Deutsche Bank in Frankfurt

Bodenständig, pflichtbewusst und nachhaltig: So gibt sich neuerdings die Deutsche Bank und will damit all die schlechten Nachrichten der Vergangenheit vergessen machen. Gelingen ihr ausgerechnet im Corona-Jahr schwarze Zahlen?

Fünf Jahre in Folge hat die Deutsche Bank Verluste geschrieben, doch ausgerechnet für das Corona-Jahr 2020 sieht es für das Geldhaus gut aus. Die Zahlen legt die Bank bei ihrer Bilanz-Pressekonferenz am Donnerstag vor. Wie konnte ihr der Wandel vom Bad Guy zum (beinahe)-Musterknaben gelingen?

Unter ihrem Chef Christian Sewing will die Deutsche Bank zurück zu ihren Wurzeln und besinnt sich auf ihren Heimatmarkt. Passend dazu hat die Bank im letzten Jahr ihre Partnerschaft mit der Frankfurter Eintracht ausgebaut und deren Stadion einen neuen Namen verliehen: "Deutsche Bank Park". "Das ist ein starkes Zeichen der Bank", sagte damals Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann: "Man darf ja nicht vergessen, in welchem Umfeld die Geldhäuser sich bewegen, sie haben alle Hände voll zu tun."

In der Tat bescherte die Corona-Pandemie der Deutschen Bank im letzten Jahr viel Arbeit: Seit Beginn der Krise vergab sie tausende staatlich geförderte Kredite an gebeutelte Unternehmen und Privatleute. "Die Bank will ihren Teil zur Bewältigung der Krise leisten", sagte Bankenchef Sewing bei öffentlichen Auftritten immer wieder in staatstragendem Ton. Für den Fall, dass Kredite platzen, musste die Bank allerdings 1,8 Milliarden Euro zurücklegen, über eine Milliarde mehr als im Jahr davor. Richtig lukrativ ist dieses Geschäft für die Bank also nicht.

Die Hass-Liebe zum Investmentbanking

Die Bank profitierte aber auch von Corona, weil sich immer mehr Firmen an sie wandten, um über sie neue Anleihen herauszugeben und sich so am Kapitalmarkt frisches Geld zu besorgen. Außerdem kam es dem Geldhaus zugute, dass Kunden angesichts der Unsicherheiten an den Märkten vermehrt mit Anleihen und Währungen handelten. Denn dadurch florierte das Investmentbanking.

Während die Wirtschaft zusammenbrach, erholte sich das Geldhaus. Nachdem es 2019 noch einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro verbuchen musste, könnte es für das abgelaufene Jahr womöglich wieder einen Gewinn verzeichnen - ausgerechnet dank seiner Investmentbanker. Nur soll die Bank keine globale Investmentbank mehr sein, sondern eine "globale Hausbank" werden, wie Sewing sein Haus neuerdings gern bezeichnet.

Die Bank will sich radikal gesund sparen

Der Bankenchef will das Geldhaus unabhängiger machen vom Investmentbanking. Diese kostspielige und schwankungsanfällige Sparte hat der Bank in früheren Jahren zwar einmal Milliardengewinne beschert, aber später auch Milliardenstrafen eingebracht. Klassische Bankenbereiche, wie das Firmen- und Privatkundengeschäft, wollte Sewing dagegen stärken. Doch da ist das Geldverdienen nicht nur aufgrund der hohen Risikovorsorge für Kredite, sondern auch angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen derzeit eher schwierig.

Sewing hatte das Investmentbanking bereits teilweise zusammengestutzt und den Aktienhandel weitgehend dicht gemacht - im Zuge der Neuausrichtung der Bank. Dabei sollten bis Ende 2022 rund 18.000 Jobs wegfallen. Von den damals noch knapp 92.000 Vollzeitstellen sollen am Ende 74.000 übrig bleiben. Der aktuelle Stand: 5.000 Arbeitsplätze hat die Bank bisher gestrichen. Zum Teil hat sie ganze Abteilungen verkauft. So ging etwa ein Teil des Handelsgeschäfts mit annähernd 1.000 Mitarbeitern an die französische Konkurrentin BNP Paribas.

Hohe Boni in Krisenzeiten?

Doch auch im soliden Privatkundengeschäft will das Geldhaus nun den Rotstift ansetzen, da soll jeder dritte Arbeitsplatz wegfallen. Das eigene Filialnetz will die Bank ebenfalls ausdünnen und allein von ihren hauseigenen 500 Filialen in Deutschland 100 schließen. Sparen dürfte das Geldhaus in Zeiten von Homeoffice auf kurz oder lang vermutlich auch an Büroräumen, da mittlerweile in Deutschland 80 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten.

Nur an den Boni spart die Bank offenbar nicht. Medienberichten zufolge dürfte sie für das vergangene Jahr 1,8 Milliarden Euro verteilen, nach 1,5 Milliarden für 2019. Und das, obwohl die Aufseher die Banken zur Zurückhaltung auffordern. Sie sollten in diesen Krisenzeiten ihr Geld zusammenhalten. Das wolle man berücksichtigen, heißt es bei der Bank, aber gleichzeitig wettbewerbsfähig vergüten.

Grüner Anstrich - alte Probleme

Die Bank stellt sich nicht nur neu auf, zugleich verleiht sie sich einen grünen Anstrich: 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Finanzierungen und Anlagen will die Bank bis 2025 ermöglichen - ein Viertel davon hat sie bereits erreicht. Auch im eigenen Betrieb will die Deutsche Bank nachhaltiger werden. So plant sie beispielsweise, langfristig ihren gesamten Stromverbrauch aus erneuerbaren Energien zu bestreiten. Damit will die Bank in der Branche sogar wegweisend sein.

Doch nach Jahren mit immer neuen Skandalen ebbten die schlechten Nachrichten auch im vergangenen Jahr nicht komplett ab. So gab es etwa Wirbel rund um den Geldwäsche-Skandal mit der dänischen Danske Bank, mit der die Deutsche Bank jahrelang kooperiert hat. Weil sie Geldwäsche-Verdachtsfälle zu spät gemeldet hatte, verdonnerte sie die Staatsanwaltschaft Frankfurt 2020 zu einem Bußgeld in Höhe von 13,5 Millionen Euro - um nur ein Beispiel zu nennen.

Noch eine Altlast: Ex-US-Präsident Trump

Dubios sind auch die Beziehungen der Bank zu Ex-US-Präsident Donald Trump. Er bekam von ihr noch Geld, als andere Banken ihm längst keines mehr leihen wollten. Nach den Unruhen in den USA will aber selbst das Frankfurter Geldhaus offenbar keine Geschäfte mehr mit ihm machen. Nur schuldet Trump der Bank noch 300 Millionen Dollar, die in den nächsten Jahren fällig werden. Was, wenn er nicht zurückzahlt? Dazu gibt es von der Bank keinen Kommentar.

Lieber blicken die Banker nach vorne und sprechen über neue digitale Geschäftsmodelle. Zum Beispiel über das neue Stadion-Bezahlsystem, das man gemeinsam mit der Eintracht entwickelt hat. Das sei innovativ, komfortabel und einfach zu handhaben - ohne dass dafür eine Karte aufgeladen werden müsse. Noch dieses Jahr dürfte es an den Start gehen.

Sendung: hr-iNFO, 04.02.2021, 7 Uhr