Simulation der Oldtimer-Ausstellungsflächen in der geplanten "Motorworld"

Was wäre Rüsselsheim ohne Opel? Weil sich der Konzern immer mehr zurückzieht, muss die Stadt neue Inhalte finden. Auf dem Gelände des Altwerks soll eine "Motorworld" mit Gewerbe und Wohnungen entstehen - auch dort geht es aber nicht ohne Autos.

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hessenschau vom 06.02.2020
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Überlebensgroß und aus Bronze steht Adam Opel auf dem Bahnhofsplatz in Rüsselsheim. Direkt dahinter, an der Westseite des Platzes, führt das historische Hauptportal aus dem Jahr 1911 zum Opel-Altwerk. Die über die Stadt hinaus bekannte Fassade aus roten Backsteinen zieht sich fast 150 Meter die Marktstraße entlang. Dahinter liegen die alten Werksgebäude von Opel.

Autos gebaut werden dort schon lange nicht mehr, die Hallen liegen brach. Die sinnvolle Neugestaltung und Nutzung des Geländes im Herzen Rüsselsheims sind seit Jahren Thema in der Stadt - ohne dass bisher etwas passiert wäre. Inzwischen hat die baden-württembergische Immobilienentwicklungsgesellschaft Activ-Group Pläne für eine "Motorworld" auf dem Areal vorgelegt.

Blick auf das Opel-Altwerk in Rüsselsheim

Den Magistrat der Stadt hat Activ-Group bereits im zurückliegenden Herbst für das Projekt begeistert. Nun stehen an diesem Donnerstag eine Bürgerversammlung und in der kommenden Woche womöglich eine Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung zu dem städtebaulichen Meilenstein an.

"Riesenchance für diesen Standort"

Rüsselsheims parteiloser Oberbürgermeister Udo Bausch wirbt für das Vorhaben: "Es ist ein Traum für jeden Stadtplaner, dass man eine solche Fläche in die Zukunft bringt, die urban ist, die nachhaltig ist - all das, was man heute möchte." Das Konzept der "Motorworld" besteche dadurch, dass auch Wohnungen dort vorgesehen sind, alles nahe am S-Bahnhof. "Man ist von Rüsselsheim in ganz kurzer Zeit in allen Großstädten dieser Welt. Das ist eine Riesenchance für diesen Standort", sagt Bausch.

Die Karte zeigt das Areal des Opel Altwerks.

Es geht um rund 100.000 Quadratmeter. Das Areal soll offen zugänglich werden. Activ-Group stellt sich einen Mix aus Gewerbeflächen, Werkstätten und Ausstellungsmöglichkeiten für Oldtimer, einem Hotel, Veranstaltungsräumen und Wohnungen vor.

Schon einmal gab es konkrete Planungen für das Opel-Altwerk. Ein Einkaufszentrum war geplant. OB Bausch freut sich, dass es nicht so kam: "Rüsselsheim kann sehr froh sein, dass sich das damals nicht durchsetzen konnte, weil wir heute alle wissen, dass Einkaufszentren durch den Onlinehandel sehr leiden." In der Stadt gebe es auch keine Pläne für neue Einkaufszentren.

Simulation der Außenfassade der "Motorworld" auf dem Gelände des Opel-Altwerks

Bürgerinitiative fordert höheren Wohnanteil

Im Gegensatz zu früheren Planungen würden in der "Motorworld" auch die meisten teils denkmalgeschützten Gebäude erhalten bleiben. Der Linken-Stadtverordnete und Sprecher der Bürgerinitiative Pro Opel-Altwerk, Heinz-Jürgen Krug, findet das gut. Allerdings fordert er einen höheren Anteil an Wohnungen und ein besseres Verkehrskonzept.

Brach liegende Halle im Opel-Altwerk

Bislang sehe der Plan von Activ-Group nur einen Zugang zum Areal von der Innenstadt aus vor, dort würde sich der Autoverkehr mehr als verdoppeln, befürchtet Krug: "Da wohnen Leute, und da ist schon jetzt ziemlich viel Lärm. Das würde für die Leute ziemlich unerträglich." Eine Lösung könne eine weitere Zufahrt von Westen her sein, sagt Krug. Dafür müsse aber Opel mitspielen. Im Westen des Altwerks liegen die Produktionsstätten des Autoherstellers, die noch genutzt werden.

Zweite Bürgerinitiative erhofft sich Belebung

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pläne für Neubebauung des Opel-Altwerks werden vorgestellt

Adam-Opel-Statue vor dem Opel-Altwerk in Rüsselsheim
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Die Rüsselsheimerin Sandra Bluhm hat eine Interessensgemeinschaft gegründet, die das Projekt "Motorworld" unterstützen will. Ja, sagt sie, mehr Verkehr sei denkbar, aber: "Ein höheres Verkehrsaufkommen, verglichen womit? Mit einer fast toten Innenstadt jetzt? Oder den Jahren, in denen Opel wirklich die ganze Innenstadt belebt hat?" In den 1980er, 1990er Jahren sei Rüsselsheim zu jeder Zeit voll gewesen.

Insgesamt erhofft sich Bluhm durch "Motorworld" einen Neustart für die Rüsselsheimer Innenstadt: mehr Besucher, neue Jobs, mehr Leben.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 06.02.2020, 19.30 Uhr