Lebensmittelkontrollen

Lasche Kontrollen haben den Skandal um keimbelastete Wilke-Wurst erst möglich gemacht. Ein landesweite hr-Umfrage zeigt: Vielerorts können Verbraucher der Lebensmittelüberwachung nicht vertrauen.

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2018 standen aufgrund gesetzlicher Vorschriften insgesamt 48.163 Lebensmittel-Routinekontrollen in Hessen an. Davon tatsächlich durchgeführt wurden nur 72,4 Prozent, wie eine Anfrage des hr bei den Vetarinärämtern ergab.

Die Kontrolleure des Kreises Waldeck-Frankenberg, die auch für die insolvente Skandal-Firma Wilke zuständig sind, führten nur rund die Hälfte der Kontrollen durch (49,91 Prozent). Die Kreise sind zuständig für die Überwachung der dortigen Unternehmen.

"Kommunale Selbstverwaltung auch kommunale Selbstverantwortung"

Das Regierungspräsidium Kassel als Fachaufsicht der Veterinärbehörde des Kreises Waldeck-Frankenberg teilte dem hr auf Nachfrage mit, dass die Kontrollquote zwar bekannt sei, man könne aber wenig machen. "Das Regierungspräsidium hat (...) nur die Möglichkeit, auf die Diskrepanz zwischen den geforderten und den tatsächlich vollzogenen Kontrollen hinzuweisen. (...) In diesem Falle bedeutet kommunale Selbstverwaltung auch kommunale Selbstverantwortung."

Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne) sieht im Fall Wilke schwere Versäumnisse vor allem beim Kreis, wie sie in ihrem Bericht am Montag betonte.

Odenwaldkreis Schlusslicht

Der hr-Recherche zufolge schafften im vergangenen Jahr nur fünf Kreise alle fälligen Kontrollen, nämlich Gießen und Offenbach, Werra-Meißner, Wetterau und Schwalm-Eder. Schlusslicht ist der Odenwaldkreis, dort wurden 2018 nur rund ein Viertel der Kontrollen gemacht (24,96 Prozent).

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nicht alle Lebensmittelkontrollen werden durchgeführt

Wilke Wurtswaren
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Auf den hinteren Plätzen finden sich zudem die Stadt Darmstadt (39,10 Prozent), der Kreis Bergstraße (48,26 Prozent) und der Main-Taunus-Kreis (48,57 Prozent). Vom Main-Kinzig-Kreis gab es keine Antwort.

Einhaltung von Hygienevorschriften und Umgang mit Lebensmitteln

Die Lebensmittelüberwachung ist seit 2005 Aufgabe der Kommunen. Bei den Kontrollen achten die Kontrolleure unter anderem auf die Hygiene und den sicheren Umgang mit Lebensmitteln. Sie können Betriebe unter anderem kurzfristig schließen oder Bußgelder verhängen.

Wie oft solche unangekündigten Routinekontrollen anstehen, hängt unter anderem davon ab, wie schnell dort zum Beispiel eine mangelnde Hygiene gefährlich werden kann. Das bedeutet, dass ein Supermarkt mit verpackten Lebensmitteln weniger häufig kontrolliert wird als eine Wurstfabrik, die frisches Fleisch verarbeitet.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 18.11.2019, 16:45 Uhr