Das Foto zeigt einen runden Aufkleber an einer Tür mit dem Hinweis "Bitte Abstand halten". Auf dem Foto wurde der Aufkleber illustrativ durchgestrichen.

Die neuen Corona-Regeln für die Gastronomie sehen keine Abstandsregeln mehr vor. Für viele kommt das überraschend - selbst für den Branchenverband Dehoga. Die Freude sei groß, sagt Hauptgeschäftsführer Wagner.

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Corona-Maßnahmen weiter gelockert

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Die für die Gastronomie so einschneidende Abstandsregel ist in den neuen, seit Freitag in Hessen geltenden Corona-Bestimmungen aufgehoben. Das bedeutet: In Lokalen, Kneipen und auch Hotels dürfen wieder beliebig viele Gäste bewirtet werden. Die Maßgabe, dass zwischen den Tischen Abstände von 1,5 Meter einzuhalten sind, ist in dem neuen Regelwerk nicht mehr zu finden.

Selbst für den Branchenverband Dehoga kamen die Informationen aus den Ministerien in Wiesbaden unerwartet. Hessens Dehoga-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner sagte dem hr am Freitag: Er habe die Bestätigung erst auf Nachfrage erhalten. Sie stehe unter ferner liefen in den Auslegungshinweisen. Ein Sprecher des Sozialministerium bestätigte dem hr: Die Abstandsregel ab sofort sei nicht mehr vorgesehen.

Dehoga-Kritik: "Keine kommunikative Glanzleistung der Landesregierung"

Unklar ist, warum diese Regeländerungen den Dehoga und die Gastronomen nicht früher erreichte. In einer am Donnerstag online gestellten Mitteilung der Landesregierung fehlte diese Regeländerung jedenfalls auch am Freitagvormittag noch.

Dehoga-Hauptgeschäftsführer Wagner sagte: "Das war keine kommunikative Glanzleistung der hessischen Landesregierung." Er habe sich dreimal die Augen reiben müssen, als er den Passus in den neuen Bestimmungen erblickt habe. Denn die Abstandsthematik sei von zentraler Bedeutung. Schließlich reguliere sie, wie viel Gäste bewirtet werden dürfen - und somit, wie viel Umsatz gemacht werden könne.

"Das ist die größte Lockerung in der Corona-Pandemie"

Der Branchenverband sei wochenlang davon ausgegangen, dass die Abstandsregel frühestens bei der dritten Lockerungsstufe der Corona-Regeln am 20. März wegfallen könnte. Die Freude über die Regel-Anpassung sei nun aber "riesengroß", sagte Wagner. "Wir sind über das Ergebnis absolut glücklich. Das ist die größte Lockerung in der Corona-Pandemie."

Julius Wagner Dehoga Hessen

Die Gastronomen hatten sich zuletzt vehement über die Abstandsregel beklagt. Sie hätten dadurch Umsatz-Einbußen von rund einem Drittel. Diese Einbußen würden auch nicht durch Wirtschaftshilfen vom Staat kompensiert, kommentierte der Dehoga.

Die Abstandsregel besagt neben der Distanz von mindestens 1,50 Meter zwischen den Tischen, dass auch nur zehn Gäste pro Tisch Platz nehmen dürfen. Früher wurde die Kapazität noch nach der Lokalgröße berechnet. Da hieß es noch: pro fünf Quadratmeter ein Gast. Doch zuletzt war der 1,50-Meter-Abstand maßgebend.

