Lange Zeit kam ein Großteil der in Deutschland verwendeten Dönerspieße aus dem Werk von Karmez

Die Frankfurter Karmez GmbH war lange einer der größten Produzenten von Döner-Spießen in Europa. Doch Anfang Mai ging der einstige Marktführer in die Insolvenz. Nun will ein Investor die Produktion fortführen.

Die Geschichte des Frankfurter Unternehmens Karmez liest sich beinahe wie ein Drehbuchentwurf für eine Netflix-Serie. Anfang der 80er verkauft eine Frankfurter Familie mit türkischen Wurzeln ihren Mercedes. Der Erlös dient sieben Brüdern als Startkapital für die Selbständigkeit. Aus dem kleinen Betrieb wird mit den Jahren ein Marktführer - dank einer genialen Geschäftsidee: Industriell gefertigte Dönerspieße. Die Karmez-Fabrik im Frankfurter Stadtteil Riederwald versorgt tausende Imbisse in Deutschland und darüber hinaus.

Investor übernimmt 62 Mitarbeiter

Eine Erfolgsgeschichte mit Migrationshintergrund. Die allerdings hätte unlängst beinahe ein jähes Ende genommen. Am 1. Mai wurde das Insolvenzverfahren über der Karmez Dönerfabrik GmbH eröffnet. Laut FAZ wurde allen der mehr als 100 Mitarbeitern gekündigt. Das Aus nach 36 Jahren, so schien es. Doch nun scheint eine Lösung für die angeschlagene Döner-Fabrik gefunden zu sein.

Wie der Insolvenzverwalter Stephan Laubereau mitteilte, hat sich ein Investor gefunden. Dabei soll es sich laut Laubereau um den saarländischen Unternehmer Faruk Sahin handeln. Bereits zum 18. Mai sei der Geschäftsbetrieb auf die neugegründete Karmez Döner & Food GmbH übergegangen. Die Produktion solle am Standort Frankfurt-Riederwald fotgeführt werden. 62 Mitarbeiter würden übernommen. "Mit unserem Konzept können wir einen Großteil der Arbeitsplätze erhalten und wollen in Zukunft profitabel wirtschaften", erklärte Sahin.

Zwei Mitarbeiter in der Dönerfabrik von Karmez in Frankfurt bearbeiten einen kleinen und einen großen Dönerspieß

Sahin hat den Geschäftsbetrieb im Rahmen einer übertragenden Sanierung übernommen. Dabei haben Investoren die Möglichkeit, profitable Teile aus dem insolventen Unternehmen zu lösen und zu übernehmen. Über den Kaufpreis vereinbarten Insolvenzverwaltung und Käufer stillschweigen.

Konkurrenz setzte dem Marktführer zu

Begonnen hatte die Karmez Dönerfabrik als einfacher Zerlegebetrieb in unmittelbarer Nachbarschaft zur Frankfurter Großmarkthalle. Später kam den Gründern der Idee, die bis dahin von den Imbiss-Besitzern meist selbst in Handarbeit hergestellten Dönerspieße industriell zu fertigen.

Das Geschäft florierte. Karmez wurde zu einem der führenden Produzenten in Europa. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs beschäftigte die Karmez-Group eigenen Angaben zufolge europaweit rund 500 Mitarbeiter, unterhielt Niederlassungen in Paris, Antwerpen, Mailand und Izmir und erzielte einen Jahresumsatz von mehr als 25 Millionen Euro.

In den letzten Jahren allerdings sah sich der Markt-Primus immer stärkerer Konkurrenz ausgesetzt. Inzwischen versorgen allein in Deutschland rund 400 Dönerfabriken die geschätzt etwa 20.000 Dönerbuden im Land mit Dönerspießen.