Neckermann-Areal in Frankfurt

Daten statt Pakete: Das denkmalgeschützte Neckermann-Gebäude in Frankfurt wird bis 2028 in einen IT-Standort verwandelt. Versandhandel soll trotzdem noch zum Geschäft gehören.

Videobeitrag

Video

zum Video IT-Unternehmen zieht auf Neckermann-Areal

hs300720
Ende des Videobeitrags

Der frühere Neckermann-Hauptsitz im Frankfurter Osten wird zu einem großen IT-Standort umgebaut. Das federführende Unternehmen Interxion Deutschland und die Stadt Frankfurt präsentierten am Donnerstag entsprechende Pläne. Auf einem Großteil des Areals werden demnach ab dem ersten Quartal 2021 mehrere Rechenzentren entstehen.

Investiert werde mehr als eine Milliarde Euro, sagte der Geschäftsführer von Interxion Deutschland, Jens Prautzsch. Das Unternehmen betreibt in Frankfurt bereits 15 Rechenzentren und beherbergt dort den weltweit größten Internetknoten.

Star-Architekt entwarf Neckermann-Hauptgebäude

Umgebaut werden soll auch das unter Denkmalschutz stehende frühere Neckermann-Hauptgebäude. Es wurde vom Architekten Egon Eiermann entworfen, einem der bedeutendsten Architekten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach der Neckermann-Insolvenz im Jahr 2012 gab es Probleme mit Leerstand, zwischenzeitlich diente der Bau als Flüchtlingsunterkunft.

In dem langen Gebäuderiegel mit niedrigen Stockwerken sollen ebenfalls IT-Kapazität erstehen, wie Prautzsch erläuterte. Bestehen bleiben soll die Fassade mit mehr als 1.000 Fenstern und ein Teil des Innenlebens, etwa die Kantine. Das Eiermann-Gebäude soll ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres umgebaut werden.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So verändert sich das ehemalige Neckermann-Areal in Frankfurt

Visualisierung des Umbaus
Ende des Audiobeitrags

Umbauarbeiten bis 2028

Erste Flächen für Kunden will Interxion ein Jahr später bereitstellen. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten rechnet das Unternehmen 2028. Die Rechenzentren sollen zudem klimafreundlicher werden, beispielsweise indem die von den technischen Geräten abstrahlende Wärme zum Heizen genutzt werde. Eventuell solle auch die Fassade begrünt werden, hieß es am Donnerstag seitens der Stadt.

Wie viele Rechenzentren genau entstehen, hänge von der Nachfrage ab, sagte Prautzsch. In nur einem Kilometer Entfernung liegt der bisherige Interxion-Hauptsitz in Frankfurt. Das Unternehmen will rund 100 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Online-Versandhändler als Kunden im Rechenzentrum

Neckermann sei früher ein Aushängeschild im Bereich des Handels gewesen, sagte Prautzsch. Derzeit gebe es bereits Anfragen für das neue Areal von Kunden, die aus der gleichen Branche stammten - ihr Geld erwirtschaften die Versandhändler allerdings online.

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sprach von einem echten Glücksfall nach langem Stillstand. Das bau- und kunsthistorisch bedeutende ehemalige Neckermann-Hauptgebäude werde umgenutzt - es entstehe "der erste denkmalgeschützte Supercomputer der Welt". Die Pläne seien in Frankfurt bisher einmalig.

Frankfurt als Internethauptstadt

"Damit stärken wir den Internetknoten Frankfurt am Main und den Status als deutsche Internethauptstadt", erklärte Josef. Mehr als 15 Prozent der Unternehmen in Frankfurt seien inzwischen Betreiber solcher Zentren. Der weltweiten Datenverkehr werde zwischen 2017 und 2025 um rund das Fünffache wachsen, erklärte Interxion.

Sendung: hr-iNFO, 30.07.2020, 17 Uhr; hr-fernsehen, hessenschau, 30.07.2020, 19.30 Uhr