Schuldzuweisungen um Regel-Wirrwarr

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Neue Corona-Regeln in der Gastronomie: 3G und Wegfall des Abstandsgebots

Das Foto zeigt einen runden Aufkleber an einer Tür mit dem Hinweis "Bitte Abstand halten". Auf dem Foto wurde der Aufkleber illustrativ durchgestrichen.
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Angesichts der großen Bedeutung für Gastgeber und Gäste verwunderte es am Freitag, dass die Regeländerung zuvor nicht klarer von Seiten des Landes mitgeteilt wurde. Das Sozialministerium erklärte, dass es Hinweise dazu bereits in der Corona-Verordnung vom 21. Februar gegeben habe. Doch dies wollte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Wagner nicht gelten lassen: "Es mag vielleicht in einem verklausulierten, juristischen Sinne enthalten gewesen sein, aber mit einer öffentlichkeitswirksamen Bekanntmachung hat das nicht zu tun."

Wagner befand: "Ich sehe die Landesregierung in der Pflicht, die konkreten Folgen ihrer Verordnungen deutlich zu machen, damit sie auch von den Menschen verstanden werden." Als er dazu am Donnerstag Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums befragt habe, hätte diese sich zur Abstandsregel selbst noch vergewissern müssen. Erst durch die Auslegungshinweise vom 3. März sei Klarheit geschaffen worden.

Die entfallene Abstandsregel sorgt für große Erleichterung bei den Gastwirten in Hessen. Der Inhaber des Posthotels und Restaurants Johannesberg in Lauterbach (Vogelsberg), Rainer Dietz, sagte dem hr: "Der Wegfall der Abstandsregel ist ein großes Plus und ein Schritt in die richtige Richtung. Nun können wir die Kapaziäten wieder voll ausschöpfen und uns von den schlechten Umsatzzahlen erholen, die wegen der Abstandsregel entstanden sind."

Koch und Inhaber des Posthotels und Restaurants Johannesberg in Lauterbach

Maskenpflicht bleibt erhalten

Ob Abstand oder nicht - wie vor der Pandemie wird's in der Gastronomie trotzdem noch nicht: Zu beachten ist die seit Freitag geltende 3G-Regel. Nur Geimpfte, Genesene oder Getestete werden drinnen wie draußen bedient. Auch bleibt es dabei, dass Hygieneschutz-Konzepte angewendet werden müssen. Und die Maskenpflicht bleibt ebenfalls in Innenräumen erhalten; für das Personal und die Gäste, bis sie ihre Plätze eingenommen haben. Draußen gilt keine Maskenpflicht.

Die Gastronomie-Branche ist arg gebeutelt durch die Corona-Pandemie. Nach neuesten Zahlen sind die Geschäftseinbußen massiv: Im Jahr 2021 habe die Branche in Hessen 40 Prozent weniger Umsatz gemacht im Vergleich zum Niveau vor der Pandemie. Fast 64 Prozent der Unternehmer sehen ihre Betriebe in ihrer Existenz bedroht - und das mit wachsender Tendenz, wie der Dehoga in einer jüngsten Umfrage von seinen Mitgliedern erfuhr.

Weitere Informationen

Neue Corona-Regeln im Überblick

Die zweite Stufe der gelockerten Corona-Regeln bringt seit dem 4. März Veränderungen:

  • Die 3G-Regel (genesen, geimpft oder negativ getestet) gilt in der Gastronomie (auch im Außenbereich), in Hotels, Sporthallen, Fitnessstudios, Hallenbädern, Saunen, Innenräumen von Zoos, Museen und botanischen Gärten sowie in Spielbanken, Spielhallen, Galerien, Gedenkstätten und bei allen körpernahen Dienstleistungen (wie etwa Kosmetik oder Friseur).
  • Die 2G-plus-Regel (genesen oder geimpft samt Negativtest oder geboostert) gilt in Diskotheken und Clubs. Zuvor war dort nur Barbetrieb erlaubt.
  • Bei Veranstaltungen werden wieder mehr Zuschauer zugelassen. Es gelten aber weiterhin unterschiedliche Vorgaben - je nachdem, ob sie unter freiem Himmel oder in Hallen stattfinden. Die Details stehen hier.
  • Auch in den Schulen tut sich was: Die Maskenpflicht am Sitzplatz entfällt ab Montag (7. März).
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