Menschen vor dem Opel-Turm in Rüsselsheim.

Wegen des geplanten Konzernumbaus bei Opel in Rüsselsheim hat Ministerpräsident Bouffier zusammen mit anderen Regierungschefs einen Brief an den Chef von Stellantis verfasst. Der Betriebsrat fürchtet eine "Zerschlagung von Opel".

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Die Regierungschefs von Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen haben sich in einem gemeinsamen Brief an Carlos Tavares, den Chef des Opel-Mutterunternehmens Stellantis, gewandt. Darin fordern Volker Bouffier (CDU), Malu Dreyer (SPD) und Bodo Ramelow (Linke) konkrete Informationen zur geplanten Ausgliederung der Opel-Standorte in Rüsselsheim und Eisenach (Thüringen).

Sie kritisieren, dass Stellantis die Länder über seine Pläne nicht im Vorfeld informiert habe. "Wir erwarten von Stellantis, dass für die Zukunft der Standorte relevante Entscheidungen offen und transparent kommuniziert werden", heißt es in dem Offenen Brief.

Stellenverlagerungen und Konzernumbau

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass dem Opel-Werk in Rüsselsheim Stellenverlagerungen nach Marokko drohen. Laut Medienberichten sei Beschäftigten des Entwicklungszentrums in Personalgesprächen gedroht worden, ihre Aufgaben aus Kostengründen zu verlagern. Sie sollten sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen. Das geht aus einer Mitarbeiterinformation des Betriebsrates hervor.

Eine Woche zuvor waren Pläne bekannt geworden, die beiden Produktionswerke Rüsselsheim und Eisenach aus der Opel Automobile GmbH herauszulösen. Beide könnten bald also nicht mehr zu Opel gehören. Der mögliche Plan sieht stattdessen vor, die beiden Werke zu eigenen Rechts- und Produktionsorganisationen zu entwickeln. Dort könnten dann Modelle verschiedener Automarken gefertigt werden.

"Kostenersparnis zu Lasten der Opel-Beschäftigten"

Diese Ankündigung habe für sehr viel Unruhe gesorgt, sagt Uwe Baum vom Opel-Betriebsrat dem hr am Donnerstag. "Die Mitarbeiter sind in hohem Maße beunruhigt." Der Betriebsrat sehe keine Notwendigkeit, die Werke in Rüsselsheim und Eisenach aus der Opel Automobile GmbH herauszulösen. "Die Argumente, die da vorgetragen wurden, sind für uns nicht zielführend", so Baum. Wenn die Werke herausgelöst würden, sei das "der Beginn der Zerschlagung" von Opel.

Auch die IG Metall kritisierte das Vorgehen von Stellantis. "Die Auslagerung von Entwicklungskapazitäten in Länder mit wesentlich schlechteren Arbeits- und Leistungsbedingungen zeigt worum es geht: Kostenersparnis zu Lasten der Opel-Beschäftigten", sagte Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte. Nach Auffassung der IG Metall und des Betriebsrates versuche der Stellantis Konzern Produktentscheidungen und Standortbelegungen völlig intransparent durch die Hintertür durchzusetzen.

Angestellte sollen sich zurückhalten

Die FAZ berichtete am Donnerstag, dass Geschäftsleitung und Betriebsrat in einer gemeinsamen Erklärung die Belegschaft zur Zurückhaltung aufriefen. Demnach sollen die Mitarbeiter keine Informationen aus dem Unternehmen an die Öffentlichkeit geben. Opel wollte sich auch am Donnerstag auf hr-Anfrage nicht zu den Informationen äußern.

In solchen Zeiten sei es "nicht ungewöhnlich, dass es unterschiedliche Positionen zwischen den Sozialpartnern gibt". Diese Meinungsverschiedenheiten gelte es, "im Sinne eines guten sozialen Dialogs auszutauschen und zu verhandeln – und zwar intern", zitiert die FAZ aus der Erklärung.

Kritik aus Politik wird laut

"Den Beschäftigten in Rüsselsheim aus Kostengründen mit Stellenverlegungen zu drohen, spaltet die Belegschaft", sagte Elisabeth Kula, Vorsitzende der Linken-Fraktion im Landtag am Donnerstag. Bereits im Mai dieses Jahres hätten sich die Beschwerden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehäuft, weil sie vom Konzern massiv unter Druck gesetzt worden seien. Auch die Mitbestimmung des Betriebsrats habe Stellantis zuletzt immer weiter untergraben, so Kula.

"Der bevorstehende Verlust von hunderten Arbeitsplätzen im Entwicklungszentrum am Standort Rüsselsheim setzt den negativen Trend seit der Übernahme fort", sagte Klaus Gagel, verkehrspolitischer Sprecher der AfD im Landtag. Nach der Übernahme von Opel durch den französischen Konzern Stellantis sei Opel einem Sparkurs unterzogen worden.

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