öffentlichen Dienst im Gesundheitswesen, bei Sozialen Diensten und in der Wohlfahrt auch mit den Parteien erreichen. Sie sollten ihre Einflussmöglichkeiten nutzen und Druck auf die Arbeitgeberseite machen.

Laut Gewerkschaft sind 500 Streikende zur Verdi-Demonstration gekommen. Noch einmal 150 AWO-Mitarbeiter sind auf einer anderen Route unterwegs. Die beiden Züge treffen sich am Ende vorm Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) am Allerheiligentor in der Innenstadt.

Vermutlich weitere Warnstreiks kommende Woche

Den Gewerkschaften geht es um mehr Geld für die 2,3 Millionen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen. Nur: Es stockt bei den Verhandlungen.

Verdi kritisiert, dass die Arbeitgeber kein Angebot vorlegen. Und deswegen könnten die Warnstreiks auch in der kommenden Woche weitergehen. Dann könnte es auch die Parteizentralen von CDU und FDP treffen, sagt Heymann: "Die heben wir uns für den nächsten Streiktag auf."

Die Forderungen von Verdi für den öffentlichen Dienst

  • Sechs Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes des Bundes und der Kommunen, mindestens aber 200 Euro mehr pro Monat.
  • Die Aufnahme in den Tarifvertrag für die Auszubildenden, die bisher nicht dabei sind - etwa Medizinisch-Technische Assistenten, Ergo- und Physiotherapeuten.
  • Die Ausbildungsvergütung soll um 100 Euro im Monat angehoben werden, Auszubildende sollen nach erfolgreicher Ausbildung übernommen werden.

Auszubildende wollen überhaupt mal Geld für ihre Arbeit

Am Freitag sind auf der Demonstration viele Auszubildende des Klinikums Höchst gekommen. Eine Gruppe hat ein Schild dabei, auf dem steht: "MTA-Azubis sind broke", also pleite.

In ihrer Ausbildung zu Medizinisch-Technischen Radiologieassistenten bekämen sie überhaupt keine Vergütung, berichten sie. Sie seien gezwungen, bei den Eltern zu wohnen und von ihnen finanziell unterstützt zu werden. Einer von ihnen bekommt Schüler-Bafög. Das reiche aber vorne und hinten nicht in einer Stadt wie Frankfurt, sagt er.

"Wir haben 40 Stunden Ausbildung in der Woche und müssten noch 40 Stunden arbeiten, um ausreichend Geld zu haben. Das ist unmöglich", sagt einer aus der Gruppe. Mit der Freundin zusammenziehen, eine eigene Wohnung? "Das ist nicht drin, zumindest nicht in den kommenden zweieinhalb Jahren, solange die Ausbildung noch läuft." Ihren Azubikollegen im Labor, in der Ergo- und Physiotherapie gehe es nicht besser. "Jung und gehaltbereit" steht auf dem Schild, das er hochhält.

Notbetrieb im Klinikum Höchst

Eine Sprecherin des Klinikums Höchst sagt zu hessenschau.de, man sei vorab informiert worden über die Warnstreiks. Geplante Operationen seien daraufhin abgesagt worden, die Notfallversorgung werde aufrecht erhalten, auch alle Patienten seien versorgt. Von Verdi heißt es in einer Pressemitteilung, man habe insbesondere in den Kliniken Rücksicht auf die Grippewelle bei Personal und Patienten genommen.

Verdi kündigt unterdessen weitere Aktionen an: In der kommenden Woche werde am Donnerstag in Südhessen gestreikt. In Darmstadt und Rüsselsheim werde es Kundgebungen geben.

Sendung: hr1, 16.03.2018, 16 Uhr