Vor einem Geschäft für luxuriöse Taschen in Frankfurt hat sich eine längere Schlange gebildet.

Mitten ins Weihnachtsgeschäft platzt der neuerliche Lockdown. Das ganz große Gedränge beim letztmöglichen Geschenkekauf in den Innenstädten blieb aber aus.

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Wer sich gern im Laden vor Ort nach Geschenken für das Fest umschaut, hatte in diesem Jahr weniger Zeit dafür. Die meisten Geschäfte müssen ab Mittwoch schließen. Auch beliebte Anlaufstellen für Last-Minute-Geschenke wie Spielwarenläden, Parfümerien und Buchhandlungen sind davon betroffen. Wieder öffnen dürfen sie frühestens am 11. Januar.

Viel Vorlauf hatten Ladenbesitzer, Mitarbeiter und Kunden nicht: Erst am Sonntag beschlossen Bund und Länder den coronabedingten Lockdown. Umso vollere Innenstädte an den zwei verkaufsoffenen Tagen davor - vor diesem Szenario warnte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Montag und rief die Menschen zu Besonnenheit auf: "Es müssen jetzt auch nicht alle in die Stadt rennen und die Läden überfluten."

Schlangen auf der Frankfurter Zeil

Ob es an Bouffiers Mahnung lag oder am florierenden Onlinehandel: Überflutet wurden die Fußgängerzonen vieler hessischer Innenstädte an den zwei Tagen nicht, gut besucht waren sie allemal. Auf der Zeil in Frankfurt herrschte am Montagnachmittag so viel Betrieb wie üblicherweise an einem Samstag, so berichtete es wenigstens das Magazin Spiegel.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Letzte Weihnachtseinkäufe in Fulda, Frankfurt und Marburg

Vor einem Geschäft für luxuriöse Taschen in Frankfurt hat sich eine längere Schlange gebildet.
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Am Dienstag war die zentrale Einkaufsstraße in Hessens größter Stadt ebenfalls gut gefüllt. Viele nutzten den Nahverkehr, um dorthin zu kommen: Die Verkehrsgesellschaft VGF hängte zusätzliche Wagen an die Züge mancher U-Bahn-Linien. Der ganz große Ansturm blieb aber bis zum Nachmittag aus, womöglich auch wegen des regnerischen Wetters.

Lange Schlange vor der C&A-Filiale auf der Zeil in Frankfurt

Außer in Deko- und Parfümgeschäfte strömten die Menschen vor allem in Bekleidungsläden, die oft mit Rabattaktionen lockten. Vor der Filiale einer großen Kette an der Konstablerwache standen zeitweise mehrere Dutzende Menschen an. Auch vor einzelnen Luxus-Boutiquen in der Goethestraße bildeten sich am Mittag Schlangen.

Einige Geschäfte verlängerten ihre Öffnungszeiten am Dienstag, um am letzten regulären Verkaufstag in diesem Jahr noch möglichst viel vom Weihnachtsgeschäft mitzunehmen.

Buchläden besonders gefragt

Lange Schlangen blieben vor den Bekleidungsgeschäften in der Marburger Innenstadt aus. Dafür staute es sich in der Studentenstadt vor den vollen Buchläden.

Ein ähnliches Bild zeigte sich in Heppenheim: In der Fußgängerzone herrschte mehr Betrieb als üblich, aber kein Gedränge. Auch hier waren vor allem Bücher gefragt, egal ob als Weihnachtsgeschenk oder zur Überbrückung der Langeweile im anstehenden Lockdown.

Das merkten auch die Verkäufer in einer Buchhandlung in Kassel: Aufgrund des begrenzten Kundeneinlasses sei der Betrieb zwar moderat, doch quasi pausenlos, berichtete ein Verkäufer. Damit es schneller gehe, hätten sie zusätzliche Kassen aufgebaut. Von einer deutlich höheren Kundenfrequenz sprach die Mitarbeiterin eines Geschäfts für Kosmetikprodukte. Viel los war vor allem rund um den Friedrichs- und den Königsplatz.

Verband lobt Abholmöglichkeit

Dass viele Kunden die letzte Möglichkeit zu einem Weihnachtseinkauf in einer Innenstadt auch nutzten, bestätigt der hessische Einzelhandelsverband. Einige Kollegen hätten ihm von verdoppelten Umsätzen im Vergleich zum Vorjahrestag berichtet, sagte Verbandspräsident Jochen Ruths. Allgemein sei der Dienstag etwas ruhiger verlaufen als der Montag.

Auch wenn die Geschäfte ab Mittwoch geschlossen bleiben - man kann sich danach in vielen Läden bestellte Waren abholen oder liefern lassen. Ruths lobt die "sehr guten Regelungen" der Landesregierung dazu: "Die Leute wissen, dass sie ihre Sachen noch vor Weihnachten bekommen. Das hilft uns sehr. Wir können noch viele Kunden vor dem Fest glücklich machen."

Gerade gingen die ohnehin beliebten Gutscheine durch die Decke, berichtete Ruths: "Die können wir auch digital oder per Post verschicken. Dafür muss keiner in die Stadt fahren."

Handel rechnet mit 65 Millionen Euro Verlust täglich

Trotz der Abhol- und Liefermöglichkeiten trifft der Lockdown den Einzelhandel hart, der Verband erwartet massive Umsatzverluste. Täglich dürften im Land bis zu 65 Millionen Euro Einnahmen fehlen, sagte Ruths. Erste Beschäftigte würden bereits in Kurzarbeit geschickt.

Die angekündigten Hilfen zu den Fixkosten reichten deshalb insbesondere bei den Geschäften nicht aus, die von Weihnachten abhängig seien. Als Beispiel nannte Ruths Spielwarengeschäfte, die bis zu einem Viertel ihres Jahresumsatzes in der Adventszeit machten: "Da reicht eine Monatsmiete einfach nicht."

Weitere Informationen

Geöffnet im Lockdown

  • Lebensmittelgeschäfte
  • Wochenmärkte für Lebensmittel
  • Direktvermarkter von Lebensmitteln
  • Getränkemärkte
  • Reformhäuser
  • Babyfachmärkte
  • Apotheken
  • Sanitätshäuser
  • Drogerien
  • Optiker
  • Hörgeräteakustiker
  • Tankstellen
  • Kfz-Werkstätten
  • Fahrradwerkstätten
  • Banken und Sparkassen
  • Poststellen
  • Reinigungen
  • Waschsalons
  • Kioske mit Zeitungsverkauf
  • Tierbedarfsmärkte
  • Futtermittelmärkte
  • Weihnachtsbaumverkaufsstellen
  • Großhandel
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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.12.2020, 19.30 Uhr