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Audioseite Opel-Beschäftigte protestieren gegen möglichen Stellenabbau

In strömendem Regen demonstrieren Mitarbeiter am Stammsitz des Autobauers Opel in Rüsselsheim gegen zunehmenden Druck an ihren Arbeitsplätzen. Angereist waren offenbar auch Kollegen aus dem Standort Eisenach.

Die Gewerkschaft spricht von "Schikanen und nicht eingelösten Versprechen". Rund 500 Opel-Mitarbeiter haben in Rüsselsheim für bessere Arbeitsbedingungen und gegen Stellenabbau demonstriert.

Am Stammsitz des Autobauers Opel in Rüsselsheim rund 500 Mitarbeiter gegen zunehmenden Druck an ihren Arbeitsplätzen demonstriert. Die veranstaltende Gewerkschaft IG Metall kritisierte Arbeitsverdichtung, Pausenverkürzungen und die zögerliche Einstellung neuer Auszubildender.

Mitarbeiter würden durch wiederholte Reorganisationen in ihren Bereichen verunsichert und müssten sich teils nach Jahrzehnten erneut auf ihre Arbeitsplätze bewerben, hieß es. Die Kundgebung stand am Mittwoch unter dem Motto "Zukunft nur mit uns! Menschen respektieren - Arbeit wertschätzen."

Gewerkschaft spricht von "Schikanen"

Die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, sprach von "Schikanen und nicht eingelösten Versprechen" der Geschäftsführung. Derzeit sollen im Rahmen eines Abbauprogrammes nach Gewerkschaftsangaben noch 1.000 Beschäftigte Opel mit Abfindung verlassen, oder in Vorruhestand gehen. Statt den Umbau im Rahmen der Mitbestimmung zu organisieren, werde psychischer Druck auf Einzelne ausgeübt, lautet der Vorwurf der Gewerkschaft. Die Kundgebung fand auf einem Parkplatz am Firmensitz statt.

Der deutsche Traditionshersteller war 2017 von der französischen Peugeot-Mutter PSA übernommen und in der Folge auf Effizienz getrimmt worden. Anfang dieses Jahres schlossen sich PSA und Fiat Chrysler (FCA) zum Stellantis-Konzern zusammen, in dem Opel die einzige deutsche Marke ist. Schon im November hatten 3.000 Beschäftige gegen mögliche Kündigungen protestiert.

Geschäftsführung verweist auf Erfolgsprämien und Co.

In einer Mitarbeiterbotschaft, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wies die Geschäftsführung die gewerkschaftlichen Vorwürfe zurück. Das Management verwies auf die Rückkehr in die Gewinnzone, Erfolgsprämien und hohe Investitionen in sämtliche deutsche Werke. "Der Standort Rüsselsheim befindet sich – genau wie die gesamte Automobilindustrie – in einer Phase der umfassenden Transformation", hieß es in dem Papier. Am Main sollen künftig in steigenden Stückzahlen auch Elektroautos und Transporter mit Brennstoffzellen gebaut werden.

"Das Einzige, was bei Opel intern zählt, ist der Abbau von Arbeitsplätzen", erklärte hingegen die Darmstädter Bevollmächtigte der IG Metall, Ulrike Obermayr. Nach wie vor sei unklar, welche Rolle Opel im Stellantis-Konzern spielen soll. Beschäftigte würden massiv unter Druck gesetzt, das Unternehmen zu verlassen. Auf der anderen Seite gehe es mit den versprochenen Qualifizierungen nicht voran.

SPD-Chefin Faeser kritisiert fehlenden Respekt

Unterstützung bekamen die Opel-Beschäftigten von SPD und Linkspartei. SPD-Fraktions- und Parteichefin Nancy Faeser attestierte am Mittwochnachmittag, es fehle "den Bossen an Respekt. An Respekt vor Opel und an Respekt vor den Menschen, die bei Opel arbeiten und die mehr sind als Kostenstellen auf zwei Beinen", sagte Faeser.

Christiane Böhm, Landtagsabgeordnete der Linken aus dem Kreis Groß-Gerau, betonte, dass die Debatte um Zukunftsfähigkeit und Klimaschutz nicht auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetragen werden dürfe. "Es ist erforderlich, die sozialverträgliche und nachhaltige Transformation der Automobilindustrie anzugehen", sagte Böhm.

Sendung: hr-iNFO, 26.05.2021, 17 Uhr