Neckermann Frankfurt
Die Zentrale des Versandhandels Neckermann in Frankfurt. (Archivfoto) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Kein erfolgreicher Tag für den Neckermann-Insolvenzverwalter: Mit seiner Forderung nach 19,8 Millionen Euro von der früheren Konzernführung drang er zum Prozessauftakt vor dem Frankfurter Landgericht nicht durch.

Videobeitrag
hsk

Video

zum Video Neckermann macht's möglich?

Ende des Videobeitrags

Fast sieben Jahre ist die Neckermann-Pleite her. Am Dienstag hat nun vor dem Landgericht Frankfurt der Prozess darum begonnen - mit einem Dämpfer für Insolvenzverwalter Michael Frege. Rund 19,8 Millionen Euro fordert dieser von den Managern und den zwölf Aufsichtsräten des traditionsreichen Versandhändlers zurück.

Nach Auffassung von Frege wartete im Frühjahr 2012 die damalige Geschäftsführung um Henning Koopmann zu lange mit dem Insolvenzantrag. Neckermann habe damals unnötig noch viel Geld ausgegeben, als es längst hätte die Notbremse ziehen müssen. Den Aufsichtsratsmitgliedern, unter ihnen auch Arbeitnehmervertreter, wirft der Kläger vor, ihre Überwachungspflichten verletzt zu haben.

Das Gericht sieht diese Forderung kritisch, wie es Frege am Dienstag klar zu verstehen gab: Unter anderem sei unklar, zu welchem Zeitpunkt die Pleite eindeutig erkennbar gewesen war.

Wann war die Pleite absehbar?

Der Insolvenzverwalter nennt dafür den 23. Mai 2012. Der Neckermann-Eigentümer Sun Capital und die Gewerkschaft Verdi hatten sich an diesem Tag nicht auf ein Konzept zur Fortführung des Unternehmens einigen können. Der Investor lehnte ein Verdi-Konzept ab und stellte seinerseits Bedingungen für eine weitere Finanzspritze von rund 25 Millionen Euro. Darin war unter anderem ein "Null-Sozialplan" enthalten, in dessen Folge rund 1.400 Beschäftigte ohne Abfindungen entlassen werden sollten. Dies sei zuvor noch nie da gewesen und für Verdi nicht annehmbar gewesen, meinte der Anwalt des Insolvenzverwalters.

Richter Lars Iffländer machte dem Kläger zum Prozessauftakt keine großen Hoffnungen.
Richter Lars Iffländer machte dem Kläger zum Prozessauftakt keine großen Hoffnungen. Bild © picture-alliance/dpa

Der Vorsitzende Richter Lars Iffländer hingegen nannte weitere Güteverhandlungen mit Verdi und andere Sanierungsbemühungen als Indizien, dass noch Hoffnung für Neckermann bestanden habe. Der Insolvenzantrag wurde schließlich am 18. Juli 2012 eingereicht.

Insolvenzverwalter Frege kritisierte nach der Verhandlung die gerichtlichen Hinweise. Das Gericht habe nicht genügend berücksichtigt, dass bei einer positiven Fortführungsprognose fundierte betriebswirtschaftliche Berechnungen über mehr als ein Jahr nötig seien, um die Überlebenschancen eines Betriebs zu beurteilen. Letzte verzweifelte Verhandlungen seien typisch in solchen Situationen.

Nächster Verhandlungstermin am 3. September

Das Gericht fällte zunächst keine Entscheidung und regte erneut einen Vergleich an. Am 3. September soll weiter verhandelt werden. Die klagende Kanzlei CMS soll darüber hinaus die angeblich unberechtigten Zahlungen genauer aufstellen.

Vom einstigen Versandriesen ist nicht viel übrig

Der frühere Versandriese existiert inzwischen nur noch als Portal neckermann.de des einstigen Konkurrenten Otto. Das Frankfurter Logistikzentrum wurde an Investoren veräußert. Nur wenige der mehr als 2.000 Neckermann-Beschäftigten wurden übernommen. Zum Stand des Insolvenzverfahrens mit rund 45.000 Gläubigern machte die Kanzlei CMS mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine Angaben.