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Keine türkischen Hilfsarbeiter für Fraport

Schnell einsetzbare Hilfskräfte aus der Türkei sollten helfen, den Personalmangel an deutschen Flughäfen zu lindern. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport erteilt dem Projekt nach intensiver Prüfung nun eine Absage.

Anfang Juli hatte die Bundesregierung den Weg erleichtert. Angesichts des Flug- und Abfertigungschaos an deutschen Flughäfen sollten Aushilfskräfte aus der Türkei beschleunigt angeworben werden können. Nun teilte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport auf hr-Nachfrage mit: Beschäftigte aus der Türkei werden nicht eingestellt - "auch zu unserer Enttäuschung". Zuerst hatte die Frankfurter Rundschau darüber berichtet.

Aufwand und Nutzen in "keinem sinnvollen Verhältnis"

Fraport habe die Initiative der Politik für türkische Hilfskräfte begrüßt und suche weiterhin noch mehrere hundert neue Beschäftigte. Doch hänge das Engagement des Flughafenbetreibers in dieser Angelegenheit "maßgeblich von den vorliegenden Qualifikationen" der Hilfsarbeiter ab. "Intensive Gespräche mit den türkischen Personaldienstleistern und detaillierte Prüfungen zugesendeter Personalunterlagen haben gezeigt, dass das tatsächliche Qualifikationsniveau vielfach deutlich unter unseren geforderten Minimalanforderungen liegt", sagte ein Fraport-Sprecher.

Defizite gebe es demnach vor allem bei der Flughafen-Erfahrung und den Deutschkenntnissen. "Mit Blick auf den befristeten Einsatz dieser Beschäftigten stehen der Aufwand für umfangreiche Schulungen und Deutschkurse und dem Nutzen hier leider in keinem sinnvollen Verhältnis", sagte der Sprecher weiter. Stattdessen setze man die eigenen Bemühungen auch im europäischen Ausland fort. Im bisherigen Jahr seien mehr als 1.000 Menschen neu eingestellt worden.

Aktuell stabiler Betrieb am Flughafen

Am Frankfurter Flughafen herrsche mittlerweile wieder ein "stabil geordneter Betrieb", so der Fraport-Sprecher. Die im Frühsommer gestapelten Berge aus liegen gebliebenem Gepäck seien so gut wie abgebaut, nur vereinzelte Koffer würden noch nachversendet. In Spitzenzeiten könne es dennoch zu den in Sommerferien üblichen Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen kommen. "Reisende werden gebeten, zweieinhalb Stunden vor Abflug im Terminal zu sein."

Mitte Juni hatte Fraport wegen der Personalengpässe sogar Mitarbeiter aus der Verwaltung bis hin zum Vorstand bei der Abfertigung eingesetzt. Insgesamt waren tausende Flüge gestrichen worden, weil von der Passagierkontrolle über die Flugzeugabfertigung bis hin zu den Flugbegleitern Leute fehlten, die sich zum Teil in der Corona-Pandemie andere Jobs gesucht haben. Die Flughafenbetriebsräte schätzten den nun nötigen Gesamtbedarf daher auf 5.500 Mitarbeitende bundesweit.

Datenanalyse zu Flugverspätungen

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