Verlängerung des Lockdowns trifft Handel

Der Großteil der Geschäfte bleibt geschlossen. So haben es Bund und Länder mit ihrer Lockdown-Verlängerung beschlossen. Das trifft den hessischen Handel stark.

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Eines der Geschäfte, die Mitte Dezember aufgrund des Lockdowns schließen mussten, ist das Stoffgeschäft Little Heroes aus Wiesbaden. "Wir haben das Nachsehen als kleine Firmen", sagt Inhaberin Ann-Katrin Fischer. Allein im Dezember seien ihre Umsätze um mehr als 50 Prozent eingebrochen. "Zwischen den Jahren ist sonst der Megarenner hier." Für den Januar befürchtet sie Ähnliches oder sogar Schlimmeres.

Der hessische Handel kritisiert die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar. "Mit jedem Tag mehr wird der Lockdown härter, weil sich die wirtschaftlichen Auswirkungen summieren", sagt Robert Lippmann, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK).

Nach Einschätzung des Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) trifft der Lockdown vor allem die Gastronomie- und Veranstaltungsstätten sowie den stationären Einzelhandel. "Wir muten all diesen Bereichen, die weiter geschlossen bleiben, Unfassbares zu", sagte der Minister am Mittwoch.

Insolvenzen werden steigen

Wie stark die coronabedingten Einschränkungen die Hessen treffen, zeigt auch ein Blick auf die Arbeitslosenzahlen. Für das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2020 nannte die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit einen Durchschnittswert von rund 185.000 Arbeitslosen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 23 Prozent. "Wir haben einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit", bestätigt Frank Martin, Geschäftsführer der Direktion. Das Ganze sei durch die staatlichen Programme zunächst abgefedert worden.

Doch für viele Unternehmen werde die Situation mit jedem weiteren Tag des Lockdowns schwieriger. Bis Ende Januar ist die Insolvenzantragspflicht für krisenbelastete Unternehmen noch ausgesetzt. "Ab Februar kann man aber davon ausgehen, dass die Zahl der Insolvenzen auf jeden Fall nach oben geht." Wirtschaftsminister Al-Wazir möchte sich im Bund dafür stark machen, dass die Antragspflicht noch länger ausgesetzt wird.

"Das kann schnell nach hinten losgehen."

Da Inhaberin Ann-Katrin Fischer keine Angestellten hat, konnte sie sich bislang noch aus der eigenen Tasche finanzieren. Doch das wird nicht mehr allzu lange möglich sein. "Das kann ganz schnell nach hinten losgehen", sagt sie. Deshalb plant die Inhaberin, die Corona-Hilfen für Dezember in Anspruch zu nehmen. Doch sie befürchtet, dass sie diese erst spät erhalten wird.

Viele hessische Betriebe klagen, dass die Auszahlungen der Wirtschaftshilfen nur schleppend vorangingen. Sie warten seit Monaten auf ihr Geld. Bisher gibt es nur Abschlagszahlungen. Doch ab dem 11. Januar sollen die Novemberhilfen in Hessen nun fließen. Das stellt das Wirtschaftsministerium auf hr-Anfrage in Aussicht.

Möglichst schnell sollen dann auch die Dezemberhilfen und weitere folgen. "Für die Zeit, die jetzt als Schließung kommt, bemühen sich alle, dass noch im ersten Quartal eine entsprechende Abrechnung erfolgt", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Man versuche die Hilfen so schnell wie möglich, an die Firmen weiterzugeben. Erste Anträge für die Dezemberhilfen seien bereits eingegangen, bestätigte Al-Wazir am Mittwoch.

Schließung: Ja oder Nein?

Eine aktuelle Trendumfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigt, dass knapp zwei Drittel der Innenstadthändler ihre Existenz bedroht sehen. Drei Viertel der Händler geben an, dass die staatlichen Hilfen nicht ausreichten, um eine Insolvenz abzuwenden.

Mit einer Verlängerung des Lockdowns hatte Arno Jung aus Gießen bereits gerechnet. Dennoch ist er frustriert. "Das ist für einen kleinen Laden wie uns extrem bitter", sagt Jung. Er versucht sein Schreibwarengeschäft mit dem Abholservice am Leben zu halten. Außerdem bietet er seinen Kunden die Möglichkeit, Produkte aus dem Schaufenster zu erwerben - sogenanntes Window Shopping.

Doch das ist nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Arno Jung musste seine Angestellten diesen Monat in die Kurzarbeit schicken. Bereits im Frühjahr hatte er sich verschulden müssen. Dennoch sagt er: "Eine Schließung ist keine Option."

Diskussion um Bewegungsradius

Auch die zusätzliche Einschränkung, ein Bewegungsradius in Corona-Hotspots, wird in der Wirtschaft heftig diskutiert. Diese Maßnahme hält der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) für drastisch.

Insgesamt müsse man, auch während eines Lockdowns, sicherstellen, dass sich Personen und Waren im Wirtschaftsverkehr weiterhin frei bewegen können. "Beschäftigte müssen zu ihren Arbeitsstätten gelangen können, genauso wie Dienstleister zu ihren Kunden", sagt Geschäftsführer Robert Lippmann. Alles andere käme einem harten Lockdown für die gesamte Wirtschaft gleich.