Mit Mundschutz und einem Desinfektionsmittel in der Hand: Eine Laden-Mitarbeiterin im Frankfurter Shoppingcenter MyZeil

Nach mehreren Wochen Corona-Pause haben jetzt wieder viele Läden in Hessen geöffnet. Viele Händler und Kunden sind erleichtert - trotz harter Abstandsregeln und Warteschlangen.

Videobeitrag

Video

zum Video Corona-Lockerungen treten in Kraft

hs
Ende des Videobeitrags

Rund vier Wochen lang war ein Großteil des Einzelhandels in Hessen zwangsweise geschlossen - um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Am Montag durften viele Geschäfte wieder öffnen. Eine der Bedingungen: Es muss Abstand gehalten werden.

Die Frankfurter Einkaufsstraße Zeil war am Mittag trotz des schönen Wetters zwar voll, aber nicht überfüllt. Vor einigen Geschäften bildeten sich kleinere Warteschlangen. Ähnliche Eindrücke gab es aus anderen Städten. Ein Überblick, wie Händler und Kunden den ersten Tag nach der Corona-Pause wahrgenommen haben:

Boutique-Chefin in Frankfurt: "Die ganze Nacht nicht geschlafen"

Laila Habiat in ihrer Boutique "SuperBrands" in Frankfurt

Am späten Montagvormittag sorgt Laila Habiat gerade selbst mit Lappen und Reiniger dafür, dass die Fassade ihres Ladens in der Frankfurter Bleidenstraße nach der wochenlangen Pause wieder glänzt. Die Boutique in der Nähe der Hauptwache verkauft gebrauchte Luxusartikel wie Handtaschen und Designermode. Laila Habiat ist begeistert, endlich wieder verkaufen zu können. "Ich war total aufgeregt und hab die ganze Nacht nicht geschlafen."

Die lange Schließung sei auch ein finanzielles Problem, erzählt die Filialleiterin. "Das macht sich schon bemerkbar. Deswegen freuen wir uns sehr, dass wir heute wieder aufmachen dürfen."

In der Zeit, als der Laden wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen war, habe sie sogar immer wieder die Schaufenster umdekoriert, erzählt Habiat. "Damit unsere Kunden hoffentlich wiederkommen!" Und die, die wiederkommen, empfangen Habiat und ihre Mitarbeiterin seit diesem Vormittag mit Desinfektionsmittel und Mundschutz gerüstet.

Kunde auf Frankfurter Zeil: "Alles noch so unwirklich"

Carsten Kimpel beim Einkaufen auf der Zeil

Mit Frau Annett, Sohn Lukas und einem frischen Kaffee in der Hand flaniert Bäckermeister Carsten Kimpel über die Frankfurter Haupteinkaufsstraße Zeil. Er will "einfach mal gucken, was wieder auf hat, ein paar Klamotten kaufen und die Läden unterstützen." Seine Frau ergänzt: "Ich musste unbedingt in den Eintracht-Shop und T-Shirts bestellen!"

Carsten Kimpel empfindet die Zeil an diesem Vormittag noch als relativ leer. "Es ist alles noch so unwirklich." Die Leute wirkten unsicher. "Es hat ja auch noch nicht alles wieder auf." Vor allem Filialen der größeren Kaufhaus- und Mode-Ketten sind am Montag noch geschlossen.

Familie Kimpel verabschiedet sich in Richtung Buchhandlung, denn Sohn Lukas braucht noch Bücher für die Uni - vermutlich zum Lernen zuhause.

Frankfurter Parfümerie-Inhaber: "Es läuft langsam wieder an"

Hinweisschild zum Coronavirus vor einer Frankfurter Parfümerie

Vor der Parfümerie Lehr in der Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim stehen zwei Männer an. In dem kleinen Laden ist das Abstandhalten schwierig - deshalb dürfen immer nur drei Kunden gleichzeitig hinein.

Durch die offene Tür beginnt eine Verkäuferin bereits das Beratungsgespräch: Debasai Josef ist auf der Suche nach einem Parfum, und wird hier fündig. "Ich habe extra im Internet geguckt, welche Geschäfte heute auf haben. Hier in Bockenheim haben schon viele geöffnet", erzählt Josef. Ungewohnt fühlt es sich für ihn heute nach rund vier Wochen Shopping-Pause aber nicht an: "Wenn die Geschäfte jetzt ein halbes Jahr zu gehabt hätten, hätte ich das verstehen können. Aber so ist es ganz normal, wie immer", findet Josef.

Parfümerie-Chef Thomas Lehr ist zufrieden mit dem ersten Tag. "Es sind genug Menschen auf der Straße. Der eine oder andere freut sich, dass offen ist, und nimmt das Angebot gerne wahr." In seinem Laden hält sich der Andrang in Grenzen. "Wir sind ja auch kein Massengeschäft, sondern eher ein Luxushandel. Das verteilt sich."

