Ein Condor-Maschine im Landeanflug
Ein Condor-Maschine im Landeflug. Im Mai geschah das in Frankfurt 55mal nach 23 Uhr. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Im Mai ist die Zahl der Landungen nach 23 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen enorm gestiegen. Schuld waren nicht allein das Wetter und Billigflieger Ryanair. Der Verkehrsminister will sich auch andere Fluggesellschaften vorknöpfen - vor allem eine.

Die Zahl der nächtlich verspäteten Landungen am Frankfurter Flughafen ist im Mai deutlich gestiegen. So deutlich, dass Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) laut Mitteilung am Freitag sagte: Die Nachtflugbestimmungen "sind noch nie in dieser Form auf die Probe gestellt worden."

Zwischen 23 und 24 Uhr setzten demnach 185 Maschinen auf. "Eine derartige Häufung ist nicht akzeptabel", betonte der Minister. Das Nachtflugverbot gilt von 23 bis 5 Uhr. Verspätete Maschinen mit planmäßiger Ankunft vor 23 Uhr dürfen jedoch bis 24 Uhr noch landen - wenn sich der Grund der Verspätung nicht aus der Flugplangestaltung ergibt.

Nach Hahn umgeleitet

27 Flugzeuge wurden laut Al-Wazir im Mai zu anderen Flughäfen umgeleitet, insbesondere zum Airport Hahn im Hunsrück, weil sie erst nach 24 Uhr in Frankfurt gelandet wären. Nach Mitternacht sind nur noch Notfall-Landungen am Frankfurter Flughafen erlaubt.

Die vielen Gewitter im Mai erklärten die Verspätungen nach Angaben des Verkehrsministeriums nur teilweise. Im Mai hätten sich einige Fluglinien "auffällig häufig verspätet" gezeigt.

Auch Condor kommt oft zu spät

"Einige“ bedeutet: Nicht nur Ryanair trägt zu der zunehmenden Zahl an Verstößen gegen das Nachtflugverbot bei. Der irische Billigflieger hat auf Druck Al-Wazirs gerade erst zwei Flugverbindungen vorverlegt, um die 23-Uhr-Frist einzuhalten. Im April hatten allein 38 Ryanair-Maschinen den vorgegebenen Zeitrahmen gesprengt.

Im Mai waren es noch mehr, nämlich 58 Maschinen. Damit war Ryanair, das jüngst auch im Landtag viel Schelte bezog, zwar wieder unrühmlich spitze – aber dicht gefolgt vom Ferienflieger Condor. Diese Fluggesellschaft war nach Angaben des Verkehrsministers für 55 verspätete Flugverbindungen verantwortlich. “Auch mit Condor gibt es ernsthafte Gespräche über die Pünktlichkeit, vor allem, was einen sehr oft verspäteten Flug aus Palma de Mallorca angeht“, sagte Al-Wazir.

Bis zu 50.000 Euro Bußgeld

Schaffe Condor keine kurzfristige Abhilfe, werde das Ministerium das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt mit einer Prüfung beauftragen. Das war bereits Ryanair passiert: Für den Fall einer systematischen Verspätung, die bereits im Flugplan angelegt ist, war dem Unternehmen ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro pro Verspätung angedroht worden. Für jeden verspäteten Ryanair-Flug aus London-Stansted und Barcelona, der zu spät landet, werde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, hatte das Verkehrsministerium Anfang Mai erklärt.

"Wir setzen nun darauf, dass unsere Maßnahmen genügend Druck aufbauen, damit sich die Situation im Juni bessert", erklärte Al-Wazir und betonte die Mitverantwortung von Fraport, der Deutschen Flugsicherung und ihrer europäischer Partner. Der Minister ergänzte: "Können die derzeitigen Regelungen das Nachtflugverbot auf die Dauer nicht ausreichend schützen, müssen wir eine Anpassung der Vorschriften prüfen."

Den chronisch verspäteten Fluggesellschaften wird vorgeworfen, den Zeitplan so knapp zu takten, dass Verspätungen unvermeidlich sind. Neben der Auslastung der Maschinen als Motiv kommt hinzu, dass späte Landungen für die Gesellschaften billiger sind - wenn es keine Bußgelder setzt.

Immer mehr Touristenflüge

Allerdings ist nach Angaben von Experten der Luftraum in Westeuropa auch zunehmend überlastet. Wegen der hohen Nachfrage bei Touristen hat gerade die Zahl der Flüge nach Spanien zugenommen, vor allem auf die Balearen.

Wie bei Landungen sind verspätete Starts auf dem Frankfurter Flughafen ebenfalls möglich, bedürfen aber jeweils einer gesonderten Genehmigung. Kriterium ist, dass der Grund der Verspätung außerhalb des Einflussbereichs der Fluglinie liegt.

Sendung: hessenschau, 01.06.2018, 19.30 Uhr