Wohnblöcke auf dem Gelände der FAZ

Auf dem Areal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sollen bis 2027 hunderte Wohnungen, dazu Büros, Kitas, Restaurants und eine Grundschule gebaut werden. Alle Zeitungsräume - samt der geschichtsträchtigen Societätsdruckerei - werden dafür abgerissen.

Achtstöckige Wohnblöcke mit großzügigen Balkonen, dazwischen grüne Innenhöfe mit genug Platz für spielende Kinder: Mit diesem Entwurf hat sich das Architekturbüro Schmidt Plöcker aus Frankfurt zusammen mit den Berliner Landschaftsplanern Lavaland und Treibholz in einem Wettbewerb durchgesetzt. Anfang November waren insgesamt 15 Entwürfe für das neue Wohnquartier "Hellerhöfe" im Gallus eingereicht worden, wo derzeit noch die täglichen Ausgaben der Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Frankfurter Rundschau und der Frankfurter Neuen Presse entstehen.

Verlagshaus Frankfurter Societät

Wenn die Redakteurinnen und Redakteure im kommenden Jahr in einen modernen Büroturm im Europaviertel ziehen, bleibt von ihren alten Büros nichts mehr übrig. 2023 rollen die Bagger an. Alle Gebäude auf dem 2,4 Hektar großen Gelände sollen dann abgerissen werden, teilte die FAZ mit.

1968: Proteste vor der Druckerei

Man habe noch geprüft, das 160 Jahre alte Societätsgebäude in der Frankenallee zu retten, doch "schlechte Grundrisse und Raumhöhen" hätten dem entgegen gestanden, heißt es in der Ausgabe der Zeitung vom Samstag. Das Gebäude beherbergte einst die Frankfurter Societäts-Druckerei, in der neben lokalen Zeitungen auch eine Teilauflage der "Bild" gedruckt wurde.

Demonstranten versuchten am Abend des 13.4.1968 vor der Frankfurter Societäts-Druckerei, die Ausgänge zu verbarrikadieren, um die Auslieferung der Bild-Zeitung zu verhindern.

1968 ging die Druckerei in die Geschichte ein: Am 13. April, zwei Tage nach dem Attentat auf den Wortführer der Studentenbewegung Rudi Dutschke, belagerten Demonstrierende die Ein- und Ausgänge in der Frankenallee - um zu verhindern, dass die Bildzeitung rechtzeitig ausgeliefert werden konnte. Die Zeitung hatte ablehnend über die linke Protestbewegung berichtet, weshalb Akteure aus der linken Szene der Zeitung eine Mitschuld an dem Attentat vorwarfen.

50 Meter hoher Turm geplant

Nun soll von diesem geschichtsträchtigen Ort immerhin noch eine kleine Erinnerung bleiben: Der Entwurf für das künftige Gebäude orientiere sich an der alten Backsteinfassade, schreibt die FAZ. Auf der gegenüberliegenden Seite, an der Mainzer Landstraße, soll künftig ein 50 Meter hoher Turm aufragen, der unten Büros und oben Wohnungen beherbergt. Insgesamt soll das neue Quartier "Hellerhöfe" 650 Wohnungen bieten, ein Drittel davon gefördert.

Außerdem sollen Büros mit einer Gesamtfläche von 17.000 Quadratmetern vermietet werden, mehrere Geschäfte, Restaurants und zwei Kindertagesstätten einziehen. Auf einem Nachbargrundstück, das die Stadt gekauft hat, ist eine neue Grundschule vorgesehen. 2027 soll der Neubau des Areals abgeschlossen sein.

FAZ bleibt Miteigentümer

Die bisherigen Nutzer FAZ und Frankfurter Societät planen, das neue Wohnquartier langfristig in den Eigenbestand zu übernehmen. Dazu haben sie sich mit dem Immobilienunternehmen Bauwens und dem Family Office Daniel Hopp zu einem Joint Venture zusammengeschlossen.

Den Architekturwettbewerb hatten die Partner gemeinsam ins Leben gerufen. In der Jury saßen außerdem externe Fachleute sowie der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Alle eingereichten Entwürfe werden vom 10. bis 21. Januar im Atrium des Planungsdezernats ausgestellt.