Ein paar Häuser weiter, bei einem großen Mode-Outlet, sieht es übrigens etwas anders aus: Hier hat sich eine Schlange von rund 20 bis 30 Menschen gebildet.

Bäckerei-Verkäuferin in Hanau: "Haben Sie keine Maske dabei?"

Kundin mit Maske vor einer Buchhandlung in Hanau

Frische Brötchen, Croissants und Torten liegen in der Auslage bei "Ferdinands Backgenuss" im Hanauer Stadtteil Steinheim. So weit alles normal, denn Bäckereien waren von den Schließungen wegen des Coronavirus ja nicht betroffen. Aber nun fragt Verkäuferin Stephanie Schilling einige Kunden nicht nur nach ihrer Bestellung: "Haben Sie keine Maske dabei? Dann müssten Sie sich hier eine bei uns kaufen oder Sie ziehen sich den Schal über die Nase."

Seit Montag gilt in Hanau eine Maskenpflicht, und zwar überall dort, wo Menschen kaum Abstand halten können: in Geschäften, Bussen oder beim Arzt. Bäckerei-Verkäuferin Schilling erzählt, dass die Kunden sich größtenteils daran halten.

Einige Kunden hätten allerdings wenig Verständnis für die neue Regel, sagt Schilling: "Wir hatten tatsächlich heute Morgen einige, die mit uns darüber diskutiert haben." Andere hätten gar nichts davon gewusst. "Ich denke, das waren auch viele Handwerker von auswärts, die das gar nicht so auf dem Schirm hatten. Aber ich denke, das spielt sich ein und ab morgen ist das gar kein Problem mehr", hofft Schilling.

Marburger Konditorei-Inhaberin: "Auf allen Seiten gut abgesichert"

Eis aus dem Eiscafé AromaBar in Marburg

Salted Caramel, Honigmelone, dunkle Schokolade: Das sind nur einige der Sorten, die die Kunden der Marburger Konditorei Klingelhöfer seit Montag wieder genießen dürfen. "Wir haben sehr lange darauf warten müssen, und auch unsere Kunden haben mehrfach nachgefragt, wann es endlich wieder soweit ist", erzählt Konditormeisterin Annette Klingelhöfer strahlend. "Wir freuen uns, dass wir jetzt wieder mit frischem Eis für unsere Kunden da sein können."

Eine Besonderheit in Corona-Zeiten: Das Eis gibt es nur noch vorportioniert im Becher. Denn: "Oft läuft der Eisverkauf so, dass eine Familie vor der Theke steht und die Kinder Minuten brauchen, bis sie sich entschieden haben", erklärt Klingelhöfer.

Jetzt entscheiden sich die Kunden schon draußen vor dem Geschäft und müssen nur kurz hineingehen. "Das Eis ist sicher und hygienisch verpackt. Das heißt, wir sind auf allen Seiten gut abgesichert.“

Eindrücke aus Kassel, Wiesbaden und Gießen

Einlassnummern, Einkaufskörbe, Einbahn-Regelungen durchs Geschäft oder ein Mitarbeiter, der Besucher zählt: Wer in Kassel einkaufen geht, muss sich in fast jeden Geschäft mit unterschiedlichen Regeln arrangieren. Um so etwas zu vermeiden, hätte Alexander Wild, Vorsitzender der City-Kaufleute, sich von der Landesregierung mehr Vorgaben gewünscht. "Wir können nur mit dem arbeiten, was wir haben, sind aber froh, überhaupt wieder für die Kunden geöffnet zu haben", sagt er. Den Anteil der offenen Geschäfte in Kassels Innenstadt schätzt Wild am Montag auf rund 50 Prozent.

In Wiesbaden ist die Innenstadt zum ersten Mal seit Wochen wieder deutlich belebter. Auch wenn noch nicht alle Läden geöffnet haben: Bei Sonnenschein flanieren viele Menschen durch die Fußgängerzone. Polizei und Ordnungsamt zeigen Präsenz - auch in den Geschäften sind Beamte zu sehen, die mit den Verkäufern sprechen und sich die Abstandsregeln erklären lassen.

Auch in Gießen ist es wieder voller, aber nicht so sehr wie an einem normalen Montag. Ein Paar, das bereits mit vollen Tüten eines Bekleidungsgeschäfts unterwegs ist, trägt aber Mundschutz. "Die Maske finde ich durchaus sinnvoll. Für eine bestimmte Zeit sollte das so sein", sagt der Mann. Zumindest außerhalb der Läden in der Fußgängerzone trägt aber nur die Minderheit einen Mundschutz.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 20.04.2020, 19.30 Uhr