Demo Kirtorf

Der Protest gegen den Ausbau der A49 geht weiter: Umweltschützer haben am Freitag in Kirtorf mit Traktoren gegen die geplante Rodung von rund 85 Hektar Wald demonstriert.

Mehr als 150 Naturschützer gingen am Freitag erneut auf die Straße, um für den Erhalt des Gleentals und gegen eine ihrer Ansicht nach "sinnlose Naturzerstörung" zu kämpfen. Der Demonstrationszug startete in Kirtorf-Lehrbach (Vogelsberg) und führte mit Traktoren und Fahrrädern über die B62 entlang der geplanten Autobahntrasse zur Kirschbrücke bei Stadtallendorf-Niederklein (Marburg-Biedenkopf).

Die Schutzgemeinschaft Gleental, die die Demo organisiert hat, fordert einen sofortigen Rodungsstopp im Herrenwald und dem Danneröder Forst sowie eine Umplanung der A49. Beginnen soll die Rodung im Oktober.

Offener Brief an Minister Al-Wazir

"In Zeiten, in denen junge Leute rund um den Globus für das Klima auf die Straße gehen und klimaschützende Entscheidungen der Politik dringend gefragt sind, ist ein solches Vorhaben schlicht unverantwortlich," sagte Christoph Schulze-Gockel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft. Mit einem offenen Brief an Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bekräftigte das Bündnis seine Forderungen.

Für den Ausbau der A49 sollen 85 Hektar Wald gerodet werden. Zudem befürchten die Naturschützer so genannte Randschäden - durch eine Austrocknung des Waldbodens und durch Windwurf. Insgesamt könnte die Rodung eine Waldfläche von mehr als 110 Hektar betreffen.

Hessen Mobil will Lückenschluss erreichen

Bei den kritisierten Ausbau-Plänen geht es um die beiden A49-Abschnitte zwischen Schwalmstadt und Stadtallendorf sowie zwischen Stadtallendorf und Gemünden/Felda. Nach Angaben der Straßenbehörde Hessen Mobil soll die A49 eine Verbindung zwischen Kassel und Gießen sicherstellen. Damit können andere Autobahnen sowie die Ortsdurchfahrten entlastet werden. Anschließen soll die A49 dann an die bestehende A5.

Weitere Informationen

Geplanter Neubau der A49

Der Neubau der A49 zwischen Neuental und Gemünden/Felda umfasst drei Abschnitte. Insgesamt ist die Verbindung rund 43 Kilometer lang.

  • Neuental/Bischhausen bis Schwalmstadt/Treysa: im Bau
  • Schwalmstadt bis Stadtallendorf: in Planung
  • Stadtallendorf bis Gemünden/Felda: in Planung
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Die Schutzgemeinschaft verlangte bereits von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) eine sofortige Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses von 2012 für die beiden oben genannten Abschnitte der A49. Dieser habe ihrer Ansicht nach bereits bei seinem Erlass gegen geltendes EU-Recht verstoßen.

Naturschützer sehen Trinkwasser in Gefahr

Es ist nicht nur die drohende Naturzerstörung im Gleental, die das Bündnis umtreibt. Die Schutzgemeinschaft sieht außerdem durch den Ausbau der A49 auch erhebliche Gefahren für das Trinkwasser. Im Gleental liege eine Brunnenkette, die bis in den Großraum Frankfurt Trinkwasser liefere.

"Angesichts der konstant sinkenden Grundwasserpegel in den letzten beiden Jahren stellt der Ausbau der A49 ein zusätzliches Risiko für die Trinkwasserversorgung dar", so Schulze-Gockel.

Die Naturschutzorganisation schlägt eine Alternative für den Trassenverlauf der A49 vor: Danach könnte Stadtallendorf über die ohnehin schon dreispurige B62 mit Marburg verbunden und an die A485 nach Gießen angeschlossen werden.

Bereits im Juni hatte die Schutzgemeinschaft und weitere Initiativen gegen den Weiterbau der A49 demonstriert. Sie prüft auch rechtliche Schritte.

BUND und NABU scheiterten mit Klage

Über den Ausbau der A49 wird schon seit Jahren gestritten. Die Umweltorganisationen BUND und NABU waren 2014 mit ihrer Klage gegen den Weiterbau des A49-Abschnittes von Stadtallendorf bis Gemünden/Felda vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gescheitert.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 23.08.2019,16.45 Uhr