Silhouette eines Menschen vor einem Laptop
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Riesige Datenmengen wie die Panama Papers auswerten? Das schaffen Steuerfahnder nur dank der Hilfe von künstlicher Intelligenz. Spezialisiert auf die Arbeit mit den nimmermüden Computern ist das Finanzamt Kassel.

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hs

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Auf der Jagd nach Steuersündern setzt das Land Hessen auf künstliche Intelligenz (KI). "Sämtliche Ermittlungsbehörden, und im besonderen Maße die Steuerfahndungsstellen der Finanzbehörden, werden in ihrer täglichen Arbeit seit Jahren mit einer zunehmenden Flut von elektronischen Datenmengen konfrontiert", sagt Moritz Josten, Sprecher des Finanzministeriums. Automatische Programme könnten bei der Auswertung helfen. Eingesetzt wird KI vor allem in Nordhessen.

Die Steuerfahndungsstelle im Finanzamt Kassel II wertet mit dem Bundeskriminalamt (BKA) die Panama Papers aus. Die Finanzdokumente einer panamaischen Anwaltskanzlei enthalten Informationen über Geschäfte mit Briefkastenfirmen. Die Panama Papers waren zuerst Journalisten zugespielt und im Frühjahr 2016 veröffentlicht worden. Sie führten auch zu Durchsuchungen bei der Deutschen Bank in der vergangenen Woche.

KI wertet Millionen von Daten aus

Es handelt sich dabei nach Angaben des Finanzministeriums um mehrere Millionen Dateien. KI komme bei der Auswertung erfolgreich zum Einsatz, erklärt Josten. Die enormen Datenmengen ließen eine Sichtung allein durch Ermittler kaum zu. Das Prinzip:

  • Der Computer lernt anhand der Ergebnisse, die durch menschliche Ermittler zustande gekommen sind.
  • Je mehr Treffer und Fehltreffer eingespeist werden, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis der elektronischen Vorsichtung.
  • Zahlenkolonnen, die steuer- und steuerstrafrechtlich relevant sind, werden auf den wesentlichen Kern reduziert.

Duales Studium für KI-Fahnder geplant

KI kommt in Kassel zum Einsatz, weil das Finanzamt II dort zentral für die Bearbeitung digitaler Massendaten zuständig ist. 45 Steuerfahnder und Computerforensiker stehen zur Verfügung. "Wir sind bestrebt, weitere Spezialisten auszubilden und aufzubauen, um den stetig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden", berichtet Josten.

Ausgebildet werden könnten künftige KI-Fahnder ebenfalls in Kassel. Vom Wintersemester 2019/2020 an plant das Land in Kooperation mit der Universität ein duales Studium. Laut Finanzministerium sollen fünf Studienplätze im IT-Bereich entstehen.

Zudem soll in Hessen im Bereich KI geforscht werden, beispielsweise für neue Ermittlungsansätze. Wie viel Geld das Land dafür in die Hand nimmt, bleibt unklar. Auch woher die eingesetzten Programme kommen, verrät das Finanzministerium nicht. "Um die Ermittlungszwecke nicht zu gefährden", erklärt der Ministeriumssprecher.

KI kann schnell Querbezüge in Dokumenten herstellen

"Es geht darum, Steuerfahnder effizienter zu machen", sagt der Darmstädter Professor Kristian Kersting. Er hat untersucht, wie Journalisten mit KI unterstützt werden können, und dabei die Auswertung der Panama Papers verfolgt. "Es gibt sehr gute Fortschritte, durch die Maschinen Texte besser verstehen können", sagt der Informatiker von der Technischen Universität Darmstadt. Aber es gebe keine Maschine, die Texte erfasse und dann jegliche Fragen beantworte: "So weit sind wir noch nicht."

Künstliche Intelligenz könne in einer Datenbank schnell große Datenmengen verarbeiten, dabei Namen identifizieren und so Querbezüge zwischen Dokumenten herstellen. "Wenn zwei Personen oft zusammen genannt werden, zeichnet das System Knoten auf", erklärt Kersting. Selbst unterschiedliche Namensschreibweisen oder den Bezug von Personalpronomen könne KI lernen. Der Computer könne auch Abweichungen in Steuererklärungen erkennen.