Opel-Zentrale in Rüsselsheim

Opel schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Die IG Metall ist entzürnt. Kündigungen seien nicht mit dem Tarifvertrag zu vereinbaren.

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Die Ankündigung möglicher betriebsbedingter Kündigungen bei Opel hat bei Beschäftigtenvertretern für vehemente Kritik gesorgt. Das Unternehmen drohe damit indirekt mit einem weiteren Arbeitsplatzabbau, erklärte die IG Metall am Donnerstag. "Das widerspricht eklatant dem Zukunftstarifvertrag. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Mitte 2025 ausgeschlossen" , betonte Jörg Köhlinger, Leiter des IG Metall Bezirks Mitte. Tarifverträge seien für schwierige Situationen gemacht und könnten nicht nach Belieben in Frage gestellt werden.

Rudolf Luz, Unternehmensbeauftragter der IG Metall bei Opel, erklärte, Opel habe Investitionen in Modelle für eine langfristige Absicherung der Standorte und den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen in den nächsten fünf Jahren zugesagt. "Wenn das jetzt in Frage gestellt wird, ist das die Aufkündigung der Zusammenarbeit."

Freiwilliges Ausscheiden: "Niedrige Akzeptanz"

Bis Ende kommenden Jahres sollen bei Opel in Deutschland 2.100 Arbeitsplätze über sozial verträgliche beziehungsweise freiwillige Alters- und Abfindungsprogramme abgebaut werden. Wegen bisher niedriger Akzeptanz eines freiwilligen Programms zum Abbau der Arbeitsplätze schließt Opel betriebsbedingte Kündigungen aber inzwischen nicht mehr aus.

Bisher hätten sich aber nur 500 Beschäftigte für ein freiwilliges Ausscheiden entschieden, hatte der Autobauer am Mittwoch mitgeteilt. Sollten die freiwilligen Maßnahmen nicht zum Ziel führen, "werden wir eine Überprüfung des Zukunftstarifvertrages vornehmen, insbesondere der Verpflichtung zur Beschäftigungssicherung", erklärte ein Opel-Sprecher.

Ende November soll Lage bewertet werden

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Opelsprecher zu Abbau: "Weit entfernt vom Ziel"

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Begründet wurde das Vorgehen auch mit der Corona-Krise. Betroffen ist vor allem der Standort Rüsselsheim. Die Tageszeitungen der VRM-Gruppe hatten am Mittwoch zuerst über eine entsprechende Botschaft an die Mitarbeiter berichtet.

Die Situation soll laut Unternehmen Ende November bewertet werden. Darauf basierend werde die Umsetzung betriebsbedingter Kündigungen geprüft, erklärte der Sprecher. In Gesprächen mit dem Betriebsrat und der IG Metall sei vereinbart worden, schnell weitere Alternativen zu untersuchen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 17.09.2020, 13 Uhr