Smart-Tan Gerät

Sicherer und besser? Wer Online-Banking nutzt, muss sich auf einige Änderungen einstellen, die Bankgeschäfte im Netz sicherer machen sollen. An mancher Stelle wird die Sicherheit aber reduziert - was manche Kunden verwirrt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bald gelten neue Regeln im Online-Banking

Bankkunde Holger Döhring sitzt vor seinem Computer.
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Die sogenannte Transaktionsnummer, kurz TAN, ist seit jeher ein wesentliches Element, um die Sicherheit beim Online-Banking zu gewährleisten. Bankkunden können damit Zahlungsaufträge freigeben. Viele Jahre lang war es Standard, dass Verbraucher die Nummern auf Papier ausgedruckt in einer Schublade liegen hatten.

Solche Papierlisten sind künftig nicht mehr erlaubt, sie gelten als zu unsicher. So will es eine neue, europäische Richtlinie, die ab dem 14. September 2019 angewendet wird. Die Nummern müssen sich Kunden dann anderweitig besorgen, auch bei der Volksbank Darmstadt. Vorstandssprecher Michael Mahr erklärt: "Die Kunden können die Tan über einen Tan-Generator erzeugen ober mit Hilfe einer App auf dem Smartphone."

Bei kleinen Beträgen: Sicherheit versus Bequemlichkeit

Auf Sicherheit legt auch der Darmstädter Bankkunde Holger Döhring großen Wert. Umso größer war die Überraschung, als er jüngst feststellte, dass seine Hausbank, die Volksbank Darmstadt, von ihm beim Online-Banking auf einmal gar keine TAN mehr wollte: "Ich dachte, ich bin vielleicht auf einer Webseite von Betrügern gelandet, und habe meinen Rechner sofort heruntergefahren."

Völlig verunsichert kontaktierte Döhring die Bank. In einem Antwortschreiben hieß es: "Mit den TAN-losen Überweisungen werden wir der Nachfrage nach schnellem und unkompliziertem Zahlungsverkehr gerecht." Überweisen Kunden bis zu 30 Euro, brauchen sie demnach seit Mai gar keine Tan mehr. So handhaben es die Volksbank Darmstadt, die Rüsselsheimer Volksbank oder auch die Volksbank Kassel Göttingen. Ähnliche Regelungen gibt es bei bestimmten Angeboten von hessischen Sparkassen.

Frust über zu wenig Kommunikation

Während die Geldhäuser beim Online-Banking generell höhere Sicherheitsstandards einführen, haben sie diese also bei Kleinstbeträgen gelockert. Und solche Ausnahmen sind in der europäischen Richtlinie auch vorgesehen. Das Problem ist für Döhring und andere Bankkunden vielmehr, dass sie davon nichts mitbekommen haben. "Niemand hat mich um Erlaubnis gefragt, ich wäre gerne vorher informiert worden", so Döhring.

Das hat die Volksbank Darmstadt nach eigenen Angaben getan. Sie habe die Umstellung per E-Mail angekündigt. Das Online-Banking sei auch nicht riskanter geworden, meint Vorstandssprecher Mahr: "Denn um Geld zu überweisen, müssen sich Kunden vorher mit ihrer Kontonummer und PIN beim Online-Banking anmelden."

Im Betrugsfall hafte außerdem nicht der Kunde, sondern die Bank. Wer wie der Bankkunde Döhring trotzdem ein ungutes Gefühl hat, hat allerdings Pech. Denn selbst wenn sie wollen, dürfen Volksbankkunden bei solchen Kleinstbeträgen vorerst keine TAN eingeben. Die Wahl haben sie erst wieder in einem Monat, wenn die neue europäische Richtlinie in Kraft tritt. Solange will Döhring nach eignen Angaben auf das Online-Banking verzichten.

Sendung: hr-iNFO, 14.08.2019, 12:06 Uhr