Privatkunden der Nassauischen Sparkasse in Frankfurt müssen seit Montag Negativzinsen für hohe Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten zahlen. Ähnliches plant die Frankfurter Sparkasse. Kritik kommt von der Verbraucherzentrale.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Negativzinsen für Reiche - manche finden das okay.

Verzerrtes Logo der Naspa
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Die Nassauische Sparkasse (Naspa) in Frankfurt verlangt seit Montag von Privatkunden Negativzinsen, wenn auch vorerst nur für sehr vermögende. "Ein Verwahrentgelt von 0,4 Prozent erheben wir seit 1. Juli bei Privatkunden für Guthaben ab 500.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten", teilte die Bank mit.

Heißt konkret: Bei einem Guthaben von 500.000 Euro behält die Bank 2.000 Euro ein. Laut Naspa sind von den insgesamt 420.000 Kunden einige hundert betroffen. Denen biete man alternative Geldanlagen an, um das Verwahrentgelt zu vermeiden.

Auch Frankfurter Sparkasse plant Negativzinsen

Die Naspa ist eine der ersten Banken in Hessen, die bei ihren Privatkunden zu solch einer Maßnahme greift. Sie zählt zu den größten Sparkassen Deutschlands - wie die Frankfurter Sparkasse.

Auch sie gab auf hr-Anfrage an, dass sie solche Strafzinsen schrittweise auf vermögende Privatkunden ausweite. Für Firmenkunden verlangt sie sie bereits.

"Keine Insel der Glückseligen"

Die Sparkasse sei keine Insel der Glückseligen, hieß es in einer Stellungnahme. Es könne auch nicht Aufgabe der Kreditinstitute sein, auf unbestimmte Dauer die Kunden vor den Auswirkungen der Niedrigzinsphase abzuschirmen.

Durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sehen sich auch die Banken belastet. Seit fünf Jahren schon müssen Europas Banken der EZB Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld über Nacht bei ihr horten wollen. Über die Jahre wurden Milliardenbeträge fällig.

Kritik der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentrale Hessen sieht es kritisch, dass die ersten hessischen Geldhäuser versuchen, ihre Ausgaben an die Kunden weiterzugeben. Bankenexpertin Eva Raabe sagte, damit würden die Grundregeln unserer Finanzwelt über den Haufen geworfen:

"Denn wenn ich in der Vergangenheit bei der Bank einen Kredit aufgenommen habe, habe ich der Bank Zinsen gezahlt und umgekehrt Zinsen bekommen, wenn ich dort mein Geld angelegt habe." Dass das jetzt nicht mehr gelte, sei auch rechtlich sehr fraglich.  

Es gab zu Negativzinsen schon diverse Gerichtsurteile, die zeigen: Grundsätzlich sind sie möglich, aber in engen Grenzen. Wenn Geldhäuser sie einführen wollen, können sie dafür nicht einfach bereits bestehende Verträge abändern. Das Thema hat großes Potenzial, vor dem Bundesgerichtshof zu landen.