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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Neuer "Makerspace" in Gießen: Kreativ-Eldorado für Tech-Nerds und Bastler

Drei Schwätzer als 3-D-Modell, Niels Seipel und Johannes Schmid.

Ein 3-D-Modell programmieren - und gleich selbst ausdrucken: Im neuen Makerspace in Gießen geht das. Die Werkstatt für digitale Produktion steht allen offen und ist kostenlos. Die Macher wollen so neue Technologien an die breite Masse bringen.

Geräte summen und brummen, in der Luft liegt der Duft von frisch verarbeitetem Holz. In Räumen der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) haben Niels Seipel und Johannes Schmid eine Mitmach-Werkstatt mit High-Tech-Ausstattung konzipiert und aufgebaut: MAGIE, kurz für Makerspace Gießen.

Ein offener Werkstattraum also, inklusive Veranstaltungs- und Ausstellungsbereich. "Jeder soll hier einen Einblick in die Digitalisierung bekommen können – in das, was es schon gibt und in das, was noch kommen könnte", erklärt Schmid.

Seipel und Schmid betreiben eigentlich eine Kreativ-Agentur in Gießen. Nun haben sie die Räume von Hand zu einem Eldorado für Nerds und Bastler umgebaut: Offene Regale, Arbeitstische, sogar Lampen haben die Gründer eigenhändig aus Sperrholz gezimmert, in einer Ecke des Versammlungsbereichs steht ein selbstgebauter Retro-Spielautomat aus Holz. Do-It-Yourself trifft Tech-Szene.

Do-It-Yourself trifft Tech-Szene

Das Herzstück sind die Arbeits- und Werkstattplätze: eine lange Reihe von PCs und mehrere Werkbänke voller High-Tech-Geräte. Gut ein Dutzend 3-D-Drucker gibt es hier, erklärt Seipel, außerdem dreidimensionale Scanner und eine riesige computergesteuerte Fräse. Einer der Drucker arbeitet schon seit Stunden an einer giftgrünen, filigran geformten Greifzange. Johannes Schmid zeigt auf einen Roboterarm im Hintergrund, der sich hin- und herbewegt. "Den haben wir auch selbst ausgedruckt und zusammengebaut."

Im Ausstellungsbereich zeigen sie, was die neue 3-D-Technik alles kann: Ein Miniaturmodell des Gießener Wahrzeichens "Die Drei Schwätzer" wurde zum Beispiel anhand von 500 Einzelfotos erstellt. Außerdem gibt es hier winzige Ersatzteile für einen Oldtimer oder das Modell eines alten Revolvers – natürlich nicht funktionsfähig, betont Niels Seipel und schmunzelt. "Man kann hier so gut wie alles bauen oder konstruieren, was einem einfällt – solange man gegen keine Gesetze verstößt." Mit einer Virtual-Reality-Brille können sich Besucher außerdem quasi in den Computermodellen direkt umsehen.

Die komplette digitale Produktionskette

Zu festen Öffnungszeiten können Besucher die Geräte ausprobieren, an Workshops und Gesprächsrunden teilnehmen und sich mit den neuen Technologien vertraut machen – und das alles komplett gratis. Die Kosten tragen vor allem die THM und das Technologie- und Innovationszentrum Gießen, außerdem beteiligen sich verschiedene Unternehmen daran.

Joachim Bille leitet an der THM die Abteilung für Forschung, Transfer und wissenschaftlichen Nachwuchs. Er erklärt: Der Makerspace soll die komplette digitale Produktionskette abbilden - vom Scannen über das Erstellen eines 3-D-Modells bis zum Ausdruck am Drucker oder die Umsetzung in Virtual Reality. Alle bekämen so die Chance, eigene Erfahrungen damit zu machen, sich selbst eine Meinung zu bilden und mitreden zu können.

"Und wir versuchen, das alles in nicht einer Tekkie-verliebten Art und Weise zu machen, nach dem Motto: Alles ist immer nur toll", meint Bille. Man wolle hier auch die Grenzen und möglichen Gefahren von Technologien zeigen. So sei zum Beispiel eine Diskussionsveranstaltung zu Künstlicher Intelligenz geplant.

Zielgruppe: alle Leute

Eine genaue Zielgruppe habe der Makerspace nicht, sagen Schmid und Seipel. "Wir wollen alle Leute erreichen." Das Konzept basiere auf Mitmachen und auf gemeinschaftlichem Entwickeln. Ob Schulkinder, erfahrene Tech-Nerds oder interessierte Unternehmen – alle seien willkommen. Weil die Szene immer noch recht männerdominiert sei, wolle man auch gezielt Frauen zur Teilnahme ermutigen. "Wir gehen davon aus, dass echte Innovation nur dann entsteht, wenn unterschiedliche Personengruppen und Kompetenzbereiche zusammentreffen", sagt Schmid.

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FabLabs und Makerspaces

Die Idee der Makerspaces, auch bekannt als FabLabs (deutsch etwa „Herstellungswerkstatt“) geht zurück auf den US-amerikanischen Professor Neil Gershenfeld. Er gründete 2001 am weltberühmten Massachussetts Insitute of Technology das erste FabLab, das bis heute als richtungsweisend für die Bewegung gilt.
Inzwischen gibt es weltweit hunderte ähnliche Initiativen, in Hessen etwa an der TU Darmstadt oder der Uni Kassel. Viele universitäre Einrichtungen richten sich jedoch vor allem an Studierende. Gleichzeitig entstehen auch immer mehr kommerzielle Makerspaces oder Bastelräume. Sie richten sich an zahlungswillige, stilbewusste Do-It-Yourself-Fans oder Tech-Start-Ups. Für den Werkstattzugang muss man häufig Gebühren zahlen, oft sind auch gebührenpflichtige Co-Working-Spaces mit angeschlossen.

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Sendung: hr4, 12.11.2019, 12.30 Uhr