Seit Monaten geht nichts mehr auf der Großbaustelle am Kaiserlei in Offenbach.

In Offenbach-Kaiserlei soll ein "zukunftsweisendes" Quartier entstehen, doch auf der Baustelle herrscht Stillstand. Im Hintergrund geht es umso geschäftiger zu. Die früheren Siemens-Hochhäuser wechseln oft den Besitzer, womöglich mischen ominöse Investoren mit.

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Stillstand am Offenbacher Kaiserlei

Wie Skelette ragen die ehemaligen Siemens-Türme am Kaiserlei in die Höhe.
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Wer regelmäßig auf der A661 von und nach Frankfurt unterwegs ist, kennt den Anblick: Nah am südlichen Mainufer, gleich neben der Autobahn, ragen zwei entkernte Hochhäuser in den Himmel. Früher waren Büros der Siemens-Tochter Kraftwerk-Union drin. Seit dem Auszug der KWU stehen die Türme leer.

Kauf - Übernahme - Fusion

Ein Berliner Immobilienentwickler, die CG Gruppe, hat das Areal in Offenbach-Kaiserlei gekauft. Es gab große Pläne, aber die erweisen sich mehr und mehr als Luftschloss. CG wurde samt Offenbacher Projekt geschluckt - von der Consus Real Estate AG. Und die gehört nach einer Fusion inzwischen zur neu gegründeten Adler Group. Auf der Geschäftsebene im Hintergrund ist also ordentlich Bewegung - auf der Baustelle indes tut sich seit einer gefühlten Ewigkeit fast nichts mehr.

Anwohnerin Anna Satvary hat die Türme vom heimischen Balkon aus immer im Blick. Ihre Beobachtung in einem Wort: Stillstand. "Man schaut so drauf und sieht: Da passiert einfach gar nichts." Satvary vermutet, dass sich daran so schnell auch nichts ändern wird. "Irgendwann wird es vielleicht abgerissen, und ein neuer Investor kommt."

Was wird aus dem "zukunftsweisenden Quartier"?

Im Internet wird immer noch geworben für ein "zukunftsweisendes urbanes Quartier". Es soll mehr als 800 Wohnungen umfassen, dazu Gewerbe, ein Hotel und sogar ein Schwimmbad in luftiger Höhe. Aber wird das noch was? Und wer will das eigentlich umsetzen?

Die aktuelle Eigentümerin Adler-Group lässt auf Anfrage wissen: "Für das Bauprojekt Offenbach Kaiserlei wurde eine Vereinbarung über einen Verkauf einzelner Bestandteile unterzeichnet. Aufgrund des Verkaufsprozesses ruhen die Bauarbeiten derzeit vorübergehend."

Für den Baustopp könnte es jedoch noch andere Gründe geben. Das Handelsblatt hat aufgedeckt, dass der Bauträger interne Ermittlungen veranlasst hat. Es geht um fragwürdige Abrechnungen in Millionenhöhe - getätigt von mehreren Firmen, die auf der Offenbacher Baustelle im Einsatz waren.

Börsen-Rutsch nach Bericht im Herbst

Außerdem war die Adler Group im Herbst massiv unter Druck geraten. Die Aktie stürzte ab und konnte sich seither kaum erholen. Auslöser für den Börsen-Rutsch war ein Bericht im Auftrag des Londoner Leerverkäufers Fraser Perring. Das britische Unternehmen verdient sein Geld mit Wetten auf fallende Kurse.

Der Bericht beleuchtete einen Deal vom Mai 2020. Da hatte Consus acht Entwicklungsprojekte an einen neu gegründeten Fonds auf der Kanalinsel Guernsey verkauft. Darunter auch das Bauvorhaben am Kaiserlei, das inzwischen laut Handelsblatt wieder zurück zur Adler Group gewandert ist - zumindest in Teilen.

Hinter dem Fonds auf Guernsey steht eine Holding in Luxemburg. Niemand kennt die Investoren. Laut Fraser Perring hatte aber ein Geschäftsmann aus Aserbaidschan seine Finger im Spiel, der auch in den Paradise Papers erwähnt wird. Das sind jene geleakten Unterlagen, die zeigen, wie reiche Menschen rund um den Globus mit Hilfe von Offshore-Firmen in Steueroasen den Fiskus betrügen.

Verstrickungen mit ominösen Investoren

Der Name des Mannes taucht auch in den Unterlagen zum Verkauf einer montenegrinischen Windkraftanlage Ende 2015 auf. Sie ging an den maltesischen Energieversorger Enemalta - zu mehr als dem Dreifachen des Preises, den eine dazwischengeschaltete Gesellschaft nur Wochen zuvor dafür gezahlt hatte.

Hauptnutznießer des korrupten Deals: Yorgen Fenech. Das ist der maltesische Unternehmer, der im Verdacht steht, den Mord an Daphne Caruana Galizia in Auftrag gegeben zu haben. Die investigative Journalistin und Korruptionsexpertin starb im Oktober 2017 durch eine Autobombe.

OB Schwenke zeigt Zweckoptimismus

Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) wird versuchen, die unangenehmen Nebengeräusche zum Kaiserlei-Projekt auszublenden. Für ihn ist entscheidend, ob es hinterm Bauzaun im Offenbacher Westen weitergeht, und wenn ja, wann und wie. "Die jetzigen Eigentümer haben ja öffentlich gesagt, dass sie in Gesprächen mit Kaufinteressenten sind. Und von daher gehen wir im Moment noch davon aus, dass das Projekt nicht endgültig tot ist."

Einfach werden die Verhandlungen sicher nicht. Zwei große Unternehmen, die einen erheblichen Teil der versprochenen Wohnungen vorab gekauft und sich dabei vertraglich abgesichert hatten, sind längst abgesprungen.